Konfrontationstherapie bei Angst, Angsterkrankung, Panik, Exposition

Konfrontationstherapie: Das Allheilmittel gegen die Angst?

Die Konfrontationstherapie gehört zu den Methoden der Verhaltenstherapie und gilt als zentraler Bestandteil bei der Behandlung von Angst- und Panikstörungen. Sie wird in psychologischen Fachkreisen auch Expositionstherapie genannt. Ziel ist es, dass der Angstpatient sich den angstauslösenden Situationen stellt und dabei ganz bewusst seine körperlichen Reaktionen wahrnimmt. Durch die Exposition – also sich der vermeintlichen Gefahr/dem angstauslösenden Moment aussetzen – lernen Menschen mit Phobien, dass sie selbst ihre größte Angst aushalten können, dass diese irgendwann wieder nachlässt und verlieren so die Angst vor der Angst.

So zumindest die Theorie. Ich persönlich habe in der Praxis durchaus gemischte Erfahrungen mit Expositionen gemacht. Anderen Menschen, mit denen ich darüber gesprochen habe, ging es ähnlich. Deshalb wollte ich von einem Experten wissen, ob die Expositionstherapie wirklich DAS Allheilmittel ist oder was bei der Konfrontation mit der Angst auch schieflaufen kann. Ich freue mich sehr darüber, dass Sandro Teuber, Psychologe, Psychotherapeut und Betreiber des Actblogs, mir Rede und Antwort gestanden hat.

Sandro, im Herbst/Winter 2012 habe ich die Welt nicht mehr verstanden. Ich hatte jeden Morgen in der Redaktionskonferenz eine Panikattacke, habe mich tagtäglich der Situation gestellt, mich mit meiner Angst konfrontiert und trotzdem hat sich über Monate nichts gebessert. Nach der Theorie hätte meine Expositionstherapie ja erfolgreich sein müssen. Oder nicht?

Sandro: Erst einmal Danke für die Einladung zu diesem Interview. Ich finde es toll, wie offen Du hier mit Deinen Ängsten umgehst. Das ist für mich und viele andere sehr inspirierend.

Bei der Exposition geht es nicht um die Situation oder den Ort, der die Angst hervorruft. Exponiert wird die Angst und nicht der Ort. Das heißt es geht darum, die Angst vor der Angst zu verlieren. Es geht darum, keine Gegenmaßnahmen gegen die Angst zu ergreifen. Erst dann ist man wirklich in der Exposition. Vorher ist es ein Aushalten, ein Durchhalten, ein Kämpfen. Darum geht es nicht in der Exposition. Das heißt auf deine Frage bezogen: Du kannst dich zigmal in die Redaktionssitzung setzen. Doch solange du gegen die Angst ankämpfst oder Dinge machst, die dir Sicherheit geben, ist es keine Exposition.

Okay, du hast mich ertappt. Bei mir war es in der Tat nichts anderes als ein Durchkämpfen. Und die Angst vor der Angst war stets präsent. Meine Strategie war immer: am besten nichts sagen, damit die Konferenz schneller vorbeigeht und hoffen, dass keiner was mitbekommt. Welche Strategien des im Endeffekt wirkungslosen Kampfes gegen die Angst gibt es noch?

Sandro: Das ist ein typisches Beispiel für den Umgang mit Angst. Und in vielen anderen Situationen funktioniert diese Strategie recht gut. Mit Gefühlen klappt das leider nicht. Unser Verstand ist aber kreativ und versucht trotzdem der Angst aus dem Weg zu gehen. Ganz typische Strategien in solchen Situationen sind: sich nahe an die Tür setzen, nichts sagen, ganz viel reden, Leuten nicht in die Augen schauen, etwas trinken, etwas essen, auf das Handy gucken, an schöne Sachen denken, sich sagen, dass alles gleich vorbei ist, auf die Uhr gucken, dran denken was man gleich macht, wenn das vorbei ist, mit den Beinen wackeln, eine verkrampfte Haltung einnehmen, bewusst anders atmen …

Du siehst, die Möglichkeiten sind fast unbegrenzt, an so einem Ort zu sein und Dinge zu tun, damit man die Angst nicht spürt. Das hält, wie du richtig feststellst, die Angst aufrecht. Aber das ist keine Exposition. Exposition fängt in dem Augenblick an, wenn du aufgibst. Ja, aufgeben. Das Handtuch schmeißen und zum Beispiel sich sagen: „Ach weißt du, Angst. Du kannst mich mal. Komm doch her und mach, was du machen willst. Ich warte, bis du fertig bist und währenddessen fange ich schon mal an zu leben und guck mich mal um, was hier eigentlich noch so los ist, während du da bist.“

Ist es letztlich dasselbe wie bei Menschen, die 10, 20 oder sogar 50 Mal im Jahr mit dem Flugzeug fliegen und trotzdem noch panische Flugangst haben, die teilweise sogar zunimmt?

Sandro: Genau. Denn Angst nimmt zu, wenn man gegen sie ankämpft. Das ist wie Seilziehen mit einem Monster am Abgrund. Du ziehst mit aller Macht am Seil und hoffst, dass das Monster den Abgrund hinunterfällt. Was passiert, ist das Gegenteil. Das Monster wird stärker und zieht mindestens genauso doll. Du trainierst quasi deine Angst, wenn Du mit ihr oder gegen sie kämpfst. Angst hat eine wichtige Eigenschaft: Wenn man mit ihr kämpft, breitet sie sich aus …

Den Punkt habe ich schon mal verstanden. Bei einer anderen Sache fehlt mir das Verständnis: Warum kommen manche Verhaltenstherapeuten auf die geniale Idee, einen Patienten auf eine Exposition zu schicken, ohne selbst dabei zu sein? Als Angstpatient bin ich doch die Vermeidung von Gefahren gewohnt. Also werde ich einen Teufel tun, mich der Angst zu stellen, wenn ich nicht dazu gezwungen bin. Mein langjähriger Therapeut hat mir immer super Vorschläge gemacht, welche Glasaufzüge und Seilbahnen ich fahren soll. Habe ich natürlich nie gemacht …

Sandro: Das wüsste ich auch gerne mal. Ich gehe mit all meinen Patienten mit. Ich steige auf Türme, Leitern, Stühle, stelle mich in den Supermarkt, fasse Spinnen an. Der Therapeut ist in dieser Behandlung Vorbild, Antreiber und Mutmacher. Ich muss aber auch sagen, dass das typenabhängig ist. Ich mache das gerne. Es gibt andere Therapeuten, denen diese Art der Behandlung nicht gefällt. Generell sollte der Therapeut als Unterstützung, um sich der Angst zu stellen, am Anfang mit von der Partie sein.

Diese positive Erfahrung habe ich in der Klinik auch gemacht, als mein Therapeut mit mir auf den Skywalk in Scheidegg mitgegangen ist. Ich war zwar vom Himmel noch ziemlich weit weg, aber es hat mir sehr viel im Umgang mit meiner Höhenangst gebracht. Was ist aber, wenn die Angst, der ich mich gerade erfolgreich stelle, gar nicht mein Hauptproblem ist? Dann lässt mich mein Therapeut zum Beispiel bei einer Agoraphobie zwar fleißig in der Vorweihnachtszeit durch überfüllte Kaufhäuser stapfen – und vielleicht gewöhne ich mich daran und die Angst nimmt ab. Aber das hinter der Angst liegende Grundproblem wird nicht angefasst und die Panik taucht irgendwann in anderen Situationen wieder auf, oder?

Sandro: Ja das ist ein typischer Fall. Angststörungen haben immer etwas mit einem überlasteten Stresssystem zu tun. Angst ist wichtig und hilfreich für uns (z.B. nicht ohne zu schauen über die Straße zu laufen, oder im Notfall zur Seite zu springen, wenn der Laster kommt). Seit Millionen von Jahren hat die Angst unser Überleben gesichert. Lieber einmal mehr Angst haben, als einmal gefressen werden, lautet hier die Devise. Dieses „Angstsystem“ braucht aber auch die Erholung nach der Anspannung. Und jetzt kommt die moderne Gesellschaft mit ihren dauerhaften und ständigen Anforderungen, Überstunden, Leistungserwartung, schwierigen Kollegen, schrägem sozialen Gefüge (Facebook ist kein Ersatz für Beziehungen und Familie). Wer diese Schleife nicht unterbrechen kann und für Sinn und Erholung sorgt, bekommt früher oder später Probleme.

Aber zurück zu Deiner Frage: Klar, wenn ich „nur“ die Angst oder Panik behandle, habe ich noch nicht an den Ursachen für das außer Kontrolle geratene Angstsystem gearbeitet. Die Angst wird sich auf andere Bereiche ausbreiten. Das Problem ist nicht die Angst oder die Panik. Das Problem ist der Umgang mit Angst und der Lebensstil, aus dem dieser Umgang entstanden ist.

Was soll das heißen? Ein Beispiel: Wenn ich Tag und Nacht gearbeitet habe für meine Karriere, meine Familie und dann ein Panikattacke bekomme, weil ich mir keine Pausen gegönnt habe, dann ist die Verringerung der Panikattacken nicht das Ziel, sondern die Veränderung des Lebens- und Arbeitsstils, damit die Ursachen der Attacken verschwinden.

Vergessen manche Therapeuten vor lauter Expositions-Eifer, dass hinter gewissen Ängsten handfeste Traumata stehen? Ich habe gelesen und gehört, dass in solchen Fällen die Exposition sogar kontraproduktiv sein kann. Muss hier zum Wohl der Patienten nicht näher hingeschaut werden, welche Emotionen hinter der Angst stecken und was der passende Behandlungsansatz wäre?

Sandro: Angst und Traumata – ein wichtiges Thema. Hier kenne ich andere Berichte aus der Wissenschaft. Exposition bei traumatisierten Menschen ist eine Behandlung mit sehr guten Ergebnissen. Aber wie gesagt: Das heißt nicht, dass Menschen darunter nicht auch zu Schaden kommen können. Schaden durch Psychotherapie ist ein ernstes Thema. Deshalb ist es wichtig, vor der Therapie auf Nebenwirkungen hinzuweisen. Die Patienten haben ein Recht zu erfahren, was alles schiefgehen kann. Ähnlich wie beim Beipackzettel in Medikamenten.

Das Vorgehen bei einer Angstexposition unterscheidet sich deutlich von einer Traumaexposition. In der Traumatisierung spielen meiner Erfahrung nach noch andere Emotionen eine Rolle. Meist stehen Scham, Ekel und Schuld im Vordergrund. Angst ist mit dabei, hat aber nicht die zentrale Rolle. Mir ist es auch schon passiert, dass mir im Laufe der Behandlung klar wurde, dass die Traumatisierung bei den beschriebenen Angstsymptomen eine viel größere Rolle einnimmt als gedacht. Das war ein Fehler. Und sie passieren, weil Therapeuten Menschen sind. Und Menschen machen Fehler.

Das Gute ist, dass man diese Fehler benennen und reparieren kann. Es ist ein heilvoller Prozess, wenn der Therapeut zugibt, etwas falsch gemacht zu haben und um Verzeihung bittet. Das ist zwar ein Dorn im Auge der Kompetenz, aber ein großes Zeichen von Menschlichkeit.

Meine These ist: Vor einer erfolgreichen Exposition müssen erst einmal innere Blockaden gelöst werden. Sonst verpufft das Ganze wirkungslos. In meinem Fall war die Bereitschaft für Expos erst da, als ich wieder deutlich an Selbstbewusstsein und Selbstliebe zugelegt hatte und anfing, selbst auf die kleinsten Erfolge stolz zu sein. Danach habe ich sogar ohne Anwesenheit von Therapeuten Expos freiwillig gemacht, vor denen ich sonst immer davongelaufen wäre.

