Camp Breakout

Camp Breakout: Lachen, Lunchpaket und Lagerfeuerromantik

Auf Wiedersehen geliebtes Galaxy S 6 Edge. Seit 3 Wochen sind wir erst zusammen. Nun verschwindest du in einer kleinen braunen Papiertüte in der Seitenablage meines VW-Busses.

3 Tage lang darf ich dich nur noch in deinem verhüllten Zustand anschauen. Anfassen is nicht. Das sagen die Regeln im Camp Breakout, in das ich gerade eingezogen bin.

Wobei Häuptling Maike gleich betont, dass jeder für die Art und Länge der Unterbrechung seiner Smartphone- und Social-Media-Sucht selbst zuständig sei. Keine Bevormundung, keine Strafen.

Digital Detox light sozusagen. Wer außer mir sein Lieblings-Spielgerät bis zum Ende wirklich nicht angefasst hat, will ich am Ende wissen. Eine Teilnehmerin meldet sich. Sie hat ihr Handy gleich zu Hause gelassen.

Camp Breakout

Die anderen Premierengäste des ersten Erwachsenen-Ferienlagers in Deutschland schauen vielleicht höchstens morgens oder abends mal kurz auf ihr Smartphone. Im Schutz der Zeltdachhäuser. Öffentlich herumdaddeln will dann doch niemand.

Ein äußerst angenehmes Gefühl, mit Menschen zu reden, die ihre Hände und damit auch ihren Geist frei haben. Nichts brummt, zwitschert, ploppt, vibriert, nervt und stört. Oder wer hat diesen Schafsgeblöke-Erinnerungston eingestellt? Ach ne, die Tiere stehen ja wirklich nebenan auf der Wiese.

Codename “Erster”

Interessante Gesprächspartner gibt es zuhauf. Lustige Namen haben sie auch: Löckchen, Banana, Ghost, Pauli, Rotkäppchen, Boodie, Smiley, Servus und noch viele mehr. Unsere bürgerliche Existenz dürfen wir beim Empfang ablegen. Ab jetzt sind wir nur noch Spielkinder.

Ich bin “Erster”. Steht so grün auf schwarz auf meinem Namens-Tape. Weil ich mich von allen Teilnehmern als Erster angemeldet habe. Erspart mir diesmal die üblichen Erklärungen, dass ich a) wirklich Mischa heiße, b) nicht Micha heiße, c) der Name wirklich in meinem Ausweis steht und d) gerne Mischa genannt werde.

Camp Breakout

Das Gefühl “Hier bin ich richtig” stellt sich von der ersten Minute an ein und weicht bis zum Ende nicht mehr. Ich kenne niemanden? Egal. Mit Menschen, die sich zu so einer Veranstaltung anmelden, wird mich einiges verbinden.

Wild sein auf der Spielwiese des Lebens

Der Beweis ist schnell angetreten, als wir schon nach wenigen Minuten mit Schwimm-Nudeln fechten und uns eine Völkerball-Schlacht liefern. Genau deshalb bin ich hier: wild sein, herumtollen und ständig Leute um mich zu haben, die das genauso wollen.

Mein Credo “Das Leben ist eine Spielwiese” wird von allen geteilt. Und wie! Wir basteln in der DIY-Ecke und battlen uns bei lustigen Spielen. Wir lernen Cajon, Ukulele, singen und tanzen. Wir hauen uns beim Beachvolleyball und Tischtennis die Bälle um die Ohren.

Wir streunen bei der Schnitzeljagd durch den Wald, erfinden witzige Geschichten, gewagte politische Manifeste und umwerfende Choreos für unsere Team-Hymnen. Wir treffen uns um 7 Uhr zum Yoga und springen danach in den Süseler See, über den wir später mit dem Kanu paddeln.

Camp Breakout

Wir meditieren, relaxen, sammeln Lagerfeuerholz, schmieren unsere Stullen für das Lunchpaket. Am Abend sitzen wir alle am Lagerfeuer, halten Stockbrot oder Marshmallows über die Glut, sehen Sternschnuppen beim Verglühen zu und philosophieren über das Leben.

Camp Breakout als Ausbruch aus dem Erwachsensein?

Wie viel Ausbruch aus dem Leben eines Erwachsenen ist das Camp Breakout nun? Das hängt einzig von der Ausgangsposition jedes Einzelnen ab. Den Typ “Bürohengst, der mit dem Hintern Nüsse knacken kann” – also die Sorte Mensch, der so eine Frischluftkur besonders gut täte – habe ich im Camp nicht getroffen.

Meine These: Wer zu so einer Veranstaltung geht, ist sowieso ein Stück weit Kind geblieben. Ich sowieso.

Der große Vorteil: Nirgendwo sonst habe ich die Chance, so viele andere erwachsene Kindsköpfe 3 Tage lang auf einem Haufen zu haben. Ständig gibt es einen Partner für Spiele, Sport oder kreative Anfälle. Für tief gehende Gespräche auch. Alles kann, nichts muss.

Camp Breakout

Meine 10 Learnings im Camp Breakout

  1. Mehrere Nächte in Mehrbett-Hütten zu schlafen tut gar nicht weh. Im Gegenteil: Ein Hoch auf unsere Hüttengespräche!
  2. Die Frage “Was passiert mit meinem Fuß, wenn ich ihn barfuß auf einen vor ca. 40 Jahren zum letzten Mal erneuerten Teppich in meiner Hütte setze?” konnte nicht abschließend beantwortet werden.
  3. Bei Schmimmelbildung in den Gemeinschaftsduschen gilt das alte Campermotto: Augen zu und durch!
  4. Ich habe Ukulele gelernt! Wieder ein Haken auf der Bucketlist.
  5. Ich durfte meine neuen Fähigkeiten gleich am Lagerfeuer demonstrieren. Das war so, ähm, also, na ja …. zumindest lustig.
  6. Mein Beachvolleyball-Trauma wurde mit dem siegbringenden Schmetterball ein für alle Mal geheilt.
  7. Einen Mini-Blumentopf im Do-it-yourself-Pavillon zu bemalen, war für mich ein ziemlich gewagter Schritt aus der Komfortzone. Das Ergebnis auch.
  8. Erster wurde seinem Namen zweimal gerecht und ist am Freitag- und Sonntagmorgen eine Stunde vor allen anderen aufgestanden. Senile Bettflucht oder Lust auf die bezaubernd-ruhige Morgenstimmung? The answer my friend …
  9. Perfekt durchstrukturierte Zeitpläne sind etwas für Spießer.
  10. Ich komme wieder!

Fotos Camp Süsel – Credit: Lisa Altekrüger

Ein riesiges Danke an:
Ben Wadewitz Coaching (für ein spontanes und intensives Coaching nach Campende)
Hand im Glück – DYI Community (echt süß, dass ihr mich für meinen Blumentopf noch gelobt habt)
Gloria Sophie (meine wunderbare Ukulele-Lehrerin)
He’enalu Yoga – Yoga and Treatment (Peggy, die großartige Morgen-Yoga-Lehrerin)
und alle anderen mutigen Spielkinder für 3 großartige Tage!

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