kein Alkohol

Kein Alkohol ist auch eine Lösung. Oder: Wie lassen sich alte Gewohnheiten durchbrechen?

Tatort 1: Kürzlich auf einer Familienfeier. Der Onkel meiner Frau wird 70. Es gibt Mittagessen und um mich herum werden die Getränke bestellt: Rotwein, Weißwein, Bier. Ich: “Ein alkoholfreies Bier bitte!”

Fragende Blicke. Kurz wird abgeklärt: Bin ich schwanger? Nein. Bin ich Fahrer? Nein. Warum ich dann so was mache? Ich: “Weil ich Lust drauf habe und es mir gut tut.”

Aha. Meine Erklärung ist genial. Das Verständnis für mein Tun bewegt sich trotzdem eher im Bereich von “tanzt während der Weihnachtsmesse nackt im Petersdom” – oder so ähnlich.

Tatort 2: Gestern auf der Weihnachtsfeier einer örtlichen Marketingagentur, für ich dieses Jahr ein paar schöne Aufträge als Freelancer erledigen durfte. Treff ist auf dem Weihnachtsmarkt. Der Chef begrüßt mich und fragt: “Glühwein rosso oder bianco?” Ich: “Eine Cola bitte!”

Erstaunter Blick. Nachfrage, ob ich das ernst meine. Ja, das tue ich. Keine Abklärung, ob ich schwanger oder Fahrer bin. Ich bekomme meine Cola.

Später im Restaurant. Interessiert-staunende Nachfrage des umsichtigen Kellner, ob ich wirklich weder den wunderbaren Weiß- noch Rotwein probieren wolle. Nein. Ich vergnüge mich mit stillem Wasser, Tonic Water, alkoholfreiem Bier und lieben Gesprächspartnern bis 2.30 Uhr.

Wenig später zu Hause juble ich mir zu. Diesmal staune ICH über MICH. Ich habe es tatsächlich durchgezogen. Was war nochmal gleich mit dem fast drei Jahrzehnte super eingeübten Muster “Ich trinke auf Familien- und Weihnachtsfeiern immer viel, weil es nur dann richtig lustig ist”?

7 Stunden später wache ich auf. Etwas gerädert aufgrund der späten Einschlafzeit. Und mit klarem Kopf. Wie cool ist das denn? Ich kann selbst so eine alte Gewohnheit durchbrechen. Echt? Echt!

Wie kam es zu dem Experiment “Kein Alkohol ist auch eine Lösung”?

Wie du sicher weißt (oder das spätestens jetzt tust): Ich liebe solche Experimente. Bin immer neugierig, was mit mir und den anderen passiert, wenn ich Dinge völlig anders mache als früher.

Immer verbunden mit der Frage: Inwiefern kann ich Muster ändern, von denen ich weiß, dass sie mir nicht gut tun? Die gleichzeitig sehr fest mit meinem Leben verwurzelt sind und für langjährige oder kürzere Weggefährten zu mir zu gehören scheinen.

In vielen Bereichen habe ich diverse Kehrtwendungen hingelegt, alte Verhaltens- und Denkweisen auf den Kopf gestellt.

Beim Thema Alkohol wähnte ich mich auch auf einem guten Weg. Brauchte ihn nicht mehr wie früher als guten Freund gegen die Angst – wie ich es in diesem Artikel beschrieben habe.

Mein Umgang damit wurde viel entspannter. Alkohol spielte im täglichen Leben keine größere Rolle mehr. Belohnungsbier für das Durchhalten in der täglichen Sklaverei des Angestelltenseins? Nicht mehr nötig.

Doch bei Festen darf “man” doch schon mal über die Stränge schlagen, oder?

Belohnt wurde ich nach der Hochzeit eines guten Freundes im September 2015 mit einer fetten Magenentzündung.

