Liebeserklärung an depressive Menschen

Liebeserklärung an depressive Menschen

Ich bin entsetzt über den schrecklichen Flugzeugabsturz der Germanwings-Maschine. Aber genauso schlimm war für mich der darauf folgende mediale Wahnsinn. Einerseits die Hetzjagd, derer sich Familie und Freunde des Co-Piloten ausgesetzt sehen. Andererseits die Aussage, die latent oder ganz offen in den marktschreierischen Schlagzeilen mitschwingt: Depressive Menschen sind potenziell gefährlich.

Schreib einfach in eine Überschrift “depressiv” oder “psychisch krank” und schon hast du eine ganz einfache Erklärung für die schlimmsten Dinge, die passieren, denken sich wohl immer noch viel zu viele Journalisten.

Mir stellen sich dabei die Nackenhaare auf, ich bin traurig und wütend zugleich. Dabei gibt es in den ruhigen Zeiten viele gute Beiträge rund um das Thema Depression und den Versuch der Entstigmatisierung. Aber sobald etwas Schlimmes passiert, wird gnadenlos die Psycho-Keule geschwungen.

Oder kurz formuliert: Der Nachrichtenchef reißt das wieder ein, was der Redakteur im Gesundheitsressort so mühevoll aufgebaut hat.

Viel zu viel Schiss vor dem Outing

Leidtragende sind die Menschen mit psychischen Problemen, die sich nicht wie ich hinstellen und sagen “Ja, ich hatte 20 Jahre lang Panikattacken und drei schwere depressive Episoden.” Sondern die sich nicht trauen, jemandem von ihrer Krankheit zu erzählen. Die viel zu viel Schiss davor haben, was alles über sie ausgeschüttet würde, wenn sie sich “outen”.

Wie wahrscheinlich ist es, dass jemand seine Krankheit öffentlich macht, wenn gerade in den Medien suggeriert wird, dass depressive Menschen potenzielle Massenmörder sind? Wenn er beim Bäcker, im Supermarkt und in der Arztpraxis hört “Der Co-Pilot war halt psychisch krank”?

Es sind schon schreckliche Verbrechen geschehen, weil sich Ehefrauen haben scheiden lassen, der Job gekündigt wurde oder die gesamten Ersparnisse beim Zocken drauf gingen. Aber komischerweise haben geschiedene Männer, Arbeitslose und Casino-Besucher nicht den Stempel “Achtung gefährlich!” auf der Stirn.

Ich habe mich für meine Depression geschämt

Mich bewegt das Thema deshalb so sehr, weil ich mich auch 10 Jahre lang für meine Depression geschämt habe. Weil ich immer wieder mitbekommen habe, wie über depressive Menschen in der Öffentlichkeit (und auch in Zeitungsredaktionen) geredet wird. Bei so viel Häme und Ignoranz wollte ich um alles in der Welt verhindern, dass ich mit meiner Krankheit eine gute Zielscheibe abgebe.

Ich hatte in dieser schweren Zeit nicht ein einziges Mal den Gedanken daran, irgend jemandem oder mir selbst was Böses zu tun. Was aber interessant ist: Durch die öffentliche Wahrnehmung “psychisch krank = gefährlich” und der entsprechenden Vorurteile hatte ich wirklich Angst davor, dass meine “Verrücktheit” irgendwann dazu führen könnte, dass ich irgend etwas Unkontrolliertes tue.

Ähnliche Gedanken haben mir viele Mitpatienten geschildert, die ich vor 2 Jahren in der pyschosomatischen Klinik getroffen habe. Und alle eint etwas: Es sind wunderbare, herzliche, sensible Menschen. Die oftmals mehr an das Wohl anderer Menschen denken als an ihr eigenes. Die helfen, wo sie nur können, auch wenn es ihnen noch so schlecht geht. Die sich für andere aufopfern, bis sie selbst umfallen. Und die niemals auch nur einer Fliege was zuleide tun könnten.

Für all diejenigen und die Millionen depressiven Menschen da draußen, die ich nicht kenne, schreibe ich heute diesen Text. Meine Liebeserklärung an die großartigen Wesen, die nicht nur mit dieser fiesen Krankheit, sondern mit dem immer noch allgegenwärtigen Stigma zu kämpfen haben.

Ich möchte euch zurufen: Ich weiß, dass ihr nicht so seid, wie verallgemeinernd an den Stammtischen dargestellt. Vor euch muss niemand mehr Angst haben als vor jedem anderen Menschen auch, wie in diesem hervorragenden Artikel beschrieben. Eure Krankheit macht euch nicht zu gefährlichen Verbrechern oder Mördern. Bitte glaubt das niemandem, der euch das erzählen will.

Zum Schluss möchte ich noch Tanja und ihrem Team von Radio Sonnengrau danken, die sich auf ehrenamtlicher Basis mit unermüdlichem Einsatz dieses Themas annehmen und bestimmt dieser Tage auch des Öfteren entsetzt den Kopf geschüttelt haben. Von Menschen wie Euch kann es gar nicht genug geben!

Willst du zu diesem heiklen Thema einen Kommentar abgeben? Falls du sagst “Lieber nicht” würde ich mich über ein Liken oder Teilen des Artikels sehr freuen. 

51 Kommentare

  1. Veröffentlich von Axel am 29. März 2015 um 19:27

    Die richtigen Worte zur richtigen Zeit. Danke!

    • Veröffentlich von Mischa am 29. März 2015 um 19:32

      Ich danke dir, Axel!

  2. Veröffentlich von Ellen am 29. März 2015 um 19:39

    Lieber Mischa,
    Vielen Dank für diesen tollen, offenen Artikel! Auch ich habe meinen Blog nicht ohne Gründe angefangen. Eine schwere Erschöpfungsdepression hat mich quasi dazu gezwungen. Auch ich war früher der Meinung, dass psychische Erkrankungen nur eingebildete Krankheiten sind. Bis es mich sebst gertoffen hat. Urteilen über manche Situationen dürfen in meinen Augen nur selbst Betroffene – und de Facto würden genau die nicht urteilen!
    So entsetzlich das Geschehene ist, im Grunde muss sich der Arbeitgeber und die Gesellschaft im Allgemeinen den Schuh anziehen versagt zu haben.
    Ach und auch ich bin trotz meiner Schreib – und Reisewut eine völlig harmlose – vielleicht auch manchmal zu harmlose- Mutter von drei Kindern.
    Liebe Grüsse, Ellen

    • Veröffentlich von Mischa am 29. März 2015 um 21:56

      Hi Ellen,

      Hut ab vor deiner Offenheit!

