Aufs Auge fallen und wieder aufstehen: Mein Jahresrückblick 2016

Jahresrückblick 2016

Oh, ich glaube, ich habe mir selbst ins Knie geschossen. Vor lauter Teil-Rückblicken hier in den letzten Wochen fällt mir gar nichts mehr für den eigentlichen Jahresrückblick ein.

Und gleichzeitig geht mir gerade so viel durch den Kopf, dass es sämtliche Rahmen sprengen würde, alles hier aufzuzählen. Am besten nimmst du den Rückblick von 2014 und die Bilanz von 2015, mischt sie ein wenig und heraus kommt mein Jahresrückblick 2016.

Okay, das wäre echt ein bisschen billig. Also schwupps die Gedanken ein wenig sortiert und los geht’s mit meinen kurzen und knappen Erkenntnissen.

Meine Stimmungslage

Irgendwo zwischen stolz, nachdenklich, euphorisch und „Hilfe, was passiert denn gerade und wo soll mich das alles noch hinführen?“ Ich habe in diesem Jahr so unfassbar viel (über mich) gelernt. Durfte wunderbare Menschen kennenlernen und mit ihnen zusammen wachsen. Habe mir sehr viel von dem genehmigt, was mir gut tut und gemerkt, dass ich das noch viel konsequenter tun darf.

Ich weiß, dass ich von meiner freiberuflichen Tätigkeit als Journalist/Texter und Lektor leben kann, was ein unglaublich zufriedenstellendes Gefühl ist. Gleichzeitig merke ich jeden Tag immer deutlicher: Mittelfristig will ich mein Einkommen (fast) ausschließlich aus eigenen Projekten erzielen. Da steckt einfach eine andere Energie und noch mehr Freude dahinter (und gleichzeitig natürlich die Angst, damit tierisch auf die Fresse zu fallen, doch für das Angst-Thema bin ich ja zum Glück Experte).

Derzeit fühlt es sich an, wie wenn alle Türen für mich offen stehen und ich nur noch entscheiden darf, durch welche ich gehe. Und genau das ist das Thema. Vor lauter Ideen und Möglichkeiten drehe ich mich manchmal gefühlt im Kreis. Fokussieren? Ja, das würde ich gerne noch besser können. Ich bin gerade dabei. Versprochen. Ganz sicher. Bis ich wieder die nächste Idee habe.

Meine Premieren

  • Die Namen von 40 fremden Menschen innerhalb eines Tages gemerkt (ja, NLP macht’s möglich).
  • Von Anfang Mai bis Ende September konsequent jede Mountainbike-Tour mit einem Bad im Öschlesee abgeschlossen (Spannbreite der Wassertemperaturen von 14 bis 25 Grad).
  • In der letzten Septemberwoche jeden Morgen um 7.30 Uhr mit ein paar anderen verrückten NLP-Seminarteilnehmern zum Morgenschwimmen in den Starnberger See gestiegen (und nein, das war nicht lustig und gleichzeitig sehr lustig zugleich).
  • Von einem Menschen, den ich noch nie live gesehen hatte, mit den Worten „Du bist aber dünn geworden“ begrüßt worden.
  • Wasserski gefahren und dabei spektakulär aufs Auge gefallen (war interessanterweise danach immer noch da und die Show konnte weitergehen).
  • Eine Segeltour auf dem Ammersee gemacht.
  • In einem Ferienlager für Erwachsene gewesen.
  • Am 7. Dezember zum Sonnenuntergangs-Schauen auf einen Berg gestiegen.
  • An einem einwöchigen Yoga-Retreat teilgenommen.
  • Veganer geworden. Und nach 3 Wochen das Experiment mit Freude wieder aufgegeben, weil mir die Haare ausgefallen sind und mein Körper „Gib mir Fleisch“ geschrien hat.
  • Mich in die Insel Juist verliebt.
  • Ein Buch geschrieben und selbst verlegt.
  • Mehrere Bücher und Zeitschriften bei Gewinnspielen gewonnen – und sogar freien Tageseintritt in der Sauna, weil ich am 8. Dezember im Cambomare Kempten die 8 gewürfelt habe. War wohl mein Glücksjahr.
  • Nach der Landung in Alghero/Sardinien laut gesagt „Seit wann klatscht man denn nach der Landung?“ – und mich dabei kaputt gelacht, weil ich selbst seit 24 Jahren nicht mehr geflogen war.