Und nach der Weihnachtsfeier besagter Marketingagentur im Vorjahr mit einem gefühlt mehrtägigen Kater (übrigens eine Spitzenidee, sich den neuen “Kollegen” beim ersten Zusammentreffen im Vollrausch zu präsentieren, weitere Details nicht nötig). Plus einer Woche, in der es mir psychisch und physisch richtig dreckig ging.

Angst und depressive Gedanken kamen wieder herausgekrochen. Ein paar Tage lang habe ich das auf mich wirken lassen und trotz all meiner inzwischen vorhandenen Werkzeuge keine Bremse des anrollenden Depri-Zuges gefunden.

Es reicht!

Bis ich die Ansage meines Körpers endlich verstanden hatte: Schluss! Stopp! Es reicht!

Und ich es für mich klar bekommen habe: “Wie blöd muss ich sein, dass ich für ein paar Stunden Rausch alles aufs Spiel setze, was ich mir in meinem neuen Leben erarbeitet habe?”

Wie heißt es so schön: Veränderungen entstehen durch große Ziele oder große Schmerzen. Ich brauchte scheinbar nochmal die Qual, bis ich die Lektion gelernt hatte.

Seitdem bin ich Quasi-Abstinenzler mit oft vielen Wochen am Stück, in denen ich gar keinen Alkohol trinke. Im Vergleich zu früher ist mein – damals eh schon deutlich eingeschränkter Konsum – nochmal um geschätzt 95 Prozent gesunken.

So ganz nebenbei habe ich 7 Kilo abgenommen und bin beim Sport fitter denn je.

Warum ich nicht komplett verzichte? Ganz einfach. In meiner Welt haben sich radikale Lösungen in jedem Bereich des Lebens und Zusammenlebens weder als optimal noch als nachhaltig herausgestellt.

Vielleicht ergibt sich eine komplette Abstinenz irgendwann von selbst, ohne dass ich mir das vornehme. Oder auch nicht, das ist auch okay.

Was steckt hinter den alten Mustern?

Viel interessanter finde ich die Frage: Was steckte denn genau hinter dem alten Muster? Wieso habe ich mir so schwergetan, es zu durchbrechen bzw. kaum drüber nachgedacht, ob ich es durchbrechen sollte?

Dabei habe ich Folgendes analysiert (solche Übungen finde ich übrigens super spannend):

Wie sah das alte Muster aus?

Bei Familienfeiern, Festen, Geburtstagen & Co habe ich gerne (viel) Alkohol getrunken.

Warum habe ich das alte Muster beibehalten?

Ich war immer in bester Gesellschaft. Es ist völlig normal – ja geradezu sozial erwünscht – bei Festen über die Stränge zu schlagen. Alkohol trinken fast alle, weil es die Stimmung hebt und die Menschen gelöster macht. Ich selbst glaubte dann als sonst eher sensibler und schüchterner Mensch, lockerer und lustiger zu sein als sonst. Ich habe mich diesem sozialen Druck gerne gebeugt und habe viele witzige Sachen dabei erlebt. Gemeinsame Räusche sind perfekte Anekdoten-Lieferanten.

Was passierte mit mir, wenn ich das als Muster beibehalten habe?

In seltenen Fällen ging es mir auch am nächsten Tagen blendend. In der Regel war ich mehr oder weniger stark verkatert. Der Körper spielte verrückt, Angst und Depression bekamen einen schönen Schub. Der Blutdruck ging in die Höhe und der Schlaf war tagelang deutlich schlechter als zuvor.

Was passierte mit den anderen, als ich das Muster durchbrochen habe?

Bei einigen kam der klassische Reflex der sozialen Programmierung: Der hat doch immer mitgemacht, der darf nicht ausscheren. Wenn der nicht trinkt, ist es vielleicht gar nicht richtig, dass wir trinken? Wir sollten ihn davon überzeugen, dass er so ein Außenseiter ist und animieren, mit uns Alkohol zu trinken (tendenziell männliches Verhalten). Andere finden es völlig okay oder äußern sich gar nicht dazu, weil es gar kein wichtiges Thema ist (tendenziell weibliches Verhalten).