Sandro: Auf jeden Fall müssen eine Menge Blockaden gelöst werden. Das Lustige ist ja: Alle Patienten ahnen, worum es in der Therapie gehen wird. Nämlich sich den Ängsten zu nähern. Der Punkt ist ja folgender: Die Menschen erleben, dass Weglaufen irgendwie nicht so erfolgreich war. Das heißt, wenn wir etwas anders machen wollen, dann wird es darum gehen, mit dem Weglaufen aufzuhören. Mit dieser Ahnung kommen die meisten Menschen in die Therapie. Zumindest ist noch keiner aus allen Wolken gefallen, wenn ich die Katze aus dem Sack gelassen habe. Wichtiger war vielmehr die Frage: Wie mache ich das?

Selbstliebe und Selbstvertrauen sind total wichtig, um sich zu trauen. Ich sage immer: 80 Prozent der Exposition ist die Vorbereitung darauf. Ich lasse mir meist viel Zeit damit, um dann aber voll einzusteigen. Wichtig ist, dass der Mensch absolut bereit ist, genau das zu tun, wovor er eigentlich Angst hat.

Es gibt aber auch andere Wege. Mit manchen Menschen mache ich lieber erst kleinere Schritte. Das hat den Vorteil, dass sie Selbstvertrauen und Erfahrungen sammeln können. So, wie Du es beschreibst. Beide Wege sind möglich.

Gibt es für Angstpatienten überhaupt Therapierfolge und Lebenswege ohne Exposition?

Sandro: Letztlich sind es die zwei Arten, wie du eine angstbesetzte Situation angehen kannst: kämpfend oder hinnehmend (akzeptierend und abwartend). Kampf führt zu mehr Angst. Akzeptanz (Aufgeben) zu weniger. Und genau das macht die Exposition aus. Es ist kontraproduktiv, in eine Situation zu gehen und gegen die Gefühle anzukämpfen. Dann lässt man es lieber sein und findet einen anderen Weg für sein Leben, als ständig in diesem Kampf zu sein. Man muss keine Exposition machen, wenn es nicht notwendig ist.

Für mich (und das ist ist auch der Ansatz meiner Therapiearbeit) geht es darum, die Lebensqualität zu erhöhen. Exposition ist kein Selbstzweck, sondern dient dazu, mehr von dem zu tun, was einem wichtig ist: Beispiel: Wenn die Mutter auf einem Spielplatz eine Panikattacke hat und sie weiter mit ihrem Kind unterwegs sein möchte, dann ist es wichtig, anders mit der Angst umzugehen. Wenn sie aber sagt: Ich kann auch anders mein Leben mit meiner Tochter verbringen, dann ist das genauso gut.

Auf den Punkt gebracht: Sei in einer Situation bereit alles zu erleben oder lass es bleiben und mach was anderes … Und vielleicht findest Du auf diesem Weg einen neuen Zugang zur Angst.

Zum Abschluss die Frage: Welche Steigerung ihrer Lebensqualität bekommen Menschen, wenn sie lernen, die Angst auszuhalten?

Sandro: Gerade bei einer gelungenen Exposition steigt die Lebensqualität sprunghaft an. Es ist kein Aushalten mehr, sondern ein „in Empfang nehmen“ der Angst. Die Menschen sehen die Welt mit anderen Augen und fragen sich, wovor sie eigentlich die ganze Zeit so viel Angst hatten.

Ein typisches Beispiel für eine erfolgreiche Exposition: Ein Patient, der Panik vorm Einkaufen im Supermarkt hatte, ist nach jahrelanger Vermeidung dank der Exposition angstfrei. In diesem Zustand erlebt er plötzlich, was in einem Supermarkt alles Interessantes passiert. Die befürchteten Ereignisse (Herzinfarkt, Umfallen, Sterben) treten nicht ein. Die Welt wird freier und offener. Sie können wieder erleben, was für einen Spaß es machen kann, einkaufen zu gehen, statt immer nur schnellstens durch die Gänge zu wuseln. Oder jemand, der vor Schlangen Angst hat, entdeckt, was für faszinierende Tiere das sind. Diese Erfahrung der Expansion, der neu gewonnenen Qualitäten des Lebens, ist es, worum es geht.

Sandro TeuberÜber den Interviewpartner: Sandro ist Psychologe, Psychotherapeut und Blogger. Er hilft Menschen, Hürden zu überwinden und ein reichhaltiges Leben zu führen. Nach mehreren schweren Schicksalschlägen entschied er sich, einen Blog und eine Plattform für ein offenes und vitales Leben zu gründen. Hier erfährst du mehr.

Hast du selbst Erfahrungen mit dem Thema gemacht? Wenn ja, welche? Wie ging es dir bei der Konfrontation mit deiner Angst? Ich freue mich auf deinen Kommentar!

Titelfoto: Unsplash.com

65 Kommentare

  1. Veröffentlich von Stefan am 28. Februar 2016 um 20:33

    Sehr aufschlussreicher Artikel. Die Angst hat mich erst gestern kalt im Kino erwischt mit dem Ergebnis dass ich geflüchtet bin. Das hatte ich vor zehn Jahren schonmal und hatte alles überstanden… Jetzt nochmal alles von vorne. Aber ich weiß was noch auf mich zu kommt, was ich bereits geschafft habe und wie es bei mir wieder weg gehen wird.

    • Veröffentlich von Mischa am 29. Februar 2016 um 17:11

      Hi Stefan,

      das ist eine klasse Einstellung, die du hast! „Auch das geht vorbei“ ist auch mein absoluter Lieblingsspruch. Denn auch, wenn es sich in dem Moment selbst beschissen anfühlt, wenn man aus einer Situation flüchten muss: Irgendwann kommt der Tag, an dem es wieder anders aussieht, wenn man bereit ist, zu seiner Heilung beizutragen und die Angst nichts als lebenslängliches Schicksal hinzunehmen.

      Behalte deinen Mut bei und ich freu mich, bald wieder von dir zu hören

      Liebe Grüße
      Mischa

      • Veröffentlich von Stefan am 17. Juni 2016 um 12:32

        Yay, seit fast drei Monaten hatte ich keine Panikattacken und keine Angstzustände mehr. Mein Zustand bessert sich ganz langsam aber sicher. Ich darf nur nicht aufgeben, der Rest wird schon auch noch gut werden.

        Liebe Grüße,
        Stefan

        • Veröffentlich von Mischa am 17. Juni 2016 um 12:51

          Hi Stefan,

          eine wunderbare Nachricht!
          Am Ende wird alles gut. Und wenn es noch nicht gut ist, dann ist es nicht das Ende 🙂
          LG

    • Veröffentlich von Sandro am 29. Februar 2016 um 23:02

      Echt gemein, dass diese Dinger so aus dem Nichts wieder auftauchen können. Das Gute ist: Du hast es schon mal geschafft. Was genau hat Dir damals geholfen? Welche Schritte bist Du gegangen? Ich habe große Hoffnung und Vertrauen, dass Du es auch dieses Mal schaffst.

      Alles Gute auf Deinem Weg.
      Sandro

      • Veröffentlich von Stefan am 17. Juni 2016 um 12:39

        Hallo Sandro,

        ich hatte mich beim letzten Mal da irgendwie durchgekämpft. Schlussendlich war es so, dass alle Symptome mit der Zeit von allein verschwunden sind. Das erste Jahr war hart, das zweite Jahr war eher so mittel und dann wars einfach wieder gut.

        Viele Grüße,
        Stefan

        • Veröffentlich von Mischa am 17. Juni 2016 um 12:58

          Ich denke, diesmal hast du die große Chance, mit allem, was du gelernt hast und noch größerer Achtsamkeit einen weiteren Schritt zu machen, damit dir die Angst nicht mehr so nahe tritt. Dein Werkzeugkasten wird immer größer.
          Und bei unbequemen Dingen nicht nachlassen, sondern dran bleiben, dann hast du auch dauerhaft Freude an deiner neuen Stärke 🙂

  2. Veröffentlich von Sandro am 28. Februar 2016 um 21:53

    Danke Mischa für diese schöne Möglichkeit ins Gespräch zu kommen. Bin auch interessiert, welche anderen Erfahrungen mit Exposition gemacht wurden. Gerne direkt oder als Kommentar 🙂

    liebe Grüße
    Sandro

    • Veröffentlich von Mischa am 29. Februar 2016 um 17:12

      Hi Sandro,

      gerne 🙂 Letztlich war es das Universum, das mir dich geschickt hat, damit ich endlich mal die ganzen angestauten Fragen loswerden kann. Das Gespräch war auch für mich nochmal sehr spannend, hilfreich und heilsam.

      Vielen Dank dafür und liebe Grüße
      Mischa

  3. Veröffentlich von Marion am 29. Februar 2016 um 14:07

    Lieber Mischa, lieber Sandro, vielen Dank für diesen wertvollen Artikel, dieses informative Interview. Der Beitrag kommt heute gerade recht, da bei mir morgen eine -für mich- sehr große Exposition ansteht: Termin beim Amtsarzt. Da sind gleich zwei Sachen enthalten, die mir in meiner momentanen Situation ordentlich Stress machen: Termin und Arzt. Im Moment suche ich noch nach Möglichkeiten der Vermeidung, aber ich weiß: Zum einen nicht sinnvoll und zum anderen auch wirklich nicht da… Und dann folgt da ja noch die Entscheidung darüber, ob ich im Moment dienstfähig bin oder nicht (bin Lehrerin und seit September krankgeschieben: Depression, Erschöpfung, Somatisierung und eben Angst- und Panikstörung). Na ja, nützt ja nix…
    Ich habe während meiner nun auch schon länger dauernden Angsterkrankung oft positive Erfahrungen mit der Exposition gemacht, besonders in einer Klinik, die mich sehr gefordert hat, aber auch die Erfahrung, dass die Wirkung schnell „verpufft“, wenn man nicht dranbleibt und wieder in alte (Vermeidungs-)Muster zurückfällt. Und außerdem braucht man schon ein bisschen Kraftreserven, um die Expositionen zu „schaffen“. Total erschöpft geht es nach hinten los. Mal schauen, wie es bei mir morgen läuft (wenn ich denn hingehe ;-))

    Vielen Dank und liebe Grüße!

    • Veröffentlich von Mischa am 29. Februar 2016 um 17:16

      Hi Marion,

      lieben Dank für deinen Kommentar und deine hilfreichen Anmerkungen. Diese Erfahrungen mit Dranbleiben und den nötigen Energiereserven habe ich ganz genauso gemacht. Also Expos schön und gut, aber der Zeitpunkt muss auch passen.

      ich wünsche dir von Herzen, dass bei deinem Termin beim Amtsarzt morgen das für dich richtige Ergebnis herauskommt und dass du nicht davor flüchten musst. Ich bin mir sicher, dass du hingehst 😉

      Ganz liebe Grüße
      Mischa

    • Veröffentlich von Sandro am 29. Februar 2016 um 22:57

      Liebe Marion,

      Vielen Dank für Deinen offenen Kommentar. Ich finde Du schreibst schön über diese innere Ambivalenz, die sich bei einer Exposition abspielt. Was vielen Menschen dabei hilft ist auch zu schauen, was daran wichtig sein könnte diese Expo anzugehen. Also wofür könnte das gut sein? Was kannst Du lernen? Wobei hilft dir die Exposition langfristig. Und bist Du bereit dafür kurzfristig Angst in Kauf zu nehmen?