      Ich gebe dir bis auf einen Punkt recht: Ich denke nicht, dass du als Arbeitgeber mitbekommen “musst”, wenn ein Mitarbeiter depressiv ist. Ich selbst habe es 10 Jahre lang perfekt verschleiert und immer den Sunnyboy gespielt. Allerdings wäre es natürlich möglich, wenn in den Jobs ein wenig mehr auf die Menschen als auf die Ergebnisse geschaut würden, dass man Veränderungen mitbekommt …

      Vielen Dank für deinen Kommentar und weiter viel Freude bei Reise- und Schreibwut 🙂

      Liebe Grüße

      Mischa

  3. Veröffentlich von Nima am 29. März 2015 um 19:41

    Danke Mischa!
    Gerade jetzt ist es umso wichtiger, weiterhin offen damit umzugehen. Dein Artikel ist genau der richtige Weg.

    • Veröffentlich von Mischa am 29. März 2015 um 21:58

      Lieben Dank Nima. Ja, ich denke auch, dass alle, die sich zu dem Thema schon ein bisschen Gehör verschaffen konnten, jetzt eher noch ein bisschen lauter werden müssen.
      LG

  4. Veröffentlich von Andrea am 29. März 2015 um 19:55

    Mischa, ich danke dir für diesen Artikel.
    Die vergangenen Tage waren echt schwer für mich. Ach klar, der war depressiv. Wenn er sich umbringen will, bitte aber… Krankes Schw… ich hab alles gehört. So laut kannst du deine Musik gar nicht schalten.
    Ich bin seit etwa einem Jahr diagnostiziert, leide aber etwa seit meinem 16. Lebensjahr an Depressionen, immer wieder auch mit Suizidgedanken. Ich kann es nachvollziehen. Manchmal kommen da Ereignisse zusammen. Und man findet sich an einem Scheideweg wieder. All das entschuldigte seine Tat (wenn es denn tatsächlich eine war) nicht, aber… Diese unglaubliche Stigmatisierung und Ablehnung, aber auch dieses Elefant-im-Porzellanladen-Verhalten vieler vermeintlich gebildeter Menschen machen mich wahnsinnig. Empathie kann man halt leider nicht studieren.
    Entschuldige bitte, ich glaube das ist ein völlig verwirrter Kommentar aber ich musste jetzt einfach was dazu sagen.
    Ich glaube, ich werde das auch noch mal in einem Post aufgreifen, wenn ich es verdaut habe. Aber danke danke dass du das geschrieben hast.
    Alles Liebe und danke.

    • Veröffentlich von Mischa am 29. März 2015 um 22:03

      Hi Andrea,

      hej, du hast dir gerade einfach deine Gedanken von der Seele geschrieben und das finde ich nicht verwirrt, sondern klasse.

      Ich denke, wir alle, die wir schon mit Depressionen Erfahrungen gemacht haben, müssen in solchen Tagen umso mehr zusammenstehen und uns gegen die Stigmatisierung wehren.

      Ich danke dir für deinen Kommentar und wünsche dir viel Mut und Kraft

      Ganz liebe Grüße

      Mischa

  5. Veröffentlich von Nils Terborg am 29. März 2015 um 20:46

    Hi Mischa,

    ich kann dir nur zustimmen. Sowohl der mediale Wahnsinn ist völlig daneben, als auch speziell die Stigmatisierung von Menschen mit Depression!

    Weiterhelfen tut das niemanden…

    LG, Nils

    • Veröffentlich von Mischa am 29. März 2015 um 22:04

      Hi Nils,

      danke, dass wir da auf einer Wellenlänge liegen.

      LG

      Mischa

  6. Veröffentlich von Daniela am 29. März 2015 um 20:57

    Mal ein Kommentar aus einer anderer Perspektive: Noch bevor es in den Medien stand, kam bei mir wegen der merkwürdigen Umstände der Gedanke auf, dass da jemand einen Suizid begangen hat. Habe mir dann aber überlegt, kann nicht sein, du hast zu lange in der (Akut)psychiatrie gearbeitet. Ich habe genug depressive Menschen erlebt, die versucht haben, sich zu suizidieren und dabei teilweise in Kauf genommen haben, dass jemand anders zu Schaden kommt, aber den eigenen Suizid mit einem Massenmord zu verbinden, das ist extrem selten. Als dann in den Medien von Depression und psychischen Problemen die Rede war, habe ich an eine damit verbundene wahnhafte Symptomatik gedacht. Aber jeder, der ein bisschen Verstand im Kopf hat, muss doch kapieren, dass so was eine absolute Ausnahme ist, vergleichbar mit dem religiösen Wahn der Typen, die am 9.11.2001 die Flugzeuge entführt und haben abstürzen lassen. Von daher: Lasst euch nicht stigmatisieren, wir müssen dahin kommen, dass eine psychische Erkrankung als genauso normal angesehen wird wie ein Beinbruch und das man entsprechend normal darüber reden kann. Genauso gut muss man aber auch bedenken, dass psychische Erkrankungen zu extrem auffälligem Verhalten führen können – bei einem sehr sehr geringen Prozentteil der Betroffenen. Aber darauf stürzen sich dann halt die Medien.

    • Veröffentlich von Mischa am 29. März 2015 um 22:12

      Hi Daniela,

      danke für deinen Kommentar aus der Insider-Sicht. Du hast recht, dass psychische Erkrankungen zu einem extrem auffälligen Verhalten führen können, aber das eben zum Glück eben nur die krasse Ausnahme und nicht die Regel ist. Genauso wie nur die wenigsten Besoffenen andere mit ihrem Maßkrug erschlagen oder die wenigsten gehörnten Ehemänner ihre Nebenbuhler gleich erschießen.

      Hoffentlich kommen wir mal zu dem Punkt, dass psychische Erkrankungen wirklich in einem Atemzug mit “normalen” Erkrankungen genannt werden.

