Saufen, bis die Angst weg ist

Saufen

Die Angst und der Alkohol. Zwei sehr gute Freunde. Ich habe länger überlegt, ob ich das heikle Thema angehen soll. Schließlich muss ich dabei Dinge über mich erzählen, die nicht gerade Heldengeschichten sind.

Ich habe mich letztlich aus zwei Gründen entschieden, den Artikel zu schreiben: a) weil es zu meiner Lebensgeschichte dazu gehört und ich hier sehr offen über mich berichte und b) weil das Problem weit verbreitet ist.

Warum Angst und Alkohol zwei so gute Freunde sind

1. Alkohol macht die Schüchternen sozial verträglicher

Ist es nicht schön, auf der Party nicht schüchtern in der Ecke zu stehen? Mittendrin im Trubel, statt den anderen beim ausgelassenen Feiern zuzuschauen? Ohne einen Selbstzweifel Frauen anzusprechen, statt diese nur aus sicherer Entfernung zu bewundern?

Kein Problem: Nimm ein paar Getränke und dann geht das von selbst. Grundsätzlich ist nichts dagegen einzuwenden, dass wir alle mit Alkohol ein wenig lockerer werden, manche Dinge nicht mehr so eng sehen. Bei mir als früher extrem schüchternen Menschen war es aber Selbstzweck.

Gewisse Dinge gingen eben nur unter Alkoholeinfluss, während ich nüchtern viel zu gehemmt war. Ich musste mich also regelmäßig in einen Zustand trinken, von dem ich annahm, dass er mehr meinem echten Wesen entspricht als mein nüchternes Ich.

2.  Alkohol ist dein Anker und dein Rettungsboot

In meinen schlimmsten Phasen von Depression und Panikattacken – zum Glück gab es auch lange Phasen, in denen ich kaum Probleme hatte – war Alkohol für mich überlebensnotwendig.

Um große Menschenansammlungen ertragen zu können, habe ich ein paar Bier zur Beruhigung gebraucht. Um abends endlich vom Job abschalten und einschlafen zu können, habe ich ein paar Bier gebraucht. Während meiner schlimmsten Depression habe ich sogar ein paar Bier gebraucht, um überhaupt noch Appetit zu haben.

Erst, wenn der Alkohol seine Wirkung getan hatte, bekam ich Hunger. Trinken war in diesen Momenten mein Rettungsanker, um überhaupt noch am Leben teilnehmen zu können.

Zum Glück war ich aber nie der, der morgens schon einen Schnaps braucht und diesen tagsüber im Flachmann für alle Fälle mit sich führt. Solche Menschen habe ich bei verschiedenen Hilfsjobs, die ich während meines Studiums gemacht habe, erlebt. Und wahrscheinlich waren diese Abschreckung genug.

Ich habe dazu auch keinen Kasten täglich saufen müssen, sondern meist hat das dritte Bier schon die entsprechende Wirkung entfaltet.

3.  Alkohol knipst deine schlimmsten Ängste aus

Zeit meines Lebens verfolgt mich die Höhenangst. Ich habe zwar zuletzt schon gute Fortschritte gemacht, doch bin ich noch weit davon entfernt, auf einem Grat zu wandern oder ähnliche Dinge zu machen.

Trotzdem bin ich mit Freunden schon einmal vor über 20 Jahren in Kaufbeuren ein Baugerüst am Rathaus mehrere Stockwerke hochgeklettert, um am Ende von weit oben herunterzublicken. Warum? Weil wir alle betrunken waren. Im Nachhinein ist mir schon beim Gedanken daran schwindlig geworden.

4. Alkohol lenkt deine Gedanken kurz von der Angst weg

In Phasen von Depression und großer Angst drehen sich alle deine Gedanken nur um dich und deine Gesundheit. 24 Stunden lang, 7 Tage die Woche. Du bist gefangen im Teufelskreis, aus dem es scheinbar kein Entrinnen gibt.

Und dann gönnst du dir ein paar alkoholische Getränke. Und merkst plötzlich, wie du für kurze Zeit aus dem Gedankenkarussell aussteigst. Wie du vielleicht für ein paar Stunden dein Lachen wiederfindest. Wie all die Sorgen auf einmal ganz weit weg sind. Doch natürlich ist das alles nicht nachhaltig. Ganz im Gegenteil.