Was passierte mit mir, als ich das alte Muster durchbrochen habe?

Ich habe mich genauso gut amüsiert und deutlich tiefer gehende Gespräche geführt. Die große Party-Ekstase nach dem Motto “Wie wenn’s kein Morgen gäbe …” blieb aus. Ich fand es spannend, der sozialen Erwünschtheit des Mittrinkens nicht nachzugeben. Es fühlte sich viel leichter an als gedacht. Und: Meinem Köper und Geist geht’s heute richtig gut.

Mein Geheimtipp gegen alte Gewohnheiten: agieren statt reagieren!

Ich wollte etwas verändern, was mir in der Vergangenheit nachweislich nicht gut getan hat. Deshalb habe ich mich gefragt, wie ich das strategisch am besten angehen kann.

Mein Entschluss: Ich gehe nicht hin und warte ab, was passiert und ob ich es durchhalte. Sondern ich überlege mir vorher, was wie passieren könnte und wie ich darauf reagieren werde.

Ich gehe in die Aktion und schütze mich selbst vor unerwünschtem Verhalten. So habe ich unter der Woche schon geschaut, ob es an dem Weihnachtsmarkt-Stand auch alkoholfreie Getränke gibt. Somit stand schon im Vorfeld fest: Wenn mich jemand fragt, was ich trinken will, bestelle ich eine Cola.

Zweiter Schritt: Ich erzähle allen, die es wissen wollen oder nicht schon vor der Feier, dass ich diesmal nichts trinken werde. Damit schaffe ich die Art von Verbindlichkeit (Commitment), die mich ziemlich doof aussehen ließe, sollte ich doch meinen Plan ändern.

Dritter Schritt: Ich erzähle auf dem Weg zum Restaurant jedem, der es hören will oder nicht, wie peinlich mir mein Auftritt vom Vorjahr war und dass ich allein schon deshalb diesmal nüchtern bleiben werde. Damit muss ich dann am Tisch nicht mehr diskutieren, es wissen ja eh schon alle.

Du denkst, das sei übertrieben? Kann sein. Bei mir zumindest funktioniert über den bloßen Willen allein nichts, wenn ich ein Verhalten ändern will.

Ich brauche ein paar Tricks, um mein an die Gewohnheiten trainiertes Gehirn auszutricksen. Einen schönen Artikel dazu, wie das gelingen kann, findest du übrigens hier in der ZEIT: Mach es anders!

Apropos alte Muster: Ich schreibe diesmal nicht, dass du gerne einen Kommentar zum Artikel abgeben darfst. Sondern höre einfach hier auf.

Foto: Unsplash.com

21 Comments

  1. Veröffentlich von Stephan am 11. Dezember 2016 um 19:43

    Sehr cool. Und mal wieder richtig gut geschrieben. Ich hab die Weihnachtsfeier am Freitag auch mit alkoholfreiem Bier durchgezogen. Der Samstag war schön 🙂

    • Veröffentlich von Mischa am 11. Dezember 2016 um 19:44

      Ja, gell, das geht auch so 🙂
      Und merci für die Blumen!

  2. Veröffentlich von Robert am 11. Dezember 2016 um 20:06

    Seit ich Zötler alkoholfrei entdeckt habe, stört es eigentlich gar nicht (mehr).
    5 von 7 Tagen sicher ohne, meist aber eher 6.
    Weihnachten muss noch eine Idee her.
    Aber du gibst ja bereits super Tipps.

    Danke und noch schönen 3. Advent.
    Robert

    • Veröffentlich von Mischa am 11. Dezember 2016 um 20:19

      Das ist auch mein Lieblings-Bescheißerle-Bier 😉
      Und von Zwängen halte ich auch nicht so viel. Wer Weihnachten Lust auf ein gutes Glas Pfälzer Weißwein hat, soll das trinken. Müssen ja keine zwei Flaschen sein.
      Gern geschehen und schönen Abend!