      Liebe Grüße

      MIscha

  7. Veröffentlich von Rosemarie Krezdorn am 30. März 2015 um 8:29

    Hallo Mischa, ich habe vor gefühlten 100 Jahren eine Ausbildung zur Maltherapeutin in der Schweiz angefangen. Nach einem Jahr habe erst mal die Realität kennenlernen wollen und ein 3monatiges Praktikum in einer Psychosomatischen Klinik gemacht. In diesen 3 Monaten habe ich die Menschen in der Klinik lieben gelernt und mein Blickwinkel auf die sogenannte Wirklichkeit hat sich völlig verändert. Seit dem gehe ich mit einer ganz anderen Wahrnehmung durch die Welt. Die Ausbildung habe ich übrigends nicht weitergemacht…….
    Rosemarie

    • Veröffentlich von Mischa am 30. März 2015 um 17:27

      Hi Rosemarie,

      das kann ich mir vorstellen, dass es eine ganz besondere Erfahrung war. Ich denke seitdem auch über viel Dinge anders.

      Ganz wunderbar passt dazu auch das Buch: “Irre- wir behandeln die Falschen!” von Manfred Lütz. Kennst du das? Bietet sehr viele Infos, aber auch viel Humor und Sensibilität.

      Ganz liebe Grüße

      Mischa

      • Veröffentlich von Rosemarie Krezdorn am 30. März 2015 um 19:21

        Hi Mischa, das wir die Falschen behandeln die Idee habe ich immer wieder, habe mich aber bis jetzt nie getraut es auszusprechen.
        Liebe Grüße
        Rosemarie

        • Veröffentlich von Mischa am 1. April 2015 um 11:46

          das darfst du ganz laut aussprechen 🙂

  8. Veröffentlich von Judith am 30. März 2015 um 8:53

    Hallo Mischa,

    sehr interessanter Artikel. Meine Reaktion auf die Nachricht, dass der Co-Pilot psychisch krank war, war jedoch eine etwas andere.
    Ich habe mich direkt gefragt warum dann überhaupt noch weiter nach Erklärungen gesucht wird, denn eine Depression ist für mich eine ausreichende Erklärung für so eine Tat. Ich war selbst eine Zeit lang sehr depressiv und hatte auch Suizidgedanken. Dabei ging es natürlich in erster Linie um mein eigenes Leben, jedoch habe ich auch Situationen erlebt in denen ich so wütend auf andere Menschen war, dass ich zu unberechenbaren Taten in der Lage gewesen wäre. Ich gab ihnen oder den Situationen, welche sie auslösten die Schuld daran wie es mir ging.
    Mittlerweile weiß ich, dass das nicht wirklich ICH war, sondern die Krankheit die diese Gedanken auslöste. Das trifft mit Sicherheit nicht auf jeden Depressiven oder psychisch Kranken zu. Dennoch glaube ich, dass so eine Krankheit eine ausreichende Erklärung für Vorfälle wie den bei Germanwings sein kann.

    • Veröffentlich von Mischa am 30. März 2015 um 17:31

      Hi Judith,

      danke für deine offenen Worte.

      Ich will dir in dem Punkt auch gar nicht widersprechen. Natürlich kann es eine ausreichende Erklärung sein, wobei da mit Sicherheit zur Depression noch ein paar andere Persönlichkeitsstörungen hinzukommen müssen, wenn jemand zu so einer Tat fähig ist (wenn es denn so war, wie es derzeit medial dargestellt wird).
      Aber es muss eben selbst bei einem schwer Depressiven extrem viel zusammenkommen, damit so etwas oder Ähnliches passiert. Die Tat ist also eine absolute Ausnahme und kann/darf deshalb niemals zur medialen und öffentlichen Wahrnehmung führen, dass depressive Menschen gefährlicher sind als andere.

      Liebe Grüße

      Mischa

  9. Veröffentlich von Katja am 30. März 2015 um 12:19

    Lieber Mischa,

    vielen Dank für Deinen Artikel! Es beruhigt mich sehr, dass auch andere Betroffene diesen bitteren Beigeschmack empfinden, seit die Depressionen des Copiloten an die Öffentlichkeit gezerrt werden.
    Gerade gestern habe ich mich über diese Gedanken erstmals mit einem ebenfalls an Depressionen erkrankten Freund ausgetauscht. Wir sind beide Grundschullehrer und unabhängig voneinander hatten wir in den letzten Tagen die verstärkte Sorge, dass die Eltern unserer Schüler von unserer Krankheit erfahren könnten – und ihre Kinder plötzlich in “Gefahr” sehen. Dabei würde ich jederzeit meine Schüler eher mit meinem Leben schützen, als zuzulassen, dass ihnen etwas geschieht…

    Es ist schon schwierig genug, diese Krankheit anzunehmen und mit ihr zu leben. Da kann ich auf den Stempel “potentiell gefährlich und unberechenbar” gerne verzichten.

    Liebe Grüße,
    Katja

    • Veröffentlich von Mischa am 30. März 2015 um 17:37

      Hi Katja,

      vielen Dank für deinen Kommentar.

      Ich kann sehr gut nachvollziehen, wie derzeit deine Gefühlswelt und die des befreundeten anderen Lehrers aussieht. Vor allem, nachdem ja inzwischen in vielen Bereichen in der Schule geradezu Paranoia herrscht, siehe kürzlich die Geschichte mit den SoFi-Brillen …

      Euch beiden viel Kraft mit Eurer Krankheit und dass daraus hoffentlich keine Probleme erwachsen. Ich bin wirklich froh, dass ich 10 Jahre lang niemandem etwas gesagt habe, sonst hätte ich beim Arbeiten auch den Stempel drauf gehabt.

      Liebe Grüße

      Mischa

  10. Veröffentlich von Maria am 30. März 2015 um 17:00

    Hallo!

    Danke für Deinen Beitrag! Ich hatte selbst lange Zeit mit Vorurteilen zu kämpfen, Arbeitskollegen, die vehement behauptet haben Burnout gibt es nicht.

    Das war so sehr verwurzelt, dass ich nicht einmal in der Lage war, es mir selbst einzugestehen und viel zu spät darauf reagiert habe.

    Inzwischen habe ich dazu gelernt und wenn man so will kann man sagen, dass es eine körperliche Erkrankung ist, die sich auf die Psyche auswirkt.

    Wenn jemand eine Schilddrüsenunterfunktion hat ist es auch normal, dass man Schilddrüsenhormone einnimmt.