Meine größten Erfolge

  • Überflieger: Manchmal kann ich es selbst noch nicht fassen, dass ich mich nach so langer Zeit wirklich getraut habe, wieder in ein Flugzeug zu steigen – und das gar nicht mal so schlimm war.
  • Medikamentenfrei: Seit Sommer 2016 lebe ich komplett frei von Medikamenten. Weil ich es wollte, weil ich fest daran geglaubt habe, dass es möglich ist, weil ich es mich getraut habe und weil ich meinen Teil dazu beigetragen habe, dass es klappt (Sport, Ernährung, fast kein Alkohol mehr, Meditation, Entspannung & Co.)
  • Autorenjubel: Yippieh, was für ein überragendes Gefühl war das, als am 16. Oktober das Werk „Antidepressiva absetzen“, das ich gemeinsam mit meiner großartigen Co-Autorin Melanie Müller geschrieben habe, heraus kam. Ich weiß gar nicht, ob und wann ich je eine Sache so konsequent mit allen Höhen und Tiefen durchgezogen habe. Ich bin unfassbar stolz und freue mich jeden Tag, wenn ich sehe, dass immer mehr Menschen das Buch kaufen, um vor oder in dieser schwierigen Phase Unterstützung zu haben. Erhältlich ist es als E-Book mit Bonusmaterial oder in der Printversion (ohne Bonusmaterial).

Meine größten Learnings

  • 20, 30 oder gar 60 Minuten am Stück zu lachen und dabei vom Stuhl zu fallen und sich auf dem Boden zu kugeln, hat eine ziemlich therapeutische Wirkung. Interessant: Dabei habe ich genauso hyperventiliert wie früher bei meinen Panikattacken. Was zeigt: Angst ist nichts anderes als eine Form von Energie.
  • Alles kommt zur rechten Zeit: Je mehr ich auf meine Intuition höre, desto mehr bekomme ich alle wichtigen Menschen, Kontakte, Bücher, Filme, Ideen quasi frei Haus. Unglaublich, was sich in diesem Jahr alles durch „Zufall“ (den es ja nicht gibt) ereignet hat. So macht Loslassen noch mehr Freude, weil ich weiß, dass ganz viel Gutes auf mich wartet.
  • Ich habe nur so viel Energie, wie ich habe. Die Wochen rund um den Buch-Launch waren extrem fordernd. Oft mit 10 bis 12 Stunden Arbeit pro Tag. Es hat Spaß gemacht, für einen begrenzten Zeitraum richtig zu powern, um ein großes Ziel zu erreichen. Gleichzeitig habe ich gemerkt, dass ich so eine Schlagzahl auf Dauer weder gehen kann noch will. Dazu bin ich inzwischen mit meinem Körper viel zu gut in Kontakt. Wenn er mir signalisiert: „Junge, jetzt is gut“, dann is auch gut.
  • Diskussionen sind sinnlos (und ungefragte Kritik in der Regel auch). Für diese Einsicht habe ich zarte 44 Jahre und ein wegweisendes Seminar gebraucht. Früher wollte, ja musste ich in jeder Diskussion Recht haben oder behalten – was überraschenderweise selten bis nie geglückt ist. Heute diskutiere ich nicht mehr. Jeder von uns lebt in seiner eigenen Welt mit seiner eigenen Wahrnehmung. Und am besten wäre es, wenn wir das alle akzeptieren könnten, anstatt immer zu glauben, die anderen müssten so denken und handeln wie wir.