      Und das zweite, was Du schön beschreibst ist dieser „Rückfalleffekt“, den man hat, wenn die Vermeidung wieder zunimmt. Vermeidung hat leider die Angewohnheit sich auszudehnen. Umso wichtiger ist es kleine „Expos“ in den Alltag einzubauen. Etwas neues machen, sich öffnen, etwas machen, bei dem man sich komisch vorkommt. All diese kleinen Handlungen führen zu einer neuen Gewohnheit, die dir hilft besser mit deiner Angst umzugehen. Und dir mehr Mut und Selbstvertrauen geben.

      Ich wünsche dir alles Gute für Deinen Weg
      Sandro

  4. Veröffentlich von Chaoskämpferin am 1. März 2016 um 18:59

    „Sandro: Angst und Traumata – ein wichtiges Thema. Hier kenne ich andere Berichte aus der Wissenschaft. Exposition bei traumatisierten Menschen ist eine Behandlung mit sehr guten Ergebnissen. “

    Sorry, wenn ich hier jetzt noch mal einhake, aber das ist mir etwes zu verkürzt dargrstellt und könnte irreführend wirken.

    Moderne Traumatherapie macht eigentlich eben keine „ungefilterte“ Expostition mehr sondern nähert sich den Traumathemen mit Distanzierungstechniken, sei es mentale, wie z. B. die Bildschirmtechnik oder auch physisch wirkende wie EMDR und das auch nur nach – teilweise sehr langer – Vorbereitung, wenn der Patient so weit stabilisiert ist, dass sicher ist, dass er seine Affekte während der Konfrontation auch wieder unter Kontolle kriegt und nicht davon überflutet wird. Passiert letzteres, ist das nämlich retraumatisierend und extrem kontraproduktiv.
    Teilweise wird sogar diskutiert (insbesondere bei komplex mehrfach traumatisierten Menschen) die Exposition ganz sein zu lassen und nur stabilisierend zu arbeiten.

    LG
    Astrid

    • Veröffentlich von Mischa am 3. März 2016 um 21:17

      Hi Astrid,

      danke für deinen fundierten Einwand. Ich bin mal gespannt, was Sandro dazu sagt. Er wird in Kürze darauf antworten.

      Liebe Grüße
      Mischa

    • Veröffentlich von Sandro am 3. März 2016 um 22:07

      Hallo Astrid,

      Erstmal danke fürs einhaken. Das ist total wichtig, da ich in so einem Artikel einige Dinge nur anreißen kann.

      Deinem letzten Satz kann ich vollstens zustimmen. Gerade bei Menschen, die komplex, also wiederholt oder anhaltend traumarisiert worden sind, ist oft keine einzelne umgrenzbare Episode auszumachen. Die braucht man aber für eine Exposition. In diesem Rahmen noch kurz was heißt eigentlich „komplex“ traumarisiert: Wir reden hier wirklich von den schlimmsten vorstellbaren (oder nicht vorstellbaren) Erlebnissen: Folter, langjähriger Missbrauch oder Gewalt in der Familie, ritueller Missbrauch, andauernde Kriegserfahrungen, usw. Diese Menschen haben großen Probleme sich selbst als zusammenhängende Menschen zu erleben und haben verständlicherweise große Schwierigkeiten Vertrauen in andere Menschen zu fassen. Isolation, Depression, Selbstverletzungen, und vieles mehr sind die Folge. Dass man an dieser Stelle nicht gleich mit Exposition anfängt liegt auf der Hand.

      Bei deinen Aussagen zu moderner Traumatherapie würde ich dir zustimmen und widersprechen. Ja EMDR ist ein wirksames Mittel bei Traumatisierungen. Und ja auch exponierende Ansätze haben ihre Wirksamkeit nachgewiesen. Zur Zeit gibt es folgende Verfahren, die ihre Wirksamkeit nachgewiesen haben: Prologonged exposure (=Exposition), EMDR, Cognitive Reprocessing Therapy, und Medikamente vom Typ Serotonin Wiederaufnahmehammer (=SSRI). Zumindest wenn man die Cochrane Foundation fragt. http://www.ptsd.va.gov/Public/understanding_TX/CourseList/Course_NCPTSD_Treatment_1435/assets/00015006.PDF

      Also in meiner kleinen Erfahrung hat sich folgende Daumenregel bewehrt: Exposition funktioniert gut bei einfachen, klar begrenzbaren, nicht zu weit in der Vergangenheit liegenden traumatisierenden Ereignissen. Wenn Ereignisse zu weit zurückliegen und nicht klar benannt werden können, dann lieber stabilisierende Elemente nutzen.

      Wichtig an der Stelle: Niemand kann sagen, bei wem welche Methode funktioniert. Alle Aussagen zu Wirksamkeit von Methoden gelten nur für Menschenmengen, nie für den Einzelfall. Von daher kann auch die beste Therapie zu Misserfolgen führen. Nicht alle Menschen sind gleich und reagieren unterschiedlich. Wichtig ist flexibel zu bleiben.

      So das ist jetzt ganz schön lang geworden und ich packe den Erklärbär gerne wieder ein. Ich fand deinen Kommentar wie gesagt sehr hilfreich, um das gesagte noch genauer zu differenzieren und Erinnerung zu rufen, dass es mehr Wege gibt als Exposition. Danke dafür.
      Alles Gute
      Sandro

  5. Veröffentlich von Frau Anders am 2. März 2016 um 15:28

    Hallo 🙂

    Bei mir war es mit der Angst/Panik genauso. In dem Moment wo ich sie als teil von mir angenommen habe war es viel besser. Wenn ich gemerkt habe dass sie kommt, dachte ich immer „Na du doofe Nuss, biste wieder da um mich zu ärgern 🙂 “ aber das nicht genervt oder negativ, sondern mit einem grinsen (innerlich). So wie es mit einem Menschen ist den man mag aber der einem trotzdem den letzten Nerv raubt.

    Und allein dieses Verhalten, eben alles erstmal anzunehmen und sich zum Freund/Vertrauten zu machen hat mich vieles im Leben von einem anderen Blickwinkel aus sehen lassen. Was mich nicht zuletzt zu einem anderen, viel offeneren Menschen gemacht hat. Der nun gerade den Weg geht eben diesen Angst/Panik Betroffenen zu helfen.

    LG
    die Frau Anders

    • Veröffentlich von Mischa am 3. März 2016 um 21:20

      Hallo Frau Anders (klingt lustig),

      was so eine Veränderung des Blickwinkels alles bewirken kann. Irre, oder? Das könnten wir in so vielen Bereichen unseres eingefahrenen Lebens anwenden, nicht nur bei der Angst. Und würden ziemlich stark davon profitieren.

      Schön, dass es dir mit der neuen Einstellung viel besser geht und liebe Grüße
      Mischa

      • Veröffentlich von Frau Anders am 3. März 2016 um 22:59

        Hallo Mischa.

        Ich bin auch lustig *lach*
        und den Spitznamen hab ich bekommen seitdem ich eben diesen anderen Blickwinkel habe. Denn ich stell gern mal was in Frage und guck von einer anderen Seite drauf. Eben anders als andere 🙂

        LG
        die Frau Anders

        • Veröffentlich von Mischa am 4. März 2016 um 22:05

          Dann bleib so anders, Frau Anders! 🙂 Gefällt mir.

    • Veröffentlich von Sandro am 3. März 2016 um 22:12

      Liebe Frau Anders,

      Darf ich diesen Satz klauen? Ich finde ihn toll. Manchmal ist Angst auch wie ein kleines „nerviges“ 4 jähriges Kind, was ständig um Aufmerksamkeit bettelt. Würden wir immer das tun, was unser Kind verlangt? Manchmal ja und manchmal nein. Je nach Situation. Wir würden uns hinunter beugen, versuchen zu erklären, warum man nicht jetzt sondern später mit ihm spielen möchte. Nie kämen wir auf die Idee mit ignorieren, kämen wir aus der Sache raus. Die Fähigkeit alles anzunehmen, was da ist macht uns zu volleren Menschen. Finde ich.

      Danke für deinen schönen Kommentar.
      Alles Gute,
      Sandro

      • Veröffentlich von Frau Anders am 3. März 2016 um 23:02

        Hallo Sandro.

        Na klar darfst du den klauen 🙂

        Und bitte/danke gern geschehen.

        LG
        die Frau Anders

  6. Veröffentlich von Marion am 3. März 2016 um 16:36

    Hier noch ein kleiner Nachtrag zu meinem Kommentar weiter oben. 😉 Wichtig ist meiner Ansicht nach auch, wie man seine Erfahrung in der Exposition danach bewertet. Da läuft es bei mir nämlich oft schief, durfte ich gerade wieder feststellen. Einer Freundin würde ich nach einer von ihr „geschafften“ Exposition sagen: „Hey super! Du hast es getan! Sei stolz auf Dich!!“ Aber bei mir selbst klappt das gar nicht gut. Selbst wenn die Exposition gut gelaufen ist, kommen danach ganz schnell Gedanken wie: „Was für ein Theater! Was hast Du Dich im Vorfeld wieder angestellt! Andere Leute machen sowas ständig!“ Ich glaube, da hakt es noch gewaltig bei mir und da liegen, nicht nur bei mir, Dinge im Argen, die vielleicht mit den Nährboden für eine Angsterkrankung bieten, die man allein durch die Exposition aber nicht reguliert bekommt…

    • Veröffentlich von Mischa am 3. März 2016 um 21:16

      Hi Marion,

      dann warst du also bei der Untersuchung? Herzlichen Glückwunsch zur Expo. Du darfst stolz auf dich sein! Und die Gedanken, dass das nichts Besonders war, musst du nicht denken. Sag dir doch einfach so oft vor, wie stolz du auf dich bist, dass du es irgendwann glauben musst 😉
      Der Chefarzt der Klinik hat mich auch so oft gefragt „Sind sie jetzt endlich stolz auf sich?“, bis ich gar nicht mehr konnte, als wirklich stolz zu sein. Und zwar für minimalste Sachen. Das verändert die Ausgangslage komplett.

      Ich wünsche dir viel Geduld und Erfolg beim Training
      Liebe Grüße
      Mischa

    • Veröffentlich von Sandro am 3. März 2016 um 22:20

      Liebe Marion,

      Erstmal und ganz klar. Daumen hoch und fettes Grinsen von meiner Seite. Wenn Du jetzt da wärst würd ich dich freudestrahlend angucken und fragen, wie es ist so mutig zu sein.

      Und ja diese Reaktion, die Du beschreibst deutet auf Dinge hin, die Du mit jemand besprechen solltest, der Dich persönlich unterstützen kann. Aber sei gewiss. Auch das ist normal. Wir alle tun in jeder Situation das Beste was uns möglich ist.

      Wie Mischa schon sagt: Die Freude über das Geschaffte zu empfinden ist sehr wichtig. Das gibt dir Mut für neues.

      Vielleicht noch ein Punkt, worüber man stolz sein sollte. Und zwar nicht, dass man keine Angst hatte oder sie weggegangen ist. Nein das liegt nicht in unseren Händen. (Oder Beinen). Sondern einfach, dass wir dorthin gegangen sind, wo die Angst war. Oder wir befürchteten, dass die Angst da ist.

      Also weiter üben sich für kleine Dinge zu belohnen oder dankbar zu sein. Ich musste das auch erst lernen und lerne es immer noch. Dankbarkeit für jeden einzelnen Moment im Leben… Bei Happyroots gibt es dazu auch gerade etwas: http://happyroots.de/wege-dankbarkeit-teil1/

      Vielleicht ist das ja hilfreich für dich.