    So sollte das auch bei Depressionen gesehen werden. Wenn der Serotoninspiegel unten ist, dann muss man was daran ändern.

    lg
    Maria

    • Veröffentlich von Mischa am 30. März 2015 um 17:45

      Hi Maria,

      ich gebe zu, dass ich mich mit dem Wort Burn-Out ebenfalls schwer tue. Letztlich ist es ja keine medizinische Diagnose, sondern nur eine Symptomatik für eine schwere Depression. Burn-out ist quasi das verbale Hilfsmittel, um anderen zu sagen, dass man depressiv ist oder an Panikattacken leidet.

      Aber natürlich kann massive berufliche Überlastung zu schweren Depressionen führen, was zum Glück inzwischen immer stärker öffentlich wahrgenommen wird.

      Hoffentlich kommen wir dahin, dass Depression irgendwann einmal in einem Atemzug mit “normalen” Krankheiten genannt wird. Bis dahin müssen wir Betroffenen einfach weiter viel Aufklärungsarbeit betreiben und zeigen, dass wir nicht verrückt sind.

      Liebe Grüße

      Mischa

  11. Veröffentlich von Andreas am 30. März 2015 um 18:00

    Hi Mischa,

    Mich überrascht immer wieder wie kurzsichtig und reduktionistisch wir Depression oder andere psychische Erkrankungen manchmal betrachten. Neben den biologischen und individuellen Ursachen einer depressiven Erkrankung könnte man z.B. auch die strukturellen Ursachen in unserer Gesellschaft diskutieren. Schließlich hängt das doch alles irgendwie zusammen, oder?

    So schreibt der buddhistische Autor David Loy beispielsweise, dass Gier, Böswilligkeit und Verblendung (im Buddhismus die drei grundlegenden Ursachen für unser emotionales Leid) in unserer Gesellschaft institutionalisiert sind. Allen voran könnte man vielleicht das Paradigma des (von der Gier angetriebenen?) ewigen wirtschaftlichen Wachstums anführen, welches das Leben der meisten Deutschen auf die eine oder andere Art beeinflusst. Sparmaßnahmen und wirtschaftliche Optimierung machen auch vor Branchen keinen Halt, in denen die Sicherheit der Mitarbeiter an oberster Stelle stehen sollte. Mit “Sicherheit” meine ich hier nicht zwangsweise nur die technische Sicherheit, sondern auch die (teilweise fragwürdigen) Arbeitsbedingungen in der Luftfahrt.

    Auf arte kam neulich eine interessante Doku über die kollektiven Ursachen von depressiven Erkrankungen:
    http://www.freiheit-und-bewusstsein.de/inspiration/depression-eine-krankheit-erobert-die-welt/

    Liebe Grüße,
    Andreas

    • Veröffentlich von Mischa am 30. März 2015 um 18:55

      Hi Andreas,

      es ist ja auch viel besser für die Wirtschaft, wenn man zuerst die Leute krank macht und sie dann alle behandeln kann. Klingt zynisch, ist aber so. So verdienen die Unternehmen dank der Ausbeutung mehr und der medizinisch-pharmazeutische Bereich profitiert direkt davon.

      Deshalb wird es wohl noch eine ganze Weile bei dem kurzsichtigen Denken bleiben. Aber zum Glück formiert sich – vor allem im Netz – langsam aber sicher eine Gegenbewegung dazu.

      Vielen Dank für den Doku-Tipp, schaue ich mir heute gleich noch an.

      Liebe Grüße

      Mischa

  12. Veröffentlich von Carolin Otzelberger am 30. März 2015 um 21:15

    Danke, Mischa, für diese Perspektive! Ich finde deine persönlichen Erfahrungen und Eindrücke sehr wertvoll!
    Auf Gefühlsebene entsteht eine Depression durch die (unbewusste) Vermischung von Wut und Traurigkeit. Ich erlebe das immer wieder in meiner Coaching-Praxis und die Trennung dieser Gefühle sowie der bewusste Umgang mit der eigenen Wut bewirken wahre Wunder… Nur so als ergänzende Bemerkung.

    Herzlichst, Carolin

    • Veröffentlich von Mischa am 1. April 2015 um 11:48

      Hi Carolin,

      danke für den Kommentar und die Erklärung zu dem Thema. Diesen Ansatz kannte ich noch gar nicht, aber lasse ihn mir gerne mal von dir unter 4 Augen erklären 🙂

      Liebe Grüße
      Mischa

  13. Veröffentlich von Ninja am 31. März 2015 um 15:14

    Hallo Mischa!
    Ein super Artikel!
    Hier wird genau das gesagt, was ich die ganze Zeit dachte… Psychisch kranke werden als “gefährlich” und immer suizidgefährdet dargestellt.
    Was für ein Unfug…
    Danke für diesen gelungenen Kommentar!!!!

    Nun muss ich mir deine Seite hier erst einmal genauer anschauen… 😉

    Viele Grüße
    Ninja

    • Veröffentlich von Mischa am 1. April 2015 um 11:49

      Hi Ninja,

      lieben Dank für deinen Kommentar und das große Lob!

      Ich wünsche dir viel Freude beim Stöbern auf dem Blog und freue mich, bald wieder von dir zu lesen.

      Liebe Grüße
      Mischa

  14. Veröffentlich von Lisa am 31. März 2015 um 15:15

    Vielen Dank für diesen Artikel. Es ist wirklich furchtbar wie Menschen mit psychischen Krankheiten stigmatisiert werden. Ich habe sogar die Erfahrung gemacht, dass man auch wenn man wieder gesund ist weiterhin total komisch behandelt wird. Für viele ist man auch danach einfach nur ein schwacher Mensch oder ein Hypochonder. Dabei braucht man, um eine psychische Erkrankung zu überwinden, viel mehr Mut und Stärke als sich die meisten Menschen vorstellen können. Ich denke da steckt auch die Angst der Leute dahinter, dass sie selbst mal psychisch krank werden könnten.