  3. Veröffentlich von Chaoskämpferin am 11. Dezember 2016 um 20:26

    Jetzt muss ich aber doch mal neugierig nachfragen: während der 2 Jahre, die ich Antidepressiva geschluckt habe, hab ich genau 1 mal den Versuch gemacht, Alkohol zu trinken. Da gings mir nach einem Glas! Rotwein so beschissen, als hätte ich 3 Nächte durchgesoffen. Hab ich nie wieder probiert. (Bzw. erst nach dem vollständigen Absetzen).
    War das bei dir denn nicht so?
    Liebe Grüße
    Astrid

    • Veröffentlich von Mischa am 11. Dezember 2016 um 20:38

      Hi Astrid,

      eine sehr berechtigte Nachfrage, danke dafür!
      Mein Körper hat Medikamente plus Alkohol meist ganz gut vertragen (nein, bitte niemand nachmachen, ich konnte es damals einfach nicht anders). Insofern war das kein großes Thema, obwohl natürlich alle (zurecht) davon abraten.
      Als ich dann auf SSRI gewechselt wurde, hatte ich schon ein paar solcher Momente, wo ich mir dachte: Oh, das fühlt sich jetzt ziemlich komisch an. Deshalb habe ich mich auch extrem zurückgenommen und während des Absetzens nichts getrunken. Und ich merke, dass mein Körper jetzt ohne Medikamente viel stärker auf die alkoholische Wirkung (Vergiftung) anspricht. Er ist halt nur noch Gutes gewöhnt 😉

      Liebe Grüße
      Mischa

  4. Veröffentlich von Chris am 11. Dezember 2016 um 21:07

    Hi mischa, ich war jahrelang ein partytiger, trinke jetzt aber im seltesten fall ein bier oder ein glas bier und dad üner 2 jahre. Mein körper und mei geist dankens mir :). Ich habe gar keine lust mehr mir zu schaden, wie ich das wohl immer gwschafft habe. 1 zu 1 meine geschichte 😉

  5. Veröffentlich von Chris am 11. Dezember 2016 um 21:08

    Oje handys 😉 ein glas wein und über 2 jahre 😊

    • Veröffentlich von Mischa am 11. Dezember 2016 um 22:04

      Hi Chris,

      ich glaub, dein Handy war betrunken 😉 Finde ich spannend, dass du ähnliche Erfahrungen gemacht hast. Was war bei dir der Auslöser?

      Liebe Grüße
      Mischa

  6. Veröffentlich von Stephi am 12. Dezember 2016 um 9:48

    Hi Mischa,

    wie immer gut geschrieben, aber du weißt ja eh; ich mag deinen Stil, da ist immer ne Portion Ironie/Sarkamks und Provokation dabei… Das gefällt mir 😉

    Auch wenn ich persönlich Alkohol nicht als mein “Problem” betiteln kann, so finde ich mich doch bei dir wieder und kenne diese Blicke und fragen, wenn man einfach irgendwann nicht mehr mittrinkt. Die einen verstehen das, die anderen ignorieren das und fragen immer wieder ob man mittrinkt- zumindest ein Glas oder so?! Aber es geht auch echt gut ohne! Und aufgrund von vieler ekliger Kater in der Vergangenheit, vielleicht sogar besser! Und doch hab ich immer das Gefühl, dass man sich erklären oder rechtfertigen muss, NICHT zu trinken, das ist doch eigentlich paradox, oder ?!

    • Veröffentlich von Mischa am 12. Dezember 2016 um 11:47

      Hi Stephi,

      schön, von dir zu lesen 🙂

      Ja, das ist paradox. Und gleichzeitig auch logisch, denn Alkohol ist gesellschaftliches Schmiermittel. Ein wichtiger Bestandteil, mit dem Menschen ihre täglichen Schmerzen (privat, beruflich oder was auch immer) betäuben können. Ohne den Alkohol müssten sie vielleicht mal genauer hinschauen, wie sie an ihre Themen rankommen und diese lösen könnten.