Mein Zitat des Jahres

Ich will unter keinen Umständen ein Allerweltsmensch sein. Ich habe ein Recht darauf, aus dem Rahmen zu fallen, wenn ich es kann. Ich wünsche mir Chancen, nicht Sicherheiten. Ich will kein ausgehaltener Bürger sein, gedemütigt und abgestumpft, weil der Staat für mich sorgt. Ich will dem Risiko begegnen, mich nach etwas zu sehnen und es zu verwirklichen, Schiffbruch zu erleiden oder Erfolg zu haben.
Ich lehne es ab, mir den eigenen Antrieb mit einem Trinkgeld abkaufen zu lassen. Lieber will ich den Schwierigkeiten des Lebens entgegentreten als ein gesichertes Dasein führen; lieber die gespannte Erregung des eigenen Erfolges als die dumpfe Ruhe Utopiens. Ich will weder meine Freiheit gegen Wohltaten hergeben noch meine Menschenwürde gegen milde Gaben. Ich habe gelernt, selbst für mich zu denken und zu handeln, der Welt gerade ins Gesicht zu sehen und zu bekennen, dies ist mein Werk: Ich bin ein freier Mensch.
(Albert Schweitzer)

Dieses Zitat ist nicht gerade neu. Seinen Weg zu mir hat es trotzdem erst vor Kurzem gefunden. Unfassbar kraftvolle Worte. Ganz nach meinem Motto: „Lieber mit wehenden Fahnen untergehen, als niemals in den Kampf gezogen zu sein.“ Wobei es gar kein Kampf sein muss. Vieles geht ganz leicht, wenn wir uns trauen, die ersten Schritte zu machen und nicht vor Schreck über unseren eigenen Mut zwischendrin stehenbleiben.

Ich wünsche dir für 2017: Mut, Mut und nochmal Mut. Alles andere kommt dann von selbst.

Wie fällt deine Bilanz 2017 aus (gerne mit Link, wenn du sie schon aufgeschrieben hast)? Was hast du dich getraut, was hast du gelernt, was ist dir richtig gut gelungen? Ich freue mich zum Ende des Jahres auf ganz viele positive Kommentare 🙂

4 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Lieber Mischa,

    wow! Ich gratuliere dir zu diesem spannenden, lebendigen und erfolgreichen Jahr! Du hast ja wirklich alles mitgenommen was geht 🙂

    Die größte Mutprobe und der größte Erfolg in diesem Jahr war für mich das Kündigen meines Jobs, in dem ich ziemlich gedemütigt wurde. Ich habe offen und ehrlich (aber respektvoll!) meinem Chef die Meinung gesagt und musste sogar meine „zweite Wange hinhalten“. Es war ok. Ich war mir treu und darum ging es.

    Mit meinen Blog und persönlicher Weiterentwicklung wird es nächstes Jahr erst richtig rund gehen und freue mich schon tierisch darauf. Mut kann ich dazu auch gut brauchen 🙂

    Auch dir alles Gute und noch mehr Mut, Mut, Mut 🙂

    Liebe Grüße
    Bettina

    • Liebe Bettina,

      verzeih die späte Antwort und ein umso lauteres: Dankeschööööön!!!

      Sehr cool, dass du deine Mutprobe so durchgezogen hast. Ich bin mir sicher, dass du ein Leben lang von diesem Moment profitieren wirst.

      Ich wünsche dir ganz viel Freude mit deinem Blog und bei deiner Entwicklung 🙂

      Ganz liebe Grüße
      Mischa

  2. > Diskussionen sind sinnlos

    Wenn Du es hier so explizit sagst, möchte ich es doch nochmal explizit aufgreifen (bitte sieh mir nach, dass mich das so sehr beschäftigt).
    Ich finde das so nicht richtig und – sorry dafür – geradezu gefährlich (s.u.). Es kommt lediglich darauf an, was man von einer Diskussion will.

    Will ich „den anderen“ von meiner Meinung überzeugen? Tja, dann sind Diskussionen wohl tatsächlich sinnlos, zumindest nicht zielführend und oft enttäuschend.