    • Veröffentlich von Mischa am 1. April 2015 um 11:54

      Hi Lisa,

      das hast du sehr gut beschrieben. Selbst nach überstandener depressiver Phase haben leider viele immer noch den Stempel auf der Stirn. Und sie gelten als nicht mehr so leistungsfähig (was ein Stück weit bestimmt auch stimmt), weshalb sie in unsere Turbo-Kapitalismuswahn-Arbeit-über-alle-Gesellschaft nicht mehr so gut hineinpassen. Aber ich denke, wir werden immer mehr und wir verschaffen uns mehr Gehör. Ein kleiner Lichtstreif am Horizont …

      Liebe Grüße
      Mischa

  15. Veröffentlich von Natascha am 2. April 2015 um 22:19

    Ich bin Natascha. Ich bin lustig, schlagfertig, lebensbejahend, Yogini, kreativ, kann toll singen, habe mein Studium mit eins abgeschlossen und überlege jetzt, die Erwerbsminderungsrente zu beantragen. Obwohl ich all diese oben beschriebenen Charaktereigenschaften und Talente habe, haben mich meine Ängste, Zwänge und die Depression in die Knie gezwungen. Bezogen auf das Flugzeug Thema möchte ich mich jetzt auch mal öffentlich äußern. Wenn es tatsächlich so sein sollte, wie es erzählt wird, ist es furchtbar und ein furchtbares Trauma für alle Hinterbliebenen. Niemand aber, außer Menschen, die einen Suizid Versuch überlebt haben, kann über die Sekunden vor so einer Tat urteilen. Man sollte sich doch einmal vor Augen führen, dass eine Selbsttötung die Verabschiedung von jeglicher Hoffnung ist und sogar stärker, als der stärkste Trieb des Menschen. Der des Überlebens. Es ist doch eher unwahrscheinlich, dass man dann noch an andere denkt. Ich kann nur nochmal sagen, dass ich die Wut der Hinterbliebenen verstehen kann und für mehr als legitim halte, aber mein Mitgefühl ist auch auf der anderen Seite. Ich weiß, wie es sich anfühlt, wenn man sich Hilfe holen muss, weil man den Impuls verspürt, sich selber etwas schlimmes anzutun. Ich weiß, wie bescheuert Zwänge sind und wie man an der eigenen Realität zweifelt, wenn man Türen auf und zu macht, obwohl man weiß, dass sie zu sind…….

    • Veröffentlich von Mischa am 4. April 2015 um 11:53

      Hi Natascha,

      ganz lieben Dank dafür, dass du hier so offen über das Thema redest. Und danke auch, dass du mit deinem Beispiel zeigst, dass Depression und Ängste selbst den lebenslustigsten Menschen in die Knie zwingen können. Das kenne ich selbst nur allzu gut …

      Ich drücke dir ganz fest die Daumen, dass du im und mit dem Yoga deine Erfüllung findest und du das Leben führen kannst, das sich für dich richtig anfühlt.

      Liebe Grüße

      Mischa

  16. Veröffentlich von Freigeist am 3. April 2015 um 18:16

    Danke für diesen sehr wichtigen Beitrag. Ich finde es auch sehr schade, dass durch die jetzigen Ereignisse nur immer mehr Stigmatisierung entsteht…
    Dabei darf man nicht vergessen, dass gerade depressive oder ängstliche bzw. allgemein “neurotische” Menschen (ich bin kein Fan von Diagnosen!) oftmals sehr sensibel sind, auch feinfühlig, wenn es um die Bedürfnisse ihrer Mitmenschen geht. Viele plagen sich durch ihr Anders-Sein täglich mit Selbstvorwürfen und jeder Menge Scham. Also meist das Gegenteil von gefährlich!
    Lg Moni

    • Veröffentlich von Mischa am 4. April 2015 um 11:56

      Hi Moni,

      ganz genau dasselbe habe ich auch erlebt. Und mit dem Gedanken daran konnte ich gar nicht anders, als den Artikel zu schreiben.

      Lieben Dank für deinen Kommentar und deine guten Gedanken
      Mischa

  17. Veröffentlich von Freigeist am 3. April 2015 um 18:19

    Ps. Im Grunde wollte ich also sagen lieber Mischa, ich stimme dir voll und ganz zu!

  18. Veröffentlich von Oliver am 6. April 2015 um 18:33

    Lieber Mischa,

    danke für diesen Artikel. Ich finde es genauso erschreckend wie du, wie jetzt an den Stammtischen und in vielen Hohlbirnen noch mehr stigmatisiert wird. Als wir letzte Woche das Thema auf der Arbeit diskutierten, und ich einwarf, dass eine Depression eine Krankheit ist, die geheilt werden kann, ähnlich wie jemand der sich das Bein bricht, bekam ich heftigen Gegenwind. Daran glaubte keiner. Einmal depressiv – immer depressiv. Schrecklich.

    Für mich nur ein weiteres Symptom unserer Leistungs- und Effizienzgesellschaft, dass solch eine Erkrankung nicht für ernst genommen wird – am besten keiner davon erfährt und man schön weiter funktionieren soll. So wie du und viele andere es erlebt haben.
    Deshalb tut Aufkärung Not und deine Artikel leisten dazu ihren Beitrag. Mach weiter so.

    Davon unberührt ist natürlich die Tatsache, dass dieser Absturz eine unfassbare menschliche Katastrophe ist, und sich der Co-Pilot anscheinend keine Hilfe mehr holen wollte oder konnte. Dies wird keiner mehr herausfinden können.

    Beste Grüße
    Oliver

    • Veröffentlich von Mischa am 7. April 2015 um 17:06

      Hi Oliver,

      ja, diese Erfahrung in Gesprächen habe ich früher auch oft gemacht. Wohl mit ein Grund, weshalb ich all die Jahre niemandem von meiner Erkrankung erzählt habe. Die meisten Menschen wollen ihr einfaches Weltbild behalten: depressiv, Stempel drauf, taugt nix mehr.
      Und dabei vergessen sie, dass gerade die Leistungsgesellschaft viele Menschen erst depressiv macht …

      Liebe Grüße
      Mischa

  19. Veröffentlich von Von Umzügen, Reisen und einem Outing | verwandert.de am 7. April 2015 um 13:08

    […] von Adios Angst hat in seiner Liebeserklärung an depressive Menschen vieles ausgesprochen, was mich derzeit aufgrund der medialen Berichterstattung beschäftigt. […]

  20. Veröffentlich von Chaoskämpferin am 7. April 2015 um 22:00

    Hi Mischa, danke für diesen Beitrag.
    Ich würde gerne noch was ergänzen.
    Eine Depression ist nicht zuletzt auch eine Fehlregulation des Hirnstoffwechsels (insbesondere des Serotoninregelkreises). Deshalb sind Depressionen auch medikamentös überhaupt behandelbar und das nebenbei bemerkt durchaus mit guten Erfolgsquoten. Körper und Seele sind eben nicht trennbar. 😉
    Ein entgleisender Hirnstoffwechsel kann genauso wie alle anderen Fehlregulationen des Stoffwechselns sich durchaus wieder normalisieren. Deswegen ist es Unsinn, anzunehmen, eine Depression könne nicht geheilt werden.
    Allerdings bleibt eine gewisse Grundempfindlichkeit, also eine höhere Wahrscheinlichkeit, dass man irgendwann eine weitere “Entgleisung”, sprich: einen erneuten depressiven Schub erleidet, wenn man nicht aufpasst und seine ungesunde Lebensweise, die erst in die Depression geführt hat, ändert. Auf letzteres, nämlich das Erlernen gesünderer Lebensgewohnheiten zielt dann typischerweise die Psychotherapie ab.