      Alles Gute dir dabei.

  7. Veröffentlich von Marion am 3. März 2016 um 21:40

    Danke Mischa, für Deinen Glückwunsch und Deine guten Wünsche. Ja, ich war bei der Untersuchung und ja, ich werde dranbleiben und mich in Geduld mit mir selbst üben.

    Und wirklich vielen Dank für diesen Blog, den ich im Moment fast täglich durchstöbere und dabei immer wieder für mich sehr wertvolle Gedanken, Ansätze und Inspirationen finde.

    Liebe Grüße!

  8. Veröffentlich von Christine am 4. März 2016 um 11:24

    Ich wünsche mir manchmal eine Terminvergabe beim Supermarkt. Hört sich komisch an.
    Habe ich mit irgendjemandem einen Termin vereinbart dann halte ich den pünktlich ein, anscheinend siegt da was auch immer….Zuverlässigkeit…?
    Geht es aber um Lebensmittel kaufen da feilsche ich mit mir um jeden Tag bis nichts mehr da ist und wenn nichts mehr da ist und ich schon 2 Tage einen leeren Magen habe denke ich..ne, ich fühle mich so schwach..jetzt geht es erst recht nicht mehr. Eine Ausnahme gibt es, kein Hundefutter mehr da, anscheinend siegt da was auch immer….Verantwortungsbewußtsein ?
    Liebe Grüße, Christine

    • Veröffentlich von Mischa am 4. März 2016 um 22:08

      Hi Christine,

      was passiert denn im Supermarkt? Ist das Agoraphobie? Ich finde es ja klasse, dass du trotzdem immer hingehst. Ich habe schon von genug Leuten gehört, die sich komplett daheim einmauern und sich nur noch alles bringen lassen.

      Liebe Grüße
      Mischa

  9. Veröffentlich von Christine am 5. März 2016 um 13:08

    Hi Mischa, ja das ist Agoraphobie. Habe auch schon oft daran gedacht mir Essen zu bestellen, aber es dann gelassen. Das wäre ja die totale Kapitulation und würde auch alles nur noch schlimmer machen. Außerdem mag ich das Glücksgefühl nicht missen wenn ich mit einem Korb voller Essen zuhause aus dem Auto steige 🙂
    Anders sähe es aus wenn ich in einer Großstadt leben würde, ich habe schon manches Mal geflucht das ich mir hier auf dem platten Land nicht einmal eine Pizza liefern lassen kann. LG, Christine

  10. Veröffentlich von Svenja am 5. März 2016 um 19:27

    Nabend 🙂

    Ich habe mir über den Artikel des Längeren Gedanken gemacht.
    Ich sehe Expo auch immer zweischneidig. Ich denke bei bei mir kam/ kommt hinzu, dass es sich nicht auf eine bestimmte Situation festmachen lässt. Die Strecke, die ich fahren muss kann mir Angst machen, ob sie 1 km oder 50 km lang ist. Irgendwann habe ich dann endlich mal geschnaggelt, dass es natürlich nicht, die Straße selbst oder das Autofahren ist, was mir Angst macht, sondern das Ziel. Das Ziel ist positiv oder negativ besetzt gewesen und dementsprechend keinen bis enormen Druck gemacht und den Motor für tausend Horrorszenarien entworfen.

    Dementsprechend waren/ sind Panik und Angst fluktuierend. Mal machte Einkaufen Angst, mal nicht. Dann war es plötzlich das Alleinsein, dann das Zusammensein mit Anderen.
    Bei mir war/ ist die Panik wie eine Wanderbaustelle oder ein Floh auf einer Hüpfburg. Ich muss immer erst die Fassade abreissen und schauen, welches Grundgefühl dahinter ist.
    Expos- strengstens durch Selbsthilfebücher oder auch durch einen ehemaligen Therapeuten empfohlen- haben mir solch enormen Druck gemacht. Dieses „Du musst dadurch, koste es was es wolle, du musst das aushalten“! Ich habe mich dadurch, wie du durch die Redaktionssitzungen, dermaßen durchgequält und sobald ich nur ein Fitzelchen nachließ oder gewagt habe einmal zu kneifen kamen auch noch die Selbstvorwürfe und das Schuldbewusstsein hinzu. Wieder nicht geschafft, wieder versagt, wieder … Mir ging es oft einfach nur schlechter dadurch.
    Und in mir war immer das Gefühl es hat alles eine viel tiefere Ursache und wenn ich die mal gewuppt habe- dann kommt der Rest schon.
    Meine Therapeutin ( ein hammer Weib- Kompetenter Kopf, Herz aus Gold und Humor trocken, wie die Wüste Gobi 😉 )hat erstmal erkannt, daß ich an einer PTBS leide und nicht die Angsterkrankung in den Vordergrund gestellt. EMDR hat bei mir sehr sehr gut geholfen und Steine ins Rollen gebracht, die erst einmal eine vernünftige Basis geschaffen haben auf der man aufbauen konnte. Da fehlte soviel in mir was der Mensch zum Leben braucht, daß jede Expo versickert ist wie Wasser in der Julihitze.

    Jetzt, wo die Basis geschaffen ist klappt auch der Rest. Peu a peu. Meist ganz automatisch. Und dann ist es keine Expo mehr sondern einfach das Leben, das man sich Stück zu Stück zurückerobert.

    Aber was ich mal fragen wollte! Gibt es so etwas, die einen, nennen wir es Mutausbruch- Kater?

    Immer wenn ich einen kleinen Meilenstein weitergekommen bin- dann bin ich danach oft so fertig. Richtig kaputt und ausgelaugt. Und brauche einen kompletten Tag manchmal Ruhe. Ich fühle mich, als ob ich einen Marathon gelaufen wäre oder so. Und manchmal knickt die Stimmung auch erst ein und mir ist alles zuviel.
    Kennst du das?

    • Veröffentlich von Mischa am 8. März 2016 um 22:39

      Hi Svenja,

      ich erkenne in dem, was du schreibst, ganz viel aus meiner Geschichte wieder. Super, dass du über EMDR einen anderen Weg gefunden hast, der dir wirklich hilft. Und genau wie du, habe ich auch gesagt, dass ich mir „das Leben zurückerobere“. Ganz ohne Kampf, sondern weil es sich einfach so ergibt, wenn es einem besser geht.

      Und den Mutausbruch-Kater finde ich nen super Ausdruck 😉 Ja, den kenne ich und das ist überhaupt nichts Schlimmes. Deshalb habe ich damals auch den Artikel „Kneifen ausdrücklich erlaubt“ geschrieben. Denn manchmal braucht man einfach nur Ruhe vom mutig sein und Komfortzone pur. In der Summe zahlt es sich aber immer aus, die eine oder andere Herausforderung anzunehmen. Bei mir kommt das gute Gefühl, wieder etwas geschafft zu haben, manchmal auch erst in einem Abstand von ein paar Tagen.

      Also mach weiter so und alles Liebe
      Mischa

  11. Veröffentlich von Christine am 8. März 2016 um 22:11

    Das mit der “ Mutausbrucherschöpfung“ kenne ich auch sehr gut. Ich plane eigentlich immer für Dinge die ich sonst nicht mache Erholung ein. Z.B. Zahnarztbesuch ( riesig große Sache ) brauche ich 2 Wochen Pause. Würde ich wöchentliche Termine machen wäre ich spätestens nach 2 Terminen nicht mehr fähig noch irgendetwas zu tun, würde also flach liegen und auch nicht mehr hinfahren.
    Bei kleineren, aber auch schwierigen Sachen brauche ich ca. 3 Tage.
    Und die wichtige emotionale Komponente fließt bei mir bei Familienbesuch ein. Da habe ich schon bei kurzen Strecken unter Umständen Panikattacken. Es hängt immer von meinem Gesamtzustand ab. Wenn der ganz schlecht ist setze ich mich dem garnicht erst aus.
    Christine

    • Veröffentlich von Mischa am 8. März 2016 um 22:41

      Das finde ich klasse, Christine, dass du deinen Körper so gut kennst und weißt, was du ihm zumuten kannst und was nicht. Lieber die Dinge machen und dann mehr Erholung, als sie gar nicht zu machen.

  12. Veröffentlich von Christine am 8. März 2016 um 22:54

    Ja Mischa, so sehe ich das auch.

  13. Veröffentlich von Janina am 25. April 2016 um 1:19

    Hallo Mischa,
    Ich habe die Seite ein bisschen überflogen und bin hier hängen geblieben. Ich bin auf die Seite aufmerksam geworden, weil ich im Internet nach Antworten suche.
    Ich bin 22 Jahre alt, habe fast 9 Jahre Antidepressiva genommen und bin in Therapie wegen einer Sozialphobie. Ich habe langsam die Schaunze voll von meiner Angst. Mir ist aufgefallen, dass die Angst immer neue Wege findet mich zu ärgern und es leider auch immer schafft.
    Seitdem ich aus der Reha zurück bin, geht es nur noch Berg ab. Ich habe viel Hoffnung daran gesetzt und mir gedacht, wenn ich wieder zuhause bin, bin ich ein neuer Mensch. Habe natürlich direkt die Quittung dafür bekommen.
    In der Reha selbst ging es mir erst gut. Dann würde das Medikament Venlafaxin von 150mg auf 0mg innerhalb von 4Wochen abgesetzt. Die ersten zwei Wochen in denen ich gar keine Medikamente mehr genommen habe, waren gut. Hatte keine Probleme. Bis ich dann Nachts plötzlich eine Panikattacke bekommen habe. Aus dem nichts, dass war neu für mich, weil ich es nur in „sozialen“ Situationen kannte. Seitdem hat die Angst wieder die volle Kontrolle. Mittlerweile bin ich wieder zuhause und habe auch die Zugfahrt gemeistert, vor der ich extreme Angst hatte. Dachte, wenn ich die Zugfahrt hinter mir habe wird alles gut. Aber NEIN! Wer hätte es gedacht, es wurde sogar noch schlimmer. Hatte die letzten Tage böse Gedanke und die Hoffnung verloren. Quäle mich durch solche Situationen immer durch und habe auch Unterstützung durch Freunde und Familie. Aber ich bin mit meinem Latein am Ende.
    Ich frage mich ständig, wie ich diese Angstsituationen aushalten kann, bzw. habe ja jetzt gelesen, dass man sie nicht aushalten soll in dem Sinne, ohne die eigenen Sicherheitsverwaltensweisen automatisch oder bewusst einzubauen. Ich schaffe es gar nicht ohne. Dazu sollte ich vielleicht erklären, dass ich Angst habe, mir vor anderen in die Hose zu machen. Mir ist sowas noch nie passiert, deshalb verstehe ich auch nicht wieso ich davor Angst habe. Vor neun Jahren fing es damit an, dass ich Angst hatte mich in der Öffentlichkeit zu übergeben. Meine Angst ist quasi „heruntergerutscht“. Die Panikattacke zuhause sind eher Ängste zu sterben oder die Kontrolle zu verlieren. Denke, dass sind noch Nebenwirkungen vom Absetzen. Nehme jetzt gut 1Monat keine Antidepressiva mehr und das ist ja ein Witz gegen fast 9 Jahre.
    Ich bin in Behandlung bei einer Therapeutin und die ist auch eigentlich richtig gut.
    Ich weiß nur einfach nicht mehr was ich noch ausprobieren kann. Die Angst sucht sich ja immer neue Wege. Und irgendwie schaffe ich auch nicht so eine Exposition durch zuführen. Ich habe mittlerweile einfach Angst, dass mein Leben lang immer davon bestimmt sein wird. Man sollte das Leben genießen, aber irgendwie kommt immer etwas dazwischen.
    Ich will jetzt auch nicht zu sehr ausschweifen, dass war schon genug, sonst tippe ich Morgen noch. ?
    Ich werde auch weiter deine Texte lesen, aber hast du nicht irgendeinen Rat den du mir noch geben kannst? Warst du an dem Punkt, an dem du gedacht hast: „So dein Leben ist scheiße, dass musst du akzeptieren und die Angst wird für immer bei dir sein?“ Dieses Gefühl ist schrecklich weil es gleichzeitig auch die Hoffnung killt und es nicht zu lässt deine ganze Kraft zu sammeln. Weil wofür? Wenn du immer wieder gegen das selbe ankämpfst und wenns überstanden ist, kommt die nächste Angst, mit der du dann wieder von vorne anfängst.