    Für mich sind Diskussionen geradezu lebenswichtig – ich schrieb es schon an anderer Stelle hier im Blog. Ich habe zu allem Möglichen meine eigenen Erkenntnisse. Doch die sind nur auf meinem Mist gewachsen und sehr einseitig. Andere Menschen hatten ein anderes Leben und so auch andere Erkenntnisse zum selben Thema. Die will ich erfahren! Die muss ich erfahren, um meinen Blickwinkel zu erweitern. Wie oft erkenne ich erst in Diskussionen, dass ich es mir zu einfach gemacht habe mit meinen Überzeugungen? Wie oft erfahre ich in Diskussionen überhaupt erst von anderen Standpunkten, Argumenten, Geschehnissen, die mir einfach unbekannt waren? Klar, ich könnte auch Artikel lesen und Dokus schauen. Aber es ist gerade das Antworten auf konkrete Aussagen, das explizite in Frage stellen, das aufeinander Eingehen, das mir oft erst Klarheit bringt – bis ich den Nächsten treffe, der mir wieder andere Argumente um die Ohren haut – und kaum ein Argument ist einfach aus der Luft gegriffen; sie sind alle wichtig.
    Apropos Überzeugungen: All zu oft merke ich gerade in Diskussionen, dass ich mir Überzeugungen gar nicht leisten sollte. Viel zu oft sind Dinge komplizierter, als behaupten zu können: „so, und nicht anders“. Beim Diskutieren erkenne ich oft erst, dass es auch goldene Mittelwege gibt.

    Warum finde ich es sogar gefährlich, Diskussionen schlechtzureden?
    Z.B kenne ich mehrere fundamentalistische Christen. Die sagen genau wie Du: „ich diskutiere nicht“. Das Ergebnis ist, dass wir uns fremd geworden sind. Ich kenne ihre konkreten Ansichten nicht, wir reden nur noch über Belanglosigkeiten ohne Zündstoff. Aber ist das schon gefährlich? Nein, gefährlich ist der Grund, den ich hinter ihrer Diskussionshemmnis vermute: Sie wollen keine Zweifel zulassen (das sagen sie auch selbst). Ohne Diskussionen müssen sie nichts in Frage stellen, was sie glauben. Und seien ihre Ansichten noch so abstrus: sie wollen sie nicht gefährden, sondern ewig daran festhalten.

    Jetzt sind nicht alle Menschen so wie diese. Dennoch glaube ich, das selbst die großen Weltkonflikte (nicht nur die religiösen) mit darauf beruhen, dass Menschen ihre Erkenntnisse einfach nicht gefährden wollen, das sie einseitig denken (wollen?), dass sie Zweifel meiden und nicht bereit sind, andere Ansichten überhaupt erst zu hören.
    Diskussionen, wie ich sie meine, können helfen, Verständnis für den Rest der Welt zu erlangen, können Annäherung in der Verschiedenheit bewirken. Diskussionen nötigen einen, eigene Meinungen zu überdenken. Diskussionen zu meiden verhärtet dagegen Abgrenzung und verhindert, immer wieder die eigenen Überzeugungen zu überdenken. Immer wieder. Und immer wieder.
    Diese Chancen zu meiden, finde ich gefährlich.

    Wie gesagt: es kommt immer darauf an, was man mit einer Diskussion erreichen will. Statt Diskussion zu meiden, sollten wir vielleicht für eine positive Diskussionskultur arbeiten und kämpfen. Mein großes Vorbild darin ist mein Patenonkel. Mit ihm kann man trefflich über alles diskutieren, und mitunter sehr kontrovers. Das Wichtige daran ist: Man merkt ihm an, dass er an anderen Meinungen interessiert ist. Er fragt mehr nach, als er selbst ausführt und ermuntert immer wieder Unbeteiligte mit der Frage: „Und wie siehst Du das?“

    Mich interessiert jetzt natürlich noch, wie ein Seminar Dir Deine Einsicht vermitteln konnte.

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