    Liebe Grüße von einer, die vor 5 Jahren einen Burn out (schwere Erschöpfungsdepression) erlitten hat und heute wieder gesund ist.

    • Veröffentlich von Mischa am 8. April 2015 um 12:08

      Hi,

      du sprichst einen ganz wichtigen Punkt an: Das Erlernen gesünderer Gewohnheiten. Ich denke auch, dass du nur mit einer gewissen Radikalität in Bezug auf Änderungen wirklich vorankommst. Also ein bisschen Therapie machen und schwupp wird alles gut funktioniert halt (leider) nicht.

      Liebe Grüße

      Mischa

  21. Veröffentlich von Leni am 13. April 2015 um 22:38

    Hallo lieber Mischa,

    du sprichst ein Thema an, dass mich schon lange beschäfigt. Ich stimme Dir voll und ganz zu.

    Ich bin zarte 26 Jahre alt und habe bereits erfolgreich eine Verhaltenstherapie “gegen” meine Angstatörung und Hypochondrie abgeschlossen. Wenn ich “erfolgreich abgeschlossen” sage, impliziert das sicher nicht, dass ich der Meinung bin in irgendeiner Weise geheilt oder gegen neue “Attacken” gefeit zu sein, sondern lediglich, dass ich dazulernen durfte – lernen, wie ich mir selbst helfen kann. Das ist meiner Meinung nach eines der wichtigsten Elemente auf dem Weg zur Besserung.

    Ich habe in der Vergangenheit oft Ablehnung, Verständnislosigkeit oder gespieltes Verständnis durch meine Mitmenschen (Ärzte eingeschlossen) erfahren müssen. Das hat mich bisher immer dazu gebracht, mich selbst als Balast wahrzunehmen, was mehr und mehr dazu geführt hat, dass ich oft in Selbstmitleid versunken bin. Ein klassisches Beispiel (dass mich regelmäßig auf die Palme bringt): Durch meine Therapie, wird mir eine Berufsunfähigkeitversicherung zu einem horrenden Beitrag angeboten – manch anderer in der Beitragsklasse ist dreimal so alt wie ich und hatte bereits den ein oder anderen Bandscheibenvorfall. Warum mich das wütend macht?
    Weil ich so viel Verantwortung für mich selbst übernehme, dass ich die Notwendigkeit einer Therapie erkannt und gehandelt habe. Und das soll „bestraft“ werden??
    Ist die Verwunderung der Leute ernst zu nehmen, die erstaunt sind, dass psychische Probleme immer noch ein Tabu Thema sind?? Ist es wirklich von unserem System gewollt, dass ich brav mitlaufe, meine Gefühle ignoriere und dann irgendwann zerbreche?? …und dafür belohnt werde, in dem ich eine bezahlbare BU bekomme?

    Kann ich mir nicht vorstellen.

    Ich wünsche uns allen, dass wir aufrichtig zu uns stehen und aufrichtige Akzeptanz erfahren dürfen!

    Liebe Grüße
    Leni

    • Veröffentlich von Mischa am 14. April 2015 um 11:04

      Hi Leni,

      vielen Dank für deinen intensiven Kommentar!

      Du sprichst ganz wichtige Dinge an. Ich sehe mich zum Beispiel auch nicht als “geheilt”, weil man eine psychische Erkrankung nicht mit einem Beinbruch oder einem Schnupfen vergleichen kann. Die 20 Jahre Angsterkrankung lassen sich nicht einfach auf Knopfdruck wegmachen. Aber ich habe nun viel bessere Werkzeuge in meinem Rucksack, um damit umzugehen und das Abrutschen in den Teufelskreis zu verhindern.

      Mit der Berufsunfähigkeitsversicherung hast du absolut recht. Die Beiträge sind für Menschen mit einer Vorgeschichte wie bei uns so gut wie unbezahlbar. Ich hatte da nur das Riesenglück, dass in meiner Presse-Pflichtzusatzversicherung die BU schon mit dabei ist. Sonst hätte ich mir die nie leisten können.

      Und ja, das System ist leider genau so ausgelegt, wie von dir beschrieben. Wir können nichts anderes tun, als immer wieder unseren Mund aufzumachen und solche Dinge zu hinterfragen.

      Ich wünsche dir eine gute Zeit und schicke liebe Grüße

      Mischa

  22. Veröffentlich von Matthias am 23. April 2015 um 11:16

    Ich habe erst vor kurzem meine Glückwünsche an einen guten Freund bekundet als er mir sagte das er Depressionen habe.

    Ich kann nur von mir sprechen und sage das die Depression, eine Krise (crisis = wendung) die Chance ist genauer hin zu sehen was los ist mit dem eigenen Leben….
    Ich habe zu mir gefunden auch wenn es knapp am Leben vorbei ging.. denn man darf eines nicht vergessen: Depression kann tödlich sein, hier entscheidet es sich einfach ob man es überlebt und ein 2. Leben geschenkt bekommt oder nicht.

    Ich muss es so brutal sagen.. nicht böse sein.

    g24H
    von Herzen Matthias

    • Veröffentlich von Mischa am 23. April 2015 um 12:05

      Hi Matthias,

      wieso sollte ich böse sein? Zum Glück ist aber nicht jede Form von Depression so brutal, dass gleich suizidale Gedanken im Spiel sind.

      Dass es eine Chance ist, sein Leben genauer anzusehen, kann ich aus eigener Erfahrung unterstreichen. Dass es für die meisten aber brutal schwer ist, die entsprechenden Konsequenzen draus zu ziehen, auch.