    Ich habe noch eine Frage. Hast du Erfahrung mit Hypnose gemacht? Habe das noch als Hoffnungsträger im Gedanken aber sowas ist nicht günstig. Wenn ich wüsste, dass es mir helfen würde, würde ich natürlich alles Geld der Welt auftreiben.

    Och Mensch, das Leben kann echt gemein sein.
    Tut mir leid fürs volltexten.

    Liebe Grüße,
    Janina

    PS: Es ist schön zu lesen, dass du es scheinbar geschafft hast. Wäre gerne auch schon an diesem Punkt. Deine Seite hat mir auf jeden Fall wieder ein wenig Hoffnung geschenkt. Danke dafür!

    • Veröffentlich von Janina am 16. Juni 2016 um 14:32

      Hallo Janina.
      Mir geht es da leider genauso wie dir. Ich hatte schon Maßnahmen überlegt wie ich e s verhindern könnte ect. dachte dann aber wiederum dass ich mich von dieser sinnlosen Angst nicht beherrschen lassen möchte. Ich weiß wie schwierig das ist (manchmal bin ich mir 100% sicher es zu spüren,renne auf die Toilette um zu gucken und dann ist dort natürlich nix…).
      Geht es dir inzwischen besser und wenn ja wie hast du das geschafft? ich bin leider immer noch auf einer Therapie Warteliste und möchte bis dorthin selber noch Maßnahmen ergreifen.

  14. Veröffentlich von Mischa am 25. April 2016 um 15:22

    Hi Janina,

    ganz lieben Dank für deine Nachricht und deine offenen Worte.

    Ja, ich kenne den von dir beschriebenen Punkt und kann dir aus Erfahrung sagen: Es winkt auch mit dieser Ausgangslage ein wunderschönes Leben. Das darf ich dir aus eigener Erfahrung berichten.

    Wichtigster Rat: Das Leben meint es gut mit uns allen. Die Frage ist, ob wir bereit sind, uns darauf einzulassen und in jeder Situation das Beste zu sehen, auch wenn die Situation nach außen hin gar nicht gut wirkt? Beispiel: Ich bin froh darum, dass es mir vor 3 Jahren so schlecht ging, weil ich nur dadurch endlich mein Leben geändert und auf ein neues Niveau gehoben habe.

    Zum Thema Hypnos darfst mir gerne eine Mail schreiben, ich glaube, ich hab was für dich 🙂

    Ganz liebe Grüße und alles Gute
    Mischa

  15. Veröffentlich von Claudia am 16. Juni 2016 um 14:25

    Hallo.
    Also ch stehe gerade sozusagen am Anfang und warte noch auf den Anruf der Klinik um mich behandeln zu lassen.Seit meinem Umzug in ein neues Haus fühle ich mich unsicher und hier begann auch die Odysee. Ich eiß dass ich mich dem ganzen stellen muss aber ich habe bisher immer nur gegen angekämpft, aber ich werde nicht aufgeben. Meine Angst besteht immer darin mich zu blamieren (Einnässen,Übergeben oder ohnmächtig werden). Es ist noch nie etwas in der Art passiert aber wenn ich in der Bahn sitze und beispielseise angeguckt werd wird mir mulmig und ich flüchte. 🙁 Dank dieses Artikels und der Kommenttare der anderen werde ich jetzt aber versuchen es mal anders anzugehen.

    • Veröffentlich von Mischa am 18. Juni 2016 um 11:48

      Hi Claudia,

      danke für deinen Kommentar. Das Schöne ist: Du musst gar nicht kämpfen. Je weniger du kämpfst und je eher du zulassen kannst, welche Gefühle auftauchen, umso besser. Und dann kannst du ganz bewusst mit diesen Gefühlen arbeiten, statt sie zu verdrängen.

      Was wäre denn das Schlimmste, was bei den jeweiligen Szenarien passieren könnte? Mal es dir bildlich aus und frag dich immer wieder: „Ja und dann?“ Du wirst am Ende feststellen, dass selbst im schlimmsten Fall (der ja sowieso nie eintritt, weil sich das Ganze ausschließlich in deinem Kopf abspielt) dein Leben genauso weitergeht wie bisher.
      Meinst du, dass all diese Dinge, die du beschrieben hast, noch nie jemandem passiert sind? Ob das peinlich wäre oder nicht entscheidest allein du mit deinen Gedanken. Du könntest das auch lustig finden – deine Entscheidung.

      Ich empfehle dir auf alle Fälle gute Entspannungsübungen, um in solchen Situationen von Natur aus relaxter zu sein. Wer entspannt ist, kann keine Angst haben.

      Liebe Grüße und alles Gute
      Mischa

  16. Veröffentlich von Janina am 10. Juli 2016 um 11:10

    Hallo.
    Ich muss sagen die letzten Tage beziehungsweise Wochen lief es sehr gut ich war sogar mit einer Freundin im Einkaufszenter und sie beruhigte mich auch immer wieder und sagte Mensch da ist nix.. Und das unangenehme Gefühl ging dann nach und nach weg und ich war unglaublich stolz auf mich. Ich weiß auch inzwischen dass es daran liegt dass ich Angst davor habe von anderen Menschen nicht akzeptiert zu werden so wie ich bin. Das weiß ich daher dass ich mit einer Person zusammengezogen bin die sich sehr dominant verhält.Und immer etwas zu kritisieren hat. Ich weiß dass es einfach die persönlichkeit des anderen ist,aber ich habe einfach keine Lust die ganze Zeit kämpfen zu müssen oder Angst davor zu haben was falsch zu machen und dann wieder Ärger zu bekommen. Das belastet mcih so sehr dass ich einfach Angst habe wie shcon gesagt mcih zu blamieren oder wieder etwas falsch zu machen.

    • Veröffentlich von Janina am 10. Juli 2016 um 11:13

      Außerdem habe ich den Fehler gemacht im Internet zu googeln wie Panikattacken entstehen ect. und konnte das alles natürlich schön ableiten und habe mcih selber in dieser Angst mich in der Öffebtlichkeit einzunässen bestätigt. Anstatt nach Punkten zu suchen die diese Angst eventuell lächerlich machen habe ich das komplette Gegenteil gemacht und nach Argumenten gesucht die das sogar ncoh bestätigen. 🙁

      • Veröffentlich von Sandro am 10. Juli 2016 um 12:24

        Hmm… Das Problem ist nicht was Du liest sondern, die Fusion mit den Worten. Worte können nicht bestimmen, was Du erlebst und was Du machst.

        „sie beruhigte mich auch immer wieder und sagte Mensch da ist nix“

        Ja Beruhigung funktioniert. Meist aber nur in der Situation und wenn jemand anwesend ist. Das führt dazu, dass wir von diesen Menschen abhängig werden. Das heißt Du brauchst noch einen Weg wie Du alleine mit der Angst anders umgehen kannst.

        Das Problem an der Beruhigung: Sie ist ist unwahr. Die Wahrheit ist: Es kann ständig etwas passieren. Jeden Tag und jede Sekunde für alle von uns. Das ist Teil des Daseins. Letztlich geht es bei der Angst nicht wirklich ob man akzeptiert wird sondern es geht um Sterben! Es läuft alles darauf hinaus. Und die nächste Wahrheit: Du kannst nichts gegen den Tod machen. Aber für alles andere gilt: Du wirst das hinkriegen! So wie Du schon viele Sachen in Deinem Leben geregelt hast. Ich kenne Dich nicht, aber ich bin sicher, dass Du auch schon viele Sachen gut hinbekommen hast. Auf jeden Fall bist Du einer Sprache mächtig (das selbst ist schon ein Wunder!) und kannst auf einem Computer schreiben. Also wenn Du das hinbekommen hast bist Du auch in der Lage alle anderen Herausforderungen anzugehen. Ich kann dir nicht versprechen, dass Du keine Angst haben wirst. Aber ich kann dir sagen je mehr Du dich traust zu tun! obwohl Du Angst hast umso reichhaltiger wird dein Leben werden!

        Alles Gute Dir!
        Sandro

        • Veröffentlich von Janina am 10. Juli 2016 um 20:21

          Danke. Ja ich werde und muss auch damit umgehen, da morgen meine Therapie beginnt und ich jeden Tag mit dem Bus fahren muss. So ca. 40 Minuten. Und ich merke jetzt shcon wie die Angst mcih ärgert aber schenke ihr nicht so viel Aufmerksamkeit beziehungsweise male mir keine 1000Horrorszenarien aus. Trotzdem bin ich gespannt wie es dann morgen wohl wird.

          • Veröffentlich von Mischa am 11. Juli 2016 um 20:23

            Hi Janina,
            wie war das Busfahren?
            Mir hilft eine Taktik sehr gut: Einfach an etwas Schönes denken, was am Ziel passiert, dann kannst du dich auf der Fahrt dorthin immer darauf freuen und lenkst den Fokus auf das Positive, anstatt die ganze Zeit in dich hineinzuhören, ob etwas nicht stimmt.
            Ich habe zwar jetzt keine Angst mehr vor dem Autofahren, trotzdem male ich mir immer ein schönes Bild vom Ankunftsszenario, weshalb für mich jede Fahrt mit guten Dingen verknüpft ist und mich viel weniger stresst. Mal stelle ich mir vor, wie ich von lieben Menschen empfangen werden oder den See, in den ich springe, das Hotel, in dem ich wohne oder ich freue mich einfach, meine geliebten Balkon-Tomaten wiederzusehen und mit ihnen ein Schwätzchen zu halten 😉

            Meinst du, das kann dir helfen?
            Liebe Grüße
            Mischa



  17. Veröffentlich von Janina am 14. Juli 2016 um 17:01

    Hallo 🙂
    Ja dass ich an was positives denke habe ich auch schon gemacht. Hilft wirklich sehr sehr gut. Das Busfahren war auch gar nciht so schlimm wie ich dachte. Ichh stand zwar eine halbe Stunde im Stau und würde zwischendurch unruhig, aber ich habe es durchgezogen. Allerdings fahre ich die Strecke jetzt jeden morgen mit dem Fahrrad da ich keine Lust habe andauernd in diesem Stau zu stecken 😉
    Und vor allen Dingen hilft es mir wirklich jeden Tag aufzustehen und es immer wieder durchzuziehen. Ich merke richtig wie ich es vermisst habe unter Menschen zu sein. Mal sehen wie es weitergeht aber ich muss sagen dafür dass ich heute erst den 3. Tag da war geht es mir wunderbar.
    Und vielen Dank für eure Tipps, haben mir in der Zeit wirklich sehr geholfen! 🙂