Warum Alkohol deine Ängste sogar verstärkt

1. Deine Probleme bleiben dieselben

So, jetzt hast du also ein paar halbwegs vergnügliche Stunden mit Hilfe von Alkohol verbracht. Hast deine Probleme mal vergessen können. Und dann wachst du am nächsten Morgen auf.

Sind die Ängste weg? Natürlich nicht. Geht es dir besser? Natürlich nicht. Denn du weißt, dass du wieder einmal die Probleme nur verdrängt hast. Gelöst ist dadurch nichts.

Du würdest gerne den Zustand von gestern Abend wieder herbeiführen. Aber weißt nicht, wie du das ohne das Hilfsmittel Alkohol schaffen kannst. Und dadurch geht es dir noch schlechter als zuvor, weil du siehst, dass diese Methode dich nicht zum Ziel führen kann.

2. Du schläfst noch schlechter

Ach, ist das schön. So ein paar Bierchen und du schlummerst selig ein. Fällst in einen tiefen, traumlosen Schlaf, anstatt wie sonst grübelnd und ängstlich ganze Ewigkeiten wachzuliegen.

Doch dann lässt die Wirkung des Alkohols mitten in der Nacht nach. Du wachst auf und kannst nicht mehr einschlafen. Dein Herz pocht, möglicherweise bekommst du mal wieder eine Panikattacke. Was bleibt ist ein ganz schlechtes Gefühl: Ohne Alkohol sind deine Nächte schlimm. Mit Alkohol sind sie noch schlimmer.

3. Depressionen werden durch Alkohol noch verstärkt

Die berauschende, enthemmende Wirkung ist die eine Seite des Alkoholkonsums. Die Kehrseite ist das, was der Volksmund kurz „Suff-Depression“ nennt. Sobald der Blutalkoholspiegel zu sinken beginnt, entsteht ein Zustand der Gereiztheit, Unruhe und depressiven Gefühle.

Für Menschen, die eh schon mit starken Ängsten und Depressionen zu kämpfen haben, eine ganz schlimme Situation. Während psychisch stabile Leute so einen Kater einfach aushalten, können solche Tage für Angstpatienten zum echten Horror werden. Die kurzen Glücksgefühle des Vorabends kommen wie ein Bumerang zurück. 

4. Du wirst träge – dein Körper zahlt es dir heim

Sonntagvormittag, 9 Uhr, 20 Grad, strahlender Sonnenschein. Du könntest dich jetzt auf dein Radl schwingen und eine schöne Tour machen. In die Berge gehen. Oder zum Schwimmen.

Aber du liegst noch im Bett oder auf dem Sofa und leidest. Weil die Party tags zuvor zu hart war. Und bekommst den ganzen Tag deinen Hintern nicht hoch.

Ein paar Mal im Jahr verzeiht dir das dein Körper schon. Aber wenn das zum Dauerzustand wird, dann nicht mehr. Und du gewöhnst dich an die Trägheit. Und bewegst dich weniger. Und merkst, wie deine Fitness sinkt. Und bewegst dich deswegen noch weniger, weil du dich ja nicht überanstrengen willst. Schließlich bist du ja Panikpatient und hast ständig Angst, dir zu viel zuzumuten.

Ein Teufelskreis, in dem du der große Verlierer bist.

Welche Konsequenzen ich daraus gezogen habe

In der Klinik hatte ich mit meinem Therapeuten die Abmachung, dass ich die kompletten fünf Wochen auf Alkohol verzichte. Das Erstaunliche war, dass es ohne Probleme funktioniert hat.

Gut, ich war jetzt kein klassischer Alkoholiker, der einen kalten Entzug durchmachen muss. Aber wie beschrieben, war Alkohol schon ein wichtiges Hilfsmittel in meinen schwierigen Phasen.

Ich habe in der Zeit Dinge festgestellt, die ich nicht für möglich gehalten hätte. Ich konnte nüchtern tanzen (vorher unvorstellbar), Party machen (ebenso undenkbar), singen, ausgelassen Freude haben.