      Letztlich gibt es noch viele weitere paradoxe Dinge, die ähnlich gelagert sind und immer demselben Muster folgen: Jemand bricht aus den gewohnten Konventionen aus, weil sie für ihn nicht passen, ihm nicht gut tun, er/sie einfach Lust auf neue, eigene Wege hat.
      Und was passiert: Ganz viele Menschen werden ihm einreden, dass das falsch ist, so nicht geht, niemals funktionieren wird, er das nicht darf, bla, bla, bla. Da geht es nur um die Angst, dass jemand aus der Gruppe ausbricht und den Zurückbleibenden zeigt, dass ihr Verhalten vielleicht gar nicht so super-duper ist, nur weil es alle machen. Also versuchen sie, den Flüchtenden mit allen Mitteln einzufangen., damit sie sich ihr eigenes Leben und Verhalten weiter schönreden können.

      Genug der Philosophie: Ich wünsche euch weiterhin eine wunderschöne Reise!

      Ganz liebe Grüße auch an den Surfer-Boy

      Mischa

  7. Veröffentlich von Maike am 12. Dezember 2016 um 19:53

    Hallo Mischa,
    ich trinke nun seit 9 Jahren keinen Alkohol mehr. Angefangen hat alles auf einer Familienfeier als ich gefragt wurde, ob ich ein Glas Sekt wolle. Da ich eigentlich immer ein Glas Sekt in der Hand hatte, war es mehr eine rhetorische Frage. Trotzdem habe ich kurz darüber nachgedacht. “Nein, eigentlich nicht”, war meine Antwort. Tatsächlich hatte ich weder Lust darauf, schon wieder angetrunken zu sein, noch auf den nächsten Morgen.

    Dieser Abend brachte den Stein ins Rollen und ich fragte mich immer wieder: “Möchte ich heute Alkohol trinken?”. Die Antwort war stets “Nein!” – und schwupps, auf einmal sind 9 Jahre rum, in denen ich viel über mich gelernt habe.

    Anfangs viel es mir verdammt schwer, “lustig” und ausgelassen zu sein, denn ich war immer eher schüchtern. Mit der Zeit wurde ich aber immer sicherer und selbstbewusster, denn ich musste plötzlich selbst für den Spaß sorgen und verließ mich nicht mehr darauf, dass das schon der Alkohol regeln würde. Ich bekomme alles mit, bin immer klar, immer Herr meiner Sinne, morgens immer gut drauf.

    Kurzum: Es war eine der besten Entscheidungen meines Lebens. 🙂

    Viele Grüße
    Maike

    • Veröffentlich von Mischa am 15. Dezember 2016 um 12:27

      Liebe Maike,

      hej, was für eine coole Story! Vielen Dank, dass du sie mit uns teilst.

      Ist doch lustig, wie aus einem Moment des Nachdenkens plötzlich eine neue Lebenseinstellung erwächst 🙂 Herzlichen Glückwunsch!

      Und super klasse, dass du dadurch selbstbewusster wurdest und dir den Spaß nicht mehr via Alkohol einkaufen musstest. Denn das geht, es probieren nur die wenigsten aus.

      Ganz liebe Grüße
      Mischa

  8. Veröffentlich von Jay Be am 13. Dezember 2016 um 0:26

    Ach Mischa, du schreibst einen geilen Artikel nach dem andern. Dieses Thema ist auch so elementar in meinem Leben… Gewesen. 🙂 Mittlerweile trinke ich gar kein Alkohol mehr, nur noch ganz ganz ganz selten. Auch bei mir gilt natürlich: kein dogmatismus. Habe ganz automatisch keine Lust mehr dazu, nachdem ich mich vor einigen Jahren so tief damit auseinandergesetzt habe, gezwungenermaßen so zu sagen denn ich hatte auch definitiv ein psychisches Alkoholproblem und es hat mein Leben so negativ beeinflusst.
    Wenn ich jetzt Deinen Artikel lese freue ich mich wieder unglaublich weil ich so viele Parallelen darin sehe und heute so unglaublich glücklich bin dass ich mich von dieser selbstVerarschung verabschiedet habe und frei und gesund leben kann und Glücklich und Selbstbewusst sein kann ohne irgendwelche Hilfsmittel zu benötigen.