  18. Veröffentlich von Ella am 24. August 2016 um 20:41

    ich lese sowas wie hier immer neidvoll.Ich hab seit 25Jahren Angst und Panik.Immer kommt es wieder.Und bisher hat nichts gefruchtet.Ich hab Angst vor Schwindel.Mir wurde vor 25 Jahren draussen kurz schwindelig.Es geschah mir nichts.Ich fiel nicht um oder wogegen.Der Schreck sass tief und löste die erste Panik aus.
    Seitdem hab ich immer Schwindelgefühle, bin vorsichtig.Halte mich fest.Es gab auch Zeiten dakonnte ich frei gehen, sogar mal Auto fahren.Bis wiedermal alles begann.Therapien, Aufenthalte brachten kurz Linderung.Ich wurde meist gezwungen mich zu stellen.
    Ich bin seit 1 Jahr wieder damit gebeutelt.Ich reiss mich immer zusammen oder bewege mich wenn ich einkaufen war um ev.Schwindel abzufangen.Dann kamen aufmal im Haus Attacken und es ging nicht mehr.Ich geh nichtmehr raus.Es geht drinnen schon wieder besser.Der Kopf warnt immer.
    Ich bin froh im Internet mir alles kaufen zu können.Ich konnte zeitweilig nicht mal an die Türe gehen.Da ich allein lebe war das stressig.
    Meine letzte Therapeutin forschte gar nicht nach sondern sagte ich solle mir keine negativen Gedanken machen und wenn ich die Expostionen nicht lerne wirds eh nichts.Ich musste dann mitten übernPlätze gehen und das mit dem Schwindel, es ar Horror.Anfassen oder gen Zaun oder Baum gehen war verboten.Und stehen musste ich auf der Stelle um zu merken ich falle nicht.Das wusste ich änderte nur nichts.Ich dachte nur immer vermeiden aufpassen..zum Schluss sagte sie mir wäre nicht zu helfen.Und nun trau ich mich nichts mehr.

    Der Angst im Kopf kann ich nicht vertrauen.Sobald ich plane vor die Türe ist es da und draussen so schnell das ich nur wie blind gen Türe muss.D.h. mehr wie 20m raus hab ich auch nicht gepackt.
    Ich werde es wohl nie schaffen.

    Die Erwartungsangst im Kopf ist so mächtig.
    Zumindest kann ich mich im Haus wieder frei bewegen.Das ging bis vor kurzem nur mit Rollator und anlehnen.Ich bin 48 und hab mir das Teil aus Angst gekauft.

    Ich weiss nicht was ich verbrochen hab das ich 25 meines Lebens so verbringen musste.Das war kein Leben und ist es auch nicht so ganz.Ich beschäftigte mich den Tag jetzt damit er umgeht.Nur Freude machts nicht immer.#

    Fahren so wie Mischa, ein Traum mein TRAUM,ich bin echt neidisch.

    • Veröffentlich von Mischa am 1. September 2016 um 20:58

      Liebe Ella,

      du hast gar nichts verbrochen. Du hast einfach nur die Angst zum wichtigsten Teil deines Lebens gemacht, um das sich alles dreht. Das ist leider ein Teufelskreis, in dem ich auch lange gefangen war.

      Pure Konfrontation bringt leider gar nichts. Bei mir hat es geholfen, endlich wieder an meine Gefühle zu kommen, viel Selbstvertrauen durch Gespräche damals in der Klinik mit anderen Patienten zu bekommen (ich bin ja gar nicht verrückt und viele haben diese Probleme auch) und meinen Kontrollwahn loslassen zu können.

      Bitte rede dir nie ein, dass du etwas nicht schaffen kannst. Du kannst alles, wenn du es schaffst, aus dem Angst-Gedankenkarussell auszusteigen. Denn letztlich ist Angst keine Krankheit, sondern ein Verhalten. Wer das Verhalten (=Erwartungsangst) dazu ändert, hat eine Chance, da langfristig rauszukommen.

      Ich wünsche dir alles erdenklich Gute und schicke ganz liebe Grüße
      Mischa

  19. Veröffentlich von Ella am 6. September 2016 um 13:10

    Hei Mischa, danke..kennst du das das man sich wochenlang wie grippe fühlt und hat keine?Ich merke auch das das meine Gedanken verzapfen.Und abends im Bett da kann ich gefühlt alles.Steh ich auf, achneee…heute bis Mittag gings mir aufmal gut..oha..und ich bemerkte das so fremd.Das bin ich?Das Leben bin ich??Und ich lauerte auf Symptome.Beim bewegen vom Kopf mal kein Schwindel?Dascha gediegen und die sind doch vertraut.Und dann kamen sie auch angeschlichen.Zum einem merke ich hinnehmen ist der 1.Schritt.Nützt nix ist da.Und dann was macht mich aus, was ist meines…und das finde ich nicht so leicht.Die Angst hat mir gezeigt was querlief.Nur das ändern mit Symptomen ist dann son Ding.

    • Veröffentlich von Mischa am 19. September 2016 um 21:43

      Hi Ella,

      das Ding mit der Angst ist: Es spielt sich alles nur im Kopf ab. Wenn du dir einbildest, dass du Krankheit XY hast, dann hast du sie auch irgendwann. Wir können uns selbst heilen und selbst krank machen. Es liegt einzig daran, wie wir mit unseren Gedanken bzw. Gefühlen umgehen und ob wir es irgendwann schaffen, aus der Angstspirale auszusteigen.
      LG

  20. Veröffentlich von Christoph Fischer am 26. September 2016 um 10:53

    Hallo Mischa, Hallo Sandro.
    Vielen Dank für das großartige und vor allem sehr differenzierte Interview über die Möglichkeiten und Grenzen der Expositionstherapie. Leider besteht bei vielen Menschen mit Ängsten und Phobien eine nachvollziehbare Skepsis therapeutischen Expositionen gegenüber, die in Eurem Interview exakt aufgegriffen wird. Gerade der erste Einwand „ich mache es doch immer, aber es ändert sich nichts“ begegnet mir immer wieder. Meines Erachtens führt diese, aus Erfahrung gewachsene Sichtweise vieler Menschen mit Ängsten, auch häufig zu einer Ablehnung der wirksamen Expositionstherapie. Daher liegt es in der Verantwortung der Therapeuten zwischen bloßer Exposition und Exposition mit Zulassen und Akzeptieren der Gefühle zu differenzieren und diesbezüglich Aufzuklären. Euer Interview zeigt dabei sehr schön die Möglichkeiten, Fragen, Zweifel und Grenzen der Expositionstherapie und gibt sehr wertvolle Informationen.
    Vielen Dank für die sehr authentische und realitätsnahe Informationsarbeit mit diesem Beitrag!
    Christoph

    • Veröffentlich von Mischa am 29. September 2016 um 8:55

      Hallo Christoph,

      so tolle Komplimente eines Fachmanns nehmen wir gerne an 🙂

      Ich bin in allen Punkten voll bei dir. Wäre schön, wenn das Thema noch breiter in das Bewusstsein aller Therapeuten vordringt.

      Liebe Grüße
      Mischa

  21. Veröffentlich von Ella am 29. September 2016 um 12:50

    Hallo Mischa, hab Dank für die Antwort.
    Ja das weiss ich alles dennochdie Angst im Kopf es passiert mir wieder der Schwindel aus heiteremHimmel krieg ich nicht weg, nicht gut akzeptiert.So schlimm wars die ganzen 23 Jahre nicht.Ich lebe ja seit 1 Jahr zum ersten Mal in meinem Leben allein und bin auch hier in der STadt allein.Keine Freunde.Hab ich sowieso nur 2 die weit weg sind.

    Und ich kann tausendmal sagen ich habs satt, ich trau mich zum Postkasten und mehr geht einfach nicht.Die Beobachtung ist zu arg und ich weiss nicht mehr weiter.Bin ich verdammt drinnen zu bleiben?Nein im Grunde nicht.Nur ich schaffs nicht.
    Alles was ich mit meinen Augen sehe sehe ich mit der Massgabe alles sicher .
    Unsicher im stehen und gehen.Und ich gucke auf die weiterkommen und ich steh nur wie immer als Streckenposten da.
    Ich weiss es passiert nichts, dennoch das bedrohliche im Kopf ist nur dannweg, wenn ich abends endlich aufs Bett kann.Dann bin ich gefühlt so als ob nix ist.

  22. Veröffentlich von Bernd Pelzer am 5. Dezember 2016 um 1:30

    Hallo Sandro,
    als Psychologe, Therapeut und Angstforscher möchte ich einfach mal deine Seite loben. Sachlich gut recherchiert und mit Herz und Verstand aufgeschrieben.
    Alles Gute und LG
    Bernd

  23. Veröffentlich von Sabine am 10. Januar 2017 um 16:33

    Hallo Mischa und Sandro,
    Durch das ADFD habe ich diesen Bloog hier gefunden und mich schon ein bissel eingelesen hier auf deinen Seiten.Das mit den Expositionen habe ich auch schon durch und finde euren Artikel dazu sehr interessant.
    Ich möchte hier ganz kurz selbst einmal schildern, wie ich diese Therapie empfunden habe. Nachdem ich vor 5 Jahren einfach so umgefallen bin und erst im Krankenhaus wieder aufgewacht bin(Ohnmachtsanfall),habe ich kurz nach diesem Ereignis einen Dauerschwindel entwickelt,der über 1 Jahr blieb.Der Schwindel ging langsam und es kamen andere Symptome dazu, wie z.B Kopfdruck,Augendruck,usw. Diagnose 2 Jahre später, Angsterkrankung mit einer mittleren Depression.Ich habe das Vertrauen in meinen Körper verloren gehabt (durch die Ohnmacht) und immer im Hinterkopf gehabt, was ist wenn es wieder geschieht.Habe dann begonnen,einfach ganz vieles zu vermeiden.
    Ging dann irgendwann in eine Klinik und wurde da auf ein SSRI eingestellt.Dieses habe ich dann 1Jahr genommen und auch in dieser Zeit ein Expositionstherapie begonnen.Ich ging in Kaufhäuser,Supermärkte usw. und es wurde mit der Zeit insgesamt besser. Nachdem ich jedoch dann langsam begann, dass SSRI auszuschleichen, begannen die Angstsymptome wieder zu kommen.Die Deckelung des Medikamentes war weg und das Spiel begann von neuem.
    Ich habe dann danch erkannt,dass mir meine Panikattacken etwas sagen wollen und es zu 100% vom Job kommt.Habe nun gekündigt, nehme mir nun eine Auszeit und beginne etwas neues. Ich versuche mich nun selbst zu therapieren, mit dem Werkzeug das ich gelernt habe. Ich gehe jeden Tag spazieren,zwinge mich einfach Sachen zu tun,…damt mein Körper wieder lernt,….Hey ist doch alles gut,es geschieht nix! Leider habe ich durch das Absetzen des SSRI Entzugssymptome bekommen, wie starkes Augenbrennen, Sehstörungen usw. und dies ist dann nicht immer alles so einfach.
    Aber ich hoffe diese verschwinden auch wieder!!!!
    Was ich aber einfach nur schreiben wollte,die Expositionen waren schon super,jedoch dadurch das ich gedeckelt gewesen bin mit einem SSRI, haben sie nicht so sehr viel gebracht.Wäre ich gleich ohne Medis, in die verschiedenen Situationen rein,…hätte ich im nachhinein mehr davon gehabt.
    Das Medikament hat damals meine Ängste gedämpft und ich war wie unter einer Glocke,als es dann ausgeschlichen war,……begann die Angst wieder zu kommen!
    Ich denke, wenn man einen sehr guten Therapeut hat, dann ist das eine gute Sache. Auch muss zwischen beiden Vertrauen sein und man muss sich als Patient verstanden fühlen. Was mich betrifft, so kämpfe ich mich jetzt durch und hoffe, dass mein Ängste, die leider noch bedingt durch das Absetzten mit Symptomen verbunden sind,….weniger werden.
    Dankeschön für den tollen Artikel !
    Sabine

  24. Veröffentlich von Yvonne am 11. Januar 2017 um 16:21

    Das Ding ist das die Therapeuten meist nur am denken doktern und nicht kapieren das man nicht vor Situationen Angst hat sondern vor den eigenen Gefühlen.
    Was mich wundert das noch kaum ein Therapeut mal die Idee hat wieso meist bei Paniklern alles wiederkommt.Also kann so eine Konfrontation bei den Meisten eben nicht funktionieren.Nur es wird immer weiter nach Schema 0815 weitergemacht.
    Mich hat diese Konftontation so gestresst das es schlimmer wurde wie nie.Und der Stress vor dem fühlen ist schlimmer als alles andere.