Als Nagelprobe habe ich mich nach meiner Rückkehr bereit erklärt, nach einem Abend im Bierzelt den Fahrer für die Kollegen zu machen. Eine bemerkenswerte Erfahrung, unter Tausenden von Menschen einer der wenigen Nüchternen zu sein. Ich hatte richtig Spaß dabei, stand auf der Bierbank, habe getanzt. Unfassbar …

Meine Konsequenz daraus war aber nicht, von nun an komplett auf Alkohol zu verzichten. Ich schätze Alkohol ab und an als Genussmittel: Weißwein zu Austern, Rotwein zu Spaghetti, Bier zu Kässpatzen, das kommt an seltenen Tagen schon vor. Den Rest der Zeit verzichte ich gerne auf Alkohol und habe keine Probleme damit – im Gegenteil, mein Körper freut sich.

Ich weiß, dass ich alles, was ich mit Alkohol kann, inzwischen auch ohne kann. Ich muss nicht mehr trinken, um Ängste zu beseitigen und mich von meinen Problemen abzulenken. Damit geht es mir verdammt gut.

Und sonntags um 9 Uhr liege ich höchstens deswegen noch auf der Couch, weil ich mich von eineinhalb Stunden Morgen-Yoga ausruhe.

Hast du auch schon Erfahrungen mit Angst/Depressionen und Alkohol gemacht? Oder wie stehst du zu diesem Thema? Ich freue mich auf deinen Kommentar.

31 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Mischa, wieso gibt es hier keine Daumen-hoch-Funtkion? 😉

    Deine Offenheit ist genau das, was dich auszeichnet und für andere eine Hilfe darstellt.
    Indem wir uns mit unseren Ecken und Kanten zeigen, werden wir doch erst greifbar. Gurus, alleswissende Coachs oder Lebensberater gibt es genug – wir brauchen mehr von deiner Sorte, ECHTE Menschen 🙂

    Sonnige Grüße aus dem kalten Augsburg
    Nima

    • Hi Nima,

      deine Kommentare sind viel besser als jede Daumen-Hoch-Funktion 🙂

      Lieben Dank für deine unterstützenden Worte. Das tut sehr gut, denn ich war vor der Veröffentlichung schon ein bisschen nervös. Ich kann gar nicht mehr anders, als authentisch sein, denn ich habe viel zu lange eine Rolle gespielt, die letztlich nicht zu mir gepasst hat. Und die Authentizität fühlt sich einfach wesentlich besser an.

      Sonnige Grüße von der warmen Atlantikküste

      Mischa

  2. Es ist schon erstaunlich wie ich dich jetzt erst wirklich kennenlerne – nach 10 Jahren Tür an Tür. Respekt, Mischone, für den Mut, derart offen zu schreiben. Und kein Thema auszulassen. Mach weiter so, ich freu mich auf Oktober.

    • Hi Matze,

      so ähnlich hat das Nicole gestern auch formuliert 🙂 In dem Bereich war ich scheinbar ein wirklich guter Schauspieler.
      Danke für deinen Zuspruch und der Oktober wird rocken!
      Beste Grüße

  3. Hallo Mischa,

    bin irgendwie über deinen Blog gestolpert – naja, als BlogCamper wohl nicht so außergewöhnlich 😉
    Jedenfalls finde ich dein Vorhaben (jetzt eigentlich dein Abenteuer) echt cool und bemerkenswert. Dieser Artikel gibt mir Mut, auch über meine Schattenseiten zu schreiben. Und das werde ich dann mal auch, ist mein Thema doch irgendwie Authentizität.
    Um es positiv zu sehen: was zum geliebten Freund Alkohol schreiben, das kann ich bestimmt, ich meine, Storys gibt’s ja darüber mehr als genug in meinem Leben…

    Danke für deine Offenheit, bist mir durch diesen Artikel echt sympatisch – da eben echt und menschlich und unperfekt.

    Schönen Abend noch,
    Mad

    • Hi Mad,

      vielen Dank für deinen Kommentar. Ich habe deinen Blog auch schon im Visier und freue mich auf viele Geschichten eines nicht-perfekten aber sehr authentischen jungen Mannes!

      Ich persönlich kann gar nicht mehr anders, als offen zu sein, weil ich davon richtig profitiere im Vergleich zu früher, als ich alles verheimlicht habe.