    • Veröffentlich von Mischa am 15. Dezember 2016 um 19:16

      Lieber Jürgen,

      herzlichen Dank für die Jubelarien! 😉

      Selbstverarschung ist ein super Begriff in Bezug auf Alkohol. Wir glauben, dass wir damit etwas lösen, dabei belügen und betrügen wir uns selbst damit und berauben uns der Chance, unsere Themen auch ohne Betäubung zu lösen.
      Auf die Freiheit und unsere vielen Parallelen!

      Liebe Grüße
      Mischa

  9. Veröffentlich von Chris am 13. Dezember 2016 um 20:07

    Hi mischa, ich mag es leider nicht so mit dem handy 🙂 im grunde beschäftige ich mich seit gut 4 jahren mit mir selbst und u.a. waren partys, über die strenge schlagen im wöchentlichen abständen programmiert. Trinken, aus der mitte kommen, sich unfit fühlen…..4 tage wieder alles in den griff bekommen, wieder von vorne….ich hatte einen innerlichen hetzer der nie was versäumen wollte….es verschwand nach einer längeren auszeit….und das an sich arbeiten hat dazu beigetragen aus diesen rad auszusteigen ….ich bin zwar erst 31, bin dankbar das ich soviel so früh erkennen durfte ….im prinzip sind krankheiten, tremnungen, ängste unsere besten lehrmeister, die frage ist nur wie wir damit umgehen….. vertrauen, geduld, und verantwortung übernehmen, alles so leicht geschrieben, aber wenn man das schafft, hat man bereits ein großes bewusst sein enrwickelt. Trotzdem verstehe ich aber wenn es menschen gibt, die nie einen anderen weg einschlagen können oder wollen, alles hat seine berechtigung

    • Veröffentlich von Mischa am 15. Dezember 2016 um 19:18

      Hi Chris,

      das hast du zu 100 % treffend formuliert. Es geht nicht darum, auf andere herabzuschauen, nur weil die das nicht hinbekommen (wollen). Einfach bei sich selbst bleiben und drüber freuen, dass es auch ohne Alkohol klappt – oft sogar viel besser als mit 🙂

      Freut mich für dich, dass du einen guten Weg eingeschlagen hast. Bleib dabei und freu dich über deine Erfolge jeden Tag.

      Liebe Grüße
      Mischa

  10. Veröffentlich von Angie am 21. Februar 2017 um 11:25

    Hallo 🙂 Ich bin gerade neu auf deine Seite gestoßen und dieser Artikel triggert was tief drin an…
    Ich bin seit Jahren so ne kleine “Partymaus”, die sich bei jeder sich bietenden Gelegenheit Alkohol und Zigaretten reingepfiffen hat – mit entsprechenden körperlichen Folgen.
    Vor knapp 2 Jahren hab ich mich auf den Weg zu mir selbst gemacht, eine Therapie begonnen und neue Wege ausprobiert. Mein erster Versuch: 3-Monatige komplette Alkohol-Abstinenz, aber dabei noch geraucht. In dieser Zeit hab ich gemerkt, wie schlecht es mir mit den Kippen geht und hab kurzerhand mit dem Rauchen aufgehört, was ich vorher nie geschafft habe… Aber zack, war er da, der Moment in dem es klickte.
    Tja, bei der Alkohol-Abstinenz blieb es dann nicht. Aber mein Körper schickte mir seitdem bei jedem Vollrausch den ich wieder zugelassen habe deutlichere Signale: Ängste, Panik, mein Körper schmerzte wahrlich von den Folgen des Trinkens.
    Die Wahrheit liegt mir längst offen: Die Selbstverarsche, die Flucht aus dem Fühlen, das böse Erwachen des Folgetags.
    Es gelingt mir nicht immer, aber immer öfter, es zu schaffen bei mir zu bleiben.
    Wie es mir auch mit dem Rauchen gelang, werde ich es schaffen, einen vernünftigen Umgang mit dem Alkohol zu finden.
    Eure ganzen Kommentare machen mir Mut, dieses Wochenende wieder genau hinzusehen… Wieso möchte ich dieses Glas leeren? Und wieso so schnell? Und wieso so viele davon?
    Kann ich es lassen? Was wäre ich ohne dieses Glas?