      Insofern finde ich es ein wenig zynisch, jemanden zu einer Depression zu gratulieren. Man sollte ihm eher gratulieren, wenn es ihm wieder besser geht und er durch die Depression Erkenntnisse für sein Leben gewonnen hat.

      Liebe Grüße

      Mischa

  23. Veröffentlich von Angelika am 7. August 2016 um 17:33

    Hallo Mischa,
    vielen Dank für die vielen aufmuntere Worte die ich hier finden durfte. Ich habe gerade passend (da ab 02.08. Tageskliniktherapie) einen Artikel über dich in einer Zeitschrift gesehen. Zur Zeit habe ich leider noch Probleme die Krankheit Depression so für mich anzunehmen, da es mit dem Verstand nicht zu verstehen ist und es mir auch vorstellen kann das gerade Außenstehende es erst recht nicht verstehen. Daher noch meine zusätzliche Angst auch meine Krankheit anderen mitzuteilen. Ich hatte ja schon Angst zur Krankenkasse wegen dem Krankengeldantrag zu gehen…………….da ich vorweg mir schon Gedanken gemacht habe wie ich es erklären kann……………ich weiß es ist bescheuert, ist halt die Krankheit mit den ganzen Denken und Grübeln. Ich versuche es erst mal langsam mit der Tagesklinik angehen zu lassen, bevor ich, was ich super finde, die von dir aufgelistete Bücher reinschaue, was mich interessiert. Ich war jedenfalls zu Tränen gerührt wie einfühlsam hier auf alle eingegangen wird.
    Herzlichen Dank für den Zuspruch an alle hier……………und einiges mich nachdenklich gemacht hat…………..mit der Komponente Wut + Traurigkeit. Ich werde bestimmt noch öfters hier reinschauen.

    • Veröffentlich von Mischa am 8. August 2016 um 10:42

      Liebe Angelika,

      herzlichen Dank für deinen Kommentar und willkommen auf diesem Blog 🙂

      Ich finde es auch klasse, wie einfühlsam hier alle miteinander umgehen. Das zeichnet diese Seite aus und darauf bin ich auch stolz.

      Ich wünsche dir eine gute und erkenntnisreiche Zeit in der Tagesklinik und bin mir sicher, dass du dort einen anderen Umgang mit Angst und Depression lernen wirst. Mir hat das Annehmen und öffentlich machen damals sehr geholfen.

      Herzliche Grüße und alles Gute
      Mischa

  24. Veröffentlich von Sandra am 17. Februar 2017 um 18:44

    Das Schlimme ist, dass Depression rezidiev sind, also wiederkehren. Bis sie in eine Schwere depressive Episode eingehen, denken alle Betroffenen sich irgentwie handhaben zu koennen. Dann kommt der wirkliche Ausbruch, das ganze Ausmass der Krankheit. Eine leichte bis mittelschwere Depression ist mit einer schweren Episode gar nicht zu vergleichen, vor allem wenn psychotische Merkmale dazukommen. JEDER sollte sich darueber wirklich einmal einlesen und endlich begreifen, dass es jeden treffen kann. Depressionen sind keine GEISTESkrankheit. Sie entsteht aus mehreren Faktoren und selbst die Theorie mit dem Botenstoffungleichgewicht ist heute unter Medizinern ueberholt. Wir Menschen haben uns gegenseitig noetig und sollten uns nicht abstempeln und im Stich lassen. Alle Psychischkranken sind es irgentwann geworden. Deshalb kann es auch Dich treffen.

    • Veröffentlich von Mischa am 20. Februar 2017 um 20:17

      Hi Sandra,

      lieben Dank für deinen Kommentar!

      Ergänzend darf ich vielleicht noch erwähnen, dass das von dir beschriebene Szenario so eintreten kann, aber zum Glück nicht muss. Das ganze Thema Depression ist keine Einbahnstraße, aus der es kein Entrinnen gibt. Wir können in einigen/vielen Bereichen dazu beitragen, dass unsere Seele nicht mehr leiden muss. Allein mit Achtsamkeit/MBSR und Sport/Bewegung lässt sich schon unheimlich viel Gutes bewegen. Und dann ist die Frage, ob und wie es uns gelingt, alte Muster und Glaubenssätze zugunsten von mehr psychischer Gesundheit zu ändern.

      Ganz liebe Grüße und alles Gute
      Mischa

  25. Veröffentlich von Markus Hüfner am 3. Juli 2017 um 0:51

    Hey Mischa,

    gerade war das Thema German Wings ja wieder aktuell und es hat mich extrem aufgeregt, dass die Medien offenbar ihrer Pflicht der Aufklärung nicht vollständig nachkommen. Mit keinem Wort wurde irgendwo medial darüber berichtet, dass der Copilot SSRI-Antidepressiva einnahm und dass diese Medikamente mit großer Wahrscheinlichkeit die Hauptursache für das Unglück sind. Vor allem lässt man die Angehörigen sowohl von A. Lubitz, dem Co-Piloten, der in den Medien als rücksichtsloser Selbst- und Massenmörder dargestellt wird sowie die Angehörigen der Opfer dieser Katastrophe im Unklaren.

    Bereits 2004 warnte die FDA (Amerikanische Gesundheitsbehörde, die auch für die Zulassung neuer Medikamente zuständig ist), dass SSRI-Antidepressiva Angst, Erregungszustände, Panikattacken, Schlaflosigkeit, Gereiztheit, Feindseligkeit, Impulsivität, Akathisie (starke Ruhelosigkeit), Hypomanie (abnormale Aufgeregtheit) und Manie (Psychose, charakterisiert durch übersteigerte Gefühle, Größenwahn) verursachen können.

    Es konnte nachgewiesen werden, dass diese Antidepressiva Verhaltensänderungen wie Reizbarkeit, Feindseligkeit, Impulsivität und Manie auslösen, die wiederum zu Gewalttaten oder Suizid führen können. Medizinische Studien zeigen, dass sich bei Patienten, die keinerlei gewalttätige Vergangenheit haben, unter dem Einfluss von Psychopharmaka, »eine von Gewalt geprägte Angriffslust« entwickelt.

    Studien und Fakten zu diesem Thema sind so erdrückend, dass sie nicht länger ignoriert werden können und trotzdem passiert es. Es geht um Menschenleben, um die Sicherheit und Freiheit unserer Gesellschaft. Es geht aber auch darum, Menschen mit psychischen Krankheiten nicht pauschal zu potenziellen Gewalttätern und rücksichtslosen Selbstmördern zu machen, wenn die Krankheit gar nicht dafür verantwortlich ist, sondern die Medikamente, die sie einnehmen.

    Die beiden größten Selbsthilfe-Organisationen für Menschen mit Depressionen, die beide für sich in Anspruch nehmen, die Interessen ALLER Menschen mit Depressionen in der Öffentlichkeit zu vertreten und gegen die Stigmatisierung ankämpfen, das die Medien Menschen mit Depressionen als potentiell gefährliche Menschen für die Gesellschaft abstempeln, reagieren bei diesem Thema allerdings extrem gereizt und widersprechen sich.

    Das habe ich kürzlich erlebt, als ich die Deutsche DepressionsLiga e.V. (DDL) um eine Stellungnahme zu deren aktueller Broschüre »Depressionen – Ein Leitfaden für Betroffene und Angehörige« bat, in der Wege aus einer Depression aufgezeigt werden. Als erfolgreiche Behandlungsmethode werden auch SSRI-Antidepressiva empfohlen, ohne auf deren Risiken, Nebenwirkungen, dem erhöhten Suizidrisiko und dem hohen Abhängigkeitspotenzial hinzuweisen.

    Auf Seite 17 und 18 heißt es:

    »Vor dem Hintergrund, dass Depressionen biochemisch vor allem über einen gestörten Hirnstoffwechsel erklärt werden können, greifen Antidepressiva, vereinfacht ausgedrückt, in diesen Stoffwechsel ein, indem sie eine Fehlfunktion von Transmittern (Botenstoffen) regulieren. Für das Depressionsgeschehen sind Serotonin und Noradrenalin die wichtigsten Botenstoffe. […]

    Antidepressiva, welche übrigens nicht abhängig machen, werden je nach Angriffspunkt im Gehirn in verschiedene Kategorien eingeteilt. […] So gehören z.B. sog. selektive Serotoninwiederaufnahmehemmer (SSRI) zu den meist verschriebenen Antidepressiva, u.a. auch deshalb, weil sie weniger gravierende Nebenwirkungen hervorrufen als ältere Substanzen wie die sog. Trizyklika. […] In einigen Fällen muss der Patient auch mehrere Antidepressiva gleichzeitig einnehmen, um eine zufriedenstellende Wirksamkeit zu erreichen. […] Antidepressiva werden in aller Regel über einen längeren Zeitraum eingenommen. Auch nach Abklingen der akuten Symptomatik soll der Betroffene das verordnete Medikament über einige Monate (in schweren Fällen sogar über mehrere Jahre) einnehmen, dies um einen Rückfall in einen erneuten Depressionsschub zu vermeiden.«

    Ich hatte daraufhin regen E-Mail-Austausch mit der DDL, bei dem die diese auch zwei Stellungnahmen abgab, mir aber verboten hat diese zu veröffentlichen und mit rechtlichen Konsequenzen gedroht hat, würde ich es dennoch tun. Ich habe dazu einen Beitrag auf meinem Blog geschrieben

    https://die-psychopharmaka-falle.de/die-deutsche-depressionsliga-e-v-warnt-in-ihrer-aktuellen-broschuere-nicht-vor-den-risiken-und-nebenwirkungen-bei-der-behandlung-von-depressionen-mit-modernen-antideprssiva/.

    Außerdem habe ich Dr. Peter Ansari, Autor des Buches “Unglück auf Rezept – Die Antidepressiva-Lüge und ihre Folgen kontaktiert und ihm mitgeteilt, was ich mit der DDL erlebt habe. Mein Beitrag hat ihn dazu inspiriert, ebenfalls einen Beitrag zu diesem Thema zu publizieren

    https://www.depression-heute.de/blog/depressionsvereinigungen-stigmatisieren-patienten . Wenn Du Zeit hast lies es mal. Wie denkst Du darüber?

    Für mich stellen sich zwei Fragen: Vertreten diese Selbsthilfe-Organisationen wirklich ALLE Menschen mit Depressionen, wenn diese diejenigen Menschen mit Depressionen, die bei der Behandlung oder beim Absetzen dieser Medikamente schwere Nebenwirkungen haben, die oft auch lebensbedrohlich sind, nicht ernst nehmen?

    Wie glaubwürdig ist eine solche Organisation dann noch, wenn in deren Satzung steht: “Um eine unabhängige Interessenvertretung zu wahren, ist die Annahme von Spenden, sonstigen Zuwendungen, der Abschluss von Berater- und Sponsorenverträgen seitens bzw. mit der pharmazeutischen Industrie ausgeschlossen.”?

    Meine Interessen und die Interessen aller Menschen mit Depressionen, die mit der Behandlung bzw. dem Absetzen von SSRI-Antidepressiva lebensbedrohliche Erfahrungen gemacht haben, vertreten diese Organisationen jedenfalls nicht und ich kann sie auch nicht mehr länger als glaubwürdig ansehen und weiterempfehlen. Das bedaure ich zutiefst, da die DDL ansonsten hervorragende Arbeit leistet.

  26. Veröffentlich von Valentina am 6. Juli 2017 um 23:13

    Du sprichst mir aus der Seele mit dieser Passage “hatte ich wirklich Angst davor, dass meine „Verrücktheit“ irgendwann dazu führen könnte, dass ich irgend etwas Unkontrolliertes tue.”

    Mich würde es interessieren wie du damit umgegangen bist bzw wie diese Angst etwas unkontrolliert zu tun weg ging.

    Ich habe auch diese Angst.

    • Veröffentlich von Mischa am 9. Juli 2017 um 5:27

      Hi Valentina,

      ganz einfach: Ich habe mich gefragt, ob ich denn jemals wirklich etwas Unkontrollierbares getan habe, sprich ob aus solchen Gedanken auch Taten wurden. Da ich das jedesmal kräftig verneinen konnte, gab es mir die Gewissheit, dass es eben nur komische Gedanken sind, die keine realen Konsequenzen haben.

      Je eher du diesen Zustand akzeptieren kannst und aus der Ablehnung raus kommst, desto seltener werden diese Zwangsgedanken.

      Du könntest dazu auch “The Work” von Byron Katie machen, immer verbunden mit der Frage “Stimmt es, dass …?”

      Liebe Grüße und alles Gute
      Mischa

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