      Liebe Grüße und die Sympathie ist ganz meinerseits

      Mischa

  4. >>> Gut, ich war jetzt kein klassischer Alkoholiker, der einen kalten Entzug durchmachen muss ?????????? Was warst Du denn dann ?????

    Diese Aussage macht mich schon etwas hellhörig.
    Was ist ein klassischer Alkoholiker. Da sehe ich Schönfärberei.
    Ja, ich bin ein Alkoholiker, war auch in der Klinik (vor einem Jahr) und bin
    seit dieser Zeit ein trockener Alkoholiker.
    Ich habe mit der Sucht selbst nun kein Problem, weiß aber, dass ich heute keinen Alkohol trinken will und das erste Glas stehen lasse.

    Ich habe die letzte Zeit doch einige Bücher gelesen, die meiner Ansicht nach alle nicht das Wesentliche an der Sucht und Krankheit Alkohol geliefert haben.
    Von Jack London angefangen, über einen ehemaligen FDP Politiker, der mehr pornographisch schrieb, bis zu anderer Literatur … keiner hat die wirkliche Brutalität des Alkohols beschrieben.
    Die Selbstherrlichkeit der AA finde ich auch nicht besonders anregend, sicherlich haben die den Verdienst, aber auch bei denen sind viele rückfällig.
    Die Selbstverklärung der „Alt-Alkis“ bei der AA mit dem Argument „Kennst Du eigentlich AA“ und damit alles niederbügeln, was ihrem Istzustand gefährlich werden kann.
    Auch die Aussage, dass man wieder rückfällig wird, wenn man nicht regelmäßig zum Meeting erscheint, ist sehr anmaßend. Ich brauche keine AA und bleibe auch sehr stabil trocken. Ich habe mir einen „Sicherheitsgartenzaun“ durch Menschen gebaut, die mich kennen und mich beachten, nein nicht beobachten, sondern beachten. Dazu gehören Mein Pfarrer, aber auch meine Putzfrau, die mich mit Ihren Mann im kalten Entzug gefunden hat.
    Mich bewegen die Gedanken um den Alkohol jetzt wenig, eher, dass ich mir die hässlichen Zeiten fest im Gehirn festbrenne, damit ich nicht vergesse und dann wieder das erste Glas trinke.

    Ich bin selbst dabei unter „Georg de Marbella“ ein Buch zu schreiben.
    Ja bei mir gibt es auch ruhige Zeiten, sogar eine Phase von 5 Jahren ohne Alk,
    aber dann wieder die Zeiten mit bis zu 4 Flaschen Wein am Tag.
    Am frühen Morgen wartet dann der Druck und wenn man dann keinen Alk im Haus hat und es fehlt auch das Geld (das war früher zeitweise mal bei mir so), es steigt aber weiter der Druck und die tierische Angst von einem kalten Entzug… dann wird es grausam.

    Wollte ich nur anmerken, Dir aber gute 24 Stunden

    Georg de Marbella

    • Hi Georg,

      danke für deine offenen Worte und deinen ausführlichen Kommentar!

      Wenn du denkst, dass ich Schönfärberei betreibe, dann darfst du das gerne tun. Ich persönlich bleibe dabei, dass ich mich von dem typischen Alkoholiker, der morgens schon enormen Suchtdruck hat, insofern unterschieden habe, dass sich mein Leben nicht um den Alkohol gedreht habe. Leider habe ich ihn abends zu oft benötigt, um irgendwelche Ängste und Schwächen zu kompensieren. Ich konnte aber auch wochenlang keinen Alkohol trinken, ohne Probleme damit zu haben.

      Aber von der rein ärztlichen Seite her könnte man mir für die Zeit vielleicht schon den Stempel „Alkoholiker“ aufdrücken. Das zählt für mich aber nicht, sondern letztlich nur, wie es mir jetzt geht und dass ich keine Probleme mehr wegsaufen muss.

      Liebe Grüße und viel Kraft auf deinem Weg!

      Mischa

  5. was hast Du dann aber in der Klinik gemacht, das war dann doch wohl eine Entgiftung und woher kam der Therapeut.
    Ich will Dich nicht so scharf angehen, aber wenn man schon über
    Alkoholsucht schreibt, dann darf man diese Abhängigkeit nicht wie
    einen kleinen Schnupfen beschreiben, der aber jetzt geheilt ist.