    Also selbst ran.Kein Therapeut der Welt kann mir vorschreiben was wirklich hilft.Richtig gute sind so selten.Die sich als BEgleiter sehen als Hinweisgeber.

    Und mal ehrlich, Kliniken machen es nicht besser, das nur eine Parkstation.Und ansonsten Wartezeiten bis 1 Jahr.Da wo ich mich informierte.
    Bleibt nur man selbst.Und das manchmal nicht leicht.Keiner der einen sagt das geht so oder so.

  25. Veröffentlich von Yvonne am 10. März 2017 um 18:54

    Ich leider unter starker Angst wenn ich im Dunkeln alleine zuhause bin (vor allem nachts im Bett). Ich habe Angst das jemand ins Haus kommt und mir etwas tut.
    Ich mache seit einigen Monaten eine Therapie und wurde von meiner Therapeutin vorrangig mit Konfrontation behandelt. Alle paar Wochen muss ich in Ihrem fremden grosse Haus alleine schlafen. Ich ziehe es immer durch, habe aber das Gefühl das es nicht besser wird. Ich quäle mich hin weil ich es durchziehen will und versuche dann dort zu schlafen, werde aber ständig wach und horche wieder. Und auch so bewege ich mich nie entspannt dort.
    Seit ich die Therapie mache habe ich eher das Gefühl das die Ängste schlimmer geworden sind.
    Kann es sein, dass ich die Konfrontation falsch mache oder diese bei mir nicht wirkt sondern die Problematik eher verstärkt?

    • Veröffentlich von Mischa am 13. März 2017 um 20:47

      Liebe Yvonne,

      was du beschreibst, ist genau der Punkt, weshalb Konfrontationstherapie aus meiner Sicht sehr kritisch zu sehen ist. Denn jetzt denkst du, dass es an dir liegt, dass du etwas falsch machst und machst dir dadurch noch mehr Druck, der auf Dauer zu noch mehr Angst führt.

      Insofern wäre es besser, wenn deine Therapeutin mit dir erst einmal das zugrunde legende Thema finden würde bzw. es schafft, mit dir Strategien zu entwickeln, wie es dir gelingt, in solchen Situationen keine Angst mehr zu haben. Durch das pure Konfrontieren wird ja augenscheinlich nichts besser.

      Das würde ich ihr auch so deutlich sagen. Und wenn sie das nicht verstehen will, dann wird es Zeit für einen anderen Therapeuten bzw. es gibt auch sehr gute Coaches, die beim Thema Angst sehr hilfreich sind.

      Liebe Grüße
      Mischa

  26. Veröffentlich von Clara am 21. April 2017 um 15:49

    Hallo ihr Lieben,

    ich bin auf diesen Artikel gekommen, weil ich nach Erfahrungen suche die jemand mit einer Konfrontationstherapie gemacht hat. (mir wurde das so angekündigt, ich habe noch keine Aufklärung und hoffe ich habe das richitg verstanden, dass es sowas wie die Exposition ist) Ich leide unter einer Phobie. Ich habe panische Angst vor Luftballons. Also eine ganz andere Situation, wie ihr sie beschrieben habt. Ich hoffe ich darf mich trotzdem einbringen.
    Seit ca. 20 Jahren leide ich unter dieser Angst und heute bin ich 22. Ich habe einen Therapieplatz bekommen und meine Therapie startet ca. in einem dreiviertel Jahr. Ich denke sehr viel über diese Therapie nach und frage mich ob ich es schaffe mich der Situation auszusetzten. Oft habe ich abends vor dem Einschlafen richitg Herzrasen und Schweißausbrüche wenn ich mir vorstelle was mir da passiert.
    Ich verstehe das erklärte Prinzip, gedanklich nicht zu flüchten sondern sich der Situation zu stellen, allerdings habe ich keine Ahnung wie ich das umsetzten soll. Mir fällt kein Beispiel ein, dass ich in Gedanken durchgehen könnte um mir Mut zu machen die Situation durchzustehen, dass es nicht in die falsche Richtung geht. Mein Gedanke war bisher, ich muss da durch, wenn ich das ausgehalten habe ist alles vorbei, ich muss es nur irgendwie aushalten. So nach dem Motto: „Augen zu und durch“. Ich habe aber den Eindruck, das ist der falsche Gedanke. Gibt es sowas wie eine Gedankenrichtung die ich in der Situation durchgehen kann damit es in die richtige Richtung geht?
    Zudem kommt noch große Angst, dass es nichts bringt. Eigentlich war ich immer der Meinung, sowas klappt, bis ich bei 2 Hypnosetherapieren tausende von € ausgegeben habe und diese leider ohne den geringsten Erfolg verlassen habe. Seit dem ist meine Euphorie etwas eingeschränkt. Da meine Angst auf ein einziges Objekt eingeschenkt ist, hoffe ich sehr, dass man mir helfen kann, denkt ihr eine Konfrontation ist in meinem Fall eine hilfreiche Terapie?

    Liebe Grüße Clara

    • Veröffentlich von Mischa am 24. April 2017 um 20:39

      Liebe Clara,

      danke für deine offene Schilderung deines Themas.

      Nach meinen Erfahrungen kann bei einer Phobie die Konfrontation das richtige Mittel sein, wenn dich der Therapeut behutsam heranführt.
      Ich würde mir an deiner Stelle aber lieber einen richtig guten NLP-Coach in deiner Nähe suchen. Dann sollte das Thema in einer einzigen Sitzung beendet sein. Das kostet zwar nochmal ein bisschen Geld, dafür sparst du dir viel Zeit.

      Magst du noch schildern, wieso du wegen einer Phobie gleich einen Therapieplatz brauchst? Das habe ich jetzt nicht verstanden, schließlich kannst du Luftballons im täglichen Leben ja gut ausweichen.

      Liebe Grüße
      Mischa

      P.S.: Falls du ne Empfehlung für einen NLP-Coach brauchst, schreib mir einfach ne Mail oder übers Kontaktformular.

      • Veröffentlich von Clara am 25. April 2017 um 7:20

        Hallo Micha, vielen Dank für deine Antwort!!

        Von einem NLP-Coach habe ich noch nie gehört, kannst du kurz schildern, was bei so einer Sitzung passiert?

        Eine Therapie plane ich schon sehr lange. Meine Mutter stellte mir die selbe frage, warum ich unbedingt etwas dagegen machen möchte aber ich fühle mich sehr oft auch im zwischendurch im Alltag eingeschrämkt. Mein Freund hat sehr viele Geschwister, alle haben schon Kinder und bisher bin ich auf keinen Geburtstag mitgekommen. Ich bin nicht bereit offen mit dem Thema umzugehen, weil es mir wirklich peinlich ist.
        Ich habe schon Hochzeiten von Freunden und den Freunden meines Freundes verpasst. Das fällt mir sehr schwer und macht mich wirklich traurig. Im Alltag ist es eher das ich mich in vielen Einkaufszentren unwohl fühle, ich gehe nicht zur Kirmes oder feier Karnevall.
        Am meisten aber habe ich Angst, selber ein Kind zu bekommen. Ich kann mich gut an meine Kindheit erinnern und weiß wie oft man mit Kindern mit Luftballons in Berührung kommt.
        Ich ertrage dieses Gefühl der Angst nicht mehr und bin es einfach unendlich leid diesem Gefühl so machtlos ausgeliefert zu sein, deshalb habe ich mich zu einer Therapie entschieden.

        Liebe Grüße Clara

        • Veröffentlich von Mischa am 25. April 2017 um 12:34

          Hi Clara,

          für einzelne Phobien ist die Fast Phobia Cure hoch effektiv. Falls dich das von der Theorie her interessiert, lies mal hier rein: http://nlpportal.org/nlpedia/wiki/Fast_Phobia_Cure

          Ich habe das selbst bei Seminaren erlebt, wie schnell und einfach das geht. Beispiele bei uns waren Spinnenangst, Aufzugangst, Tunnelangst etc. – alles in 15 Minuten geheilt.

          Schreib mir doch mal ne E-Mail mit deinem Wohnort und ich schick dir einen Kontaktlink zu einem guten Coach in deiner Nähe. Dann kannst du immer noch entscheiden, ob du das ausprobieren willst oder nicht.

          Liebe Grüße
          Mischa

  27. Veröffentlich von Daniela am 25. Mai 2017 um 19:24

    Ein super artikel…
    Letzte Woche hat mich mein Therapeut gekündigt…ich war von allen Wolken gefallen…
    Gründe : ich fahre übe nicht genug Auto zu fahren sollte mindestens 3 mal die Woche fahren …naturlich war das voll Stress für mich und ich bin nur gefahren wenn meine angst es zuließ….
    Er hat alles versucht das ich mehr fahre gab mir ein Riesen Stein mit den soll ich mit schleppen, hat versucht aut aus mir zu holen das ich fahre aber irgendwie klappt es nicht…so das war das Ende letzte Woche…..
    So und jetzt ?…
    Ich habe eine geile Arbeit gutes Familien leben ein super hund (calzone) ich kann halt nicht in den urlaub ,kein wellness,keine freunde treffen so jetzt stehe ich da….und ganz ehrlich ich weiß nicht wie ich das anstellen soll um aus meine (8 km) Umgebung raus zu kommen ….
    Bin begeistert von Sandro seine Methode er macht alles mit das ist mal ein Therapeut
    Tanti Saluti
    Daniela

    • Veröffentlich von Mischa am 29. Mai 2017 um 15:21

      Hi Daniela,

      das ist ein gutes Beispiel für nicht gelungene Konfrontation …

      Wieso glaubst du, dass du nur weil du nicht selbst Auto fährst, nicht in den Urlaub, Freunde treffen oder Wellness machen kannst. Also MEINER Fantasie entspringen da ziemlich viele Idee, wie das prima auch ohne Auto klappt 🙂

      Liebe Grüße
      Mischa

      P.S.: Hast du die Übungen aus dem Buch von Klaus Bernhardt angefangen? Und welche Erfahrungen gemacht?

  28. Veröffentlich von Markus Hüfner am 26. Mai 2017 um 23:37

    Auch ich habe Erfahrungen mit Expositionstherapie gemacht und die meisten waren negativ. Seit drei Jahren mache ich nun eine Akzeptanz- und Commitment-Therapie (kurz ACT) und dort gibt es eine Praxis, die sich „Ausdehnung“ nennt. Das tolle an der Ausdehnung ist, dass man sie erstmal nur üben kann, ohne sich tatsächlich einer Angstsituation auszusetzen. Man stellt sich die Angstsituation so detailliert wie möglich vor und kann jederzeit abbrechen, wenn es zu schwer wird.

    Die »Ausdehnung« ist die mit Abstand schwierigste aller ACT-Strategien und sollte anfangs durch einem erfahrenen ACT-Therapeuten angeleitet werden, danach kann man alleine üben. Normalerweise versuchen wir uns verkrampft und verzweifelt von unseren starken Emotionen abzulenken, sie zu verdrängen oder durch Alkohol, Tabletten etc. zu unterdrücken. Wenn ihnen jemand sagt, sie sollen ihre Aufmerksamkeit gezielt auf die starken Emotionen hinlenken, würden sie bestimmt auch sagen: »Niemals, spinnt der?«
    Im folgenden eine Ausdehnung, wie ich sie mehrere Monate lang täglich praktiziert habe:

    1. Die Dämonen neugierig untersuchen

    Bei der Ausdehnung geht es darum, die Dämonen sichtbar zu machen, sie sich genau anzusehen, so wie ein neugieriger Wissenschaftler, der gerade eine faszinierende Unterwasserkreatur entdeckt hat. Ein Wissenschaftler beobachtet zunächst erst mal, ohne eine Bewertung (gut, schlecht, gefährlich, harmlos) vorzunehmen. Meistens sehen die Dämonen, wenn sie erst mal an Deck stehen, gar nicht mehr so Furcht einflößend aus. Man kann ihre Form, ihre Farbe, Größe erkennen. Genau darum geht es bei der Ausdehnung, die Furcht einflößenden Emotionen und die damit verbundenen Empfindungen im Körper neugierig und ohne zu bewerten zu beobachten, zu untersuchen.

    Die folgende Übung ist von meinem Therapeuten, der sie mit seiner eigenen sanften und freundlichen Stimme als mp3 aufgenommen hat:

    Dafür scannt man den Körper von Kopf bis Fuß, um zu bemerken, wo diese Emotion am stärksten zu fühlen ist. Es kann auch sein, dass sich der Körper völlig taub anfühlt, dann richtet man den Fokus auf die Stelle, die am meisten taub ist. Hat man die Stelle gefunden, beobachtet man aufmerksam, was dort zu fühlen ist, ohne zu bewerten. Bei mir ist das der Oberkörper, angefangen vom Hals bis in den Unterleib. Im Brustbereich spüre ich einen starken Druck und beklemmende Enge, es fällt mir schwer normal zu atmen, ich habe das Gefühl, jemand hat einen Gürtel um meinen Brustkorb geschnallt und fest zugezogen und zerrt weiter daran. Schaue ich tiefer in die Emotion, stelle ich fest, dass sie im Inneren warm und heiß ist und sich wellenförmig ausbreitet. Es fühlt sich wie glühendes Magma an. Ich fühle mich wie ein brodelnder Vulkan, das Magma drängt mit aller Macht tief aus meinem Inneren heraus an die Oberfläche. Mein Brustkorb scheint explodieren zu wollen. Das Magma kann aber nicht durchbrechen und so breitet sie sich in meinem ganzen Oberkörper aus, der Druck kann nicht entweichen und sucht sich andere Wege in den Magen, in die Speiseröhre, den Hals. Ich brauche nur darüber zu schreiben und schon spüre ich es (so machtvoll sind Gedanken). Ich bekomme Magen-Darm-Krämpfe, Sodbrennen mit Schmerzen hinter dem Brustbein. Ich beobachte weiter, auch wenn ich jetzt lieber eine Tavor (Beruhigungsmittel) nehmen würde. Manchmal ist es auch eher ein Knoten im Herzbereich, der sich immer weiter zuzieht, je verzweifelter ich versuche ihn zu lösen, mein Herz rast dann wie verrückt und hämmert gegen die Rippen, als ob es rausspringen wolle.

    2. Den Dämonen erlauben da zu sein, auch wenn ich sie nicht mag

    Im nächsten Schritt benenne ich die Emotion, ich sage innerlich zu mir selbst: »Da ist Angst«, »da ist Traurigkeit« oder »da ist Wut.«

    Dann atme ich sanft und freundlich in diesen Bereich hinein, hinaus und drumherum, ganz sanft hinein, hinaus und drumherum, sodass sich der Raum um diesen Bereich erweitert, ich schaffe Platz für die Emotionen und Körperempfindungen, ich lasse sie so sein, wie sie gerade sind. Ich erlaube ihnen jetzt in diesem Moment da zu sein, auch wenn ich sie nicht mag und nicht haben will!
    3. Die Dämonen umarmen

    Schließlich lege ich eine Hand auf den Bereich, der am meisten schmerzt und die andere Hand auf den Herzbereich. Ich lege die Hände ruhig dort hin und halte die Emotion sanft und leicht, so als ob sie ein Schmetterling in meiner Hand wäre. Ich stelle mir vor, es sei eine heilende Hand, eine mitfühlende Hand, die Hand eines liebevollen Menschen, eine tröstende Hand. Ich spüre die Wärme dieser Hand und wie sich diese Wärme und Güte in meinem Körper ausbreitet. Dann sage ich freundlich meine »Mettâ«-Sätze (Praxis der liebenden Güte, aus der buddhistischen Psychologie) zu mir. Sie können aber auch einfach sagen, »das tut weh«, »dies ist ein Moment des Leidens« oder nur in dieser liebevollen Geste, sich selbstumarmend, ruhig dasitzen, verbleiben, so lange wie sie mögen.

    Meine Metta-Sätze lauten:
    »Mögest Du sicher und geborgen sein.«
    »Mögest Du vollkommen sicher und geborgen sein.«
    »Mögest Du in Frieden sein.«
    »Mögest Du glücklich und zufrieden sein.«
    »Mögest Du mit Leichtigkeit leben.«
    »Mögest Du frei sein.«
    »Mögest Du vollkommen frei sein, locker und gelöst, ganz locker und gelöst und weicher werden, ganz weich werden.«
    Manchmal sage ich auch:
    »Mögest Du freundlich zu Dir sein.«
    »Mögest Du beharrlich und mutig sein.«
    »Mögest Du stark sein.«
    »Mögest Du Dich und Dein Leben so annehmen, wie es ist.«
    Je nachdem, welchen Satz ich gerade brauche. Schließlich bedanke ich mich bei mir selbst, dass ich loslassen konnte, die starken Emotionen und Körperempfindungen in diesem Moment da sein lassen konnte. Dazu klopfe ich mir mit einer Hand selbst auf die Schulter.

    4. Ins Hier und Jetzt zurückkehren

    Im nächsten Schritt kehre ich wieder ins Hier und Jetzt zurück. Ich finde, dass dies ein unglaublich befreiender Moment ist. Da der Abschluss dieser Übung sehr schön zum Ausdruck bringt, dass wir nicht nur aus Gedanken, Gefühlen und Körperempfindungen bestehen, möchte ich Ihnen diesen wunderbaren Abschluss der Übung nicht vorenthalten:

    „Das Leben ist wie ein Stück auf der Bühne und auf dieser Bühne sind all ihre Gedanken und alle ihre Gefühle und alles, was sie sehen, hören, spüren, schmecken und riechen können. In den letzten Minuten haben wir die Lichter über der Bühne ausgeschaltet und den Spot auf ein bestimmtes Gefühl gelenkt. Jetzt ist es Zeit, die anderen Lichter wieder anzumachen. Beleuchten sie zuerst den restlichen Körper, bemerken sie ihre Arme und Beine und Kopf und Hals. Bemerken sie, dass sie die Kontrolle über Arme und Beine haben, egal was sie fühlen. Bewegen sie sie kurz, um es selbst zu überprüfen und dann strecken und recken sie sich einmal.

    Und nun bringen sie die Aufmerksamkeit in den Raum um sie herum. Öffnen Sie die Augen und bemerken Sie, was sie sehen und bemerken sie was sie hören und bemerken Sie, dass da nicht nur ausschließlich ein Gefühl ist, da ist ein Gefühl, in einem Körper, in einem Raum, in einer Welt voller Möglichkeiten, willkommen darin!“

    Für mich war es eine große Erleichterung, nicht sofort in die Angstsituation gehen zu müssen, um zu erleben was passiert. Ich halte das auch nicht für hilfreich, selbst wenn ein Therapeut dabei ist. Die Ausdehnung ist eine wunderbare Übung, um sich auf die spätere Exposition vorzubereiten.

    Ich finde es besonders wichtig, dass man sich nicht sinnlos irgendwelchen Angstsituationen aussetzt, nur um zu erleben, dass ich das aushalten kann. Mit der Angstsituation sollten bestimmte Werte verbunden sein, also etwas, das ich früher gerne gemacht habe, das für mich einen Wert hat, das mir fehlt und das ich gerne wieder machen würde. Ich kann keinen Sinn darin erkennen, dass sich Patienten mit sozialen Ängsten, sozialer Phobie, in die Fußgängerzone stellen sollen und laut singen sollen, oder mit einem geöffneten Regenschirm durch das Kaufhaus zu laufen oder mit einem leeren Einkaufswagen durch den Supermarkt zu an der Kasse vorbei (es gibt Therapeuten, die halten das für eine großartige Idee und muten es ihren Patienten tatsächlich zu, ich war einer von ihnen, bevor ich mit ACT anfing). Auf meiner Website schreibe ich über meine Erfahrungen mit ACT und der buddhistischen Psychologie.

    • Veröffentlich von Mischa am 29. Mai 2017 um 15:25

      Hi Markus,

      danke für die detaillierten Infos und Ergänzungen. Das Modell klingt wirklich gut und holt meiner Meinung nach die Leute an der richtigen Stelle ab.

      Ich persönlich störe mich zwar an dem Wort „Dämonen“, weil das schon wieder so nach Teufelsaustreibung und all dem kirchlichen Quatsch klingt, der so viele Jahrhunderte den Leuten angetan wurde. Aber man kann die Übung ja auch anders nennen 😉

      Liebe Grüße
      Mischa

      • Veröffentlich von Markus Hüfner am 29. Mai 2017 um 17:04

        Hallo Mischa,

        da stimme ich Dir zu, ich habe das Wort einfach vom Autor übernommen und mir nichts dabei gedacht. Allerdings zeigt diese Übung ja auch, dass diese „Dämonen“ nichts böses sind und uns nicht schaden wollen. Sandro arbeitet übrigens auch mit ACT und hat die Bücher des Autors, von dem diese Übung stammt, empfohlen. Besonders schön ist die Cartoon-Ausgabe „Raus aus der Glücksfalle: Ein Umdenk-Buch in Bildern« von Russ Harris (https://imlearningact.com/) und Bev Aisbett (http://www.bevaisbettartofanxiety.com/books.html), die mehrere Cartoon-Bücher über ihre Angsterkrankung geschrieben und gestaltet hat, ebenso wie Matthew Johnstone, von dem „mein schwarze Hund – wie ich meine Depression an die Leine legte“ stammt, vielleicht kennst Du das ja schon, wenn nicht ist das eine persönliche Empfehlung. Russ Harris hat mir mit seinen Büchern über ACT gezeigt, anders mit Gedanken und Gefühlen umzugehen, er hat die Gabe, komplizierte Sachverhalte einfach zu erklären, ohne das es simpel erscheint und die Cartoon-Bücher von Matthew Johnstone (https://matthewjohnstone.com.au/) sind einfach nur genial. Besonders für Menschen, die sich aufgrund ihrer Depression nicht auf längere Texte konzentrieren können sind Cartoons eine Bereicherung. Als Loriotfan liebe ich Cartoons ohnehin. 🙂

        Übrigens: Alle drei Personen leben in Australien, da scheinen die Menschen besonders kreativ zu sein 😉

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