    Liebe Grüße.
    Angie

    • Veröffentlich von Mischa am 24. Februar 2017 um 20:47

      Hi Angie,

      lieben Dank für deinen Kommentar und diese ehrliche Bestandsaufnahme! Ist doch super spannend, wie der Körper reagiert, wenn er mal Besseres gewöhnt ist, gell?

      So wie du schreibst, bist du auf einem sehr guten Weg, weil du dein Tun bwz. die Alkohol-Fluchten in Frage stellst. Insofern ist es nur eine Frage der Zeit, bis du an dem Punkt bist, wo du sagst: Okay, jetzt brauche ich das Zeug wirklich nicht mehr, um irgendeinen Gefühlszustand zu erreichen.

      Schreib doch gerne nach diesem Wochenende, wie es dir gegangen ist.

      Liebe Grüße und alles Gute
      Mischa

      P.S.: Am einfachsten fiel/fällt mir die Abstinenz immer, wenn ich mit “Innenthemen” beschäftigt bin, z.B. beim Yoga-Retreat, beim Meditieren, beim Mantrasingen etc. – vielleicht magst du dir so einen Bereich auch mal näher anschauen.

  11. Veröffentlich von Bastian am 1. September 2017 um 8:10

    Hallo Mischa und all die Anderen die hier von sich berichten.

    Ich habe auch oft und lange versucht meine Depression mit Alkohol zu Medikamentieren. Eine denkbar schlechte Idee. Ich bin in letzter Zeit vehement dabei Muster aufzulösen und kämpfe aber leider immer noch mit dem partiellen Verlangen, bzw dem typischen Muster, des einfach bestellens und Glaubens, dass es dann für mich oder oder andere erträglicher / lustiger wird. Ich versuche mir deine Ratschläge zu Herzen zu nehmen und deinen Weg zu testen.

    Liebe Grüße der b

  12. Veröffentlich von Sabine Claudia Dreßler am 2. September 2017 um 14:55

    Hi Mischa,
    und wieder auf den Punkt getroffen, wie immer! 😀
    Bei mir, Eine die im “Bermuda-Dreieck” von Warsteiner, Krombacher und Veltins geboren wurde – und eben hier im Sauerland generell gehört vorzugsweise Bie zum Alltag dazu wie in Bayern.
    Doch ich habe auch andere Zeiten erlebt, z.B. in Andalusien, Rio de la Miel. Und das fiel mir gar nicht schwer,ich wußte nur “kein Alkohol” war eine Regel und ich hab mir nur gedacht: Okay, diese Erfahrung will jetzt gemacht werden. 🙂
    Interessanter Weise begannen (sagen wir mal )zwei Anteile von mir sich des Nachts zu unterhalten/ zu diskutieren. So wie Verstand gegen Intuition. Es mag ja sein, dass sie das sonst auch tun, nur bekommt man es unter Alkoholeinfluss nicht so mit. Fühlte sich schon etwas schräg an. 🙂 Auf jeden Fall ist der Schlaf von ganz anderer Qualität, das stimmt.
    🙂

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