    Alkoholabhängigkeit ist eine Krankheit, die man durch Abstinenz zum Stillstand
    bringen kann, man kann davon aber nie geheilt werden.
    Es gibt da eine kleine Geschichte, die sich in den USA abspielte.
    Da war eine recht begüterte Dame, die hat einmal am Abend gegen
    21:00 Uhr einen kleinen Likör von Ihrer Bediensteten bringen lassen und getrunken.
    Schon eine Stunde später hatte sie die Bedienstete gefragt, wie viel Stunden sie denn noch warten müsste, bis sie den nächsten Likör erhält.
    Ja, diese Dame war bereits Alkoholiker, denn es drehte sich ihr Leben nur noch um den Likör.

    So ich werde mich nun auch wieder aus diesem Block verabschieden.

    Georg de Marbella

    • Lieber Georg,

      schade, dass du dir nicht die Mühe gemacht hast, etwas näher in meinem Blog einzutauchen. Dann wüsstest du nämlich, dass ich nicht wegen einer Alkoholsucht in der Klinik war, sondern wegen schwerer Depressionen und Panikattacken.

      Liebe Grüße
      Mischa

  6. >>>>Zum Glück war ich aber nie der, der morgens schon einen Schnaps braucht und diesen tagsüber im Flachmann für alle Fälle mit sich führt. Solche Menschen habe ich bei verschiedenen Hilfsjobs, die ich während meines Studiums gemacht habe, erlebt. Und wahrscheinlich waren diese Abschreckung genug.<<<<

    Sei froh, Du hast einfach nur rechtzeitig aufgehört… ich war einer mit Schnaps am Morgeb und den ganzen Tag.
    "Solche Menschen" sind unter Dir und können Dein Bankberatet (wie ich), Dein Arzt, Dein Pilot auf dem nächten Flug, Dein Anwalt usw. sein.

    Vg Michael

    • Hi Michael,

      ja, da bin ich froh! Eine Neurologin hat mal zu mir gesagt: Dass sie nach 20 Jahren mit solchen psychischen Problemen kein ausgewachsenes Suchtproblem haben, ist ein kleines Wunder, zu dem ich ihnen gratuliere.
      Und klar, Alkoholismus betrifft nicht nur die Unterschicht, sondern ist überall verbreitet. Und meiner Meinung nach hauptsächlich, um Ängste zu kaschieren.
      LG
      Mischa

  7. Lieber Mischa,

    ich bin jetzt erst – durch Dein nochmaliges Teilen – auf diesen älteren Artikel von Dir gestoßen. Wie schon viele meiner Vorkommentatoren bin ich begeistert von Deiner offenen Schreibweise, auch bei unschönen Themen. Ich glaube, das gibt vielen, vielen Menschen Mut, die vielleicht jetzt gerade so eine Erkrankung durchmachen.

    Ich persönlich hatte das „Glück“, dass Alkohol in meiner schlimmsten Zeit meine seelischen Probleme sofort verschlimmert hat und nicht erst am nächsten Tag. 1 – 2 Bier ok, alles darüber hat ein paar Mal zu heftigen Heulattacken geführt. Deswegen trinke ich inzwischen insgesamt weniger Alkohol als früher(Ausnahmen bestätigen die Regel 😉 ) .

    Für Dich weiterhin alles Gute
    Suzanne

  8. Hi Suzanne,

    vielen Dank für deinen Kommentar und das Riesenlob. Bei diesem Artikel fiel mir bisher die Offenheit wirklich richtig schwer. Aber wie du richtigerweise schreibst: Vielleicht erreiche ich den ein oder anderen im richtigen Moment damit und dann hat sich das doppelt und dreifach gelohnt.

    Und gut für dich, dass du so eine natürliche Alkoholbremse hast 😉 Habe mir gerade deine Geschichte auf deinem Blog durchgelesen und da hättest du bestimmt mehr als einmal Lust gehabt, den ganzen Frust zu betäuben, oder?

    Ganz liebe Grüße

    Mischa

  9. Her mischt
    Super Bericht über Alkohol und Ängste. War bei mir genauso. Aus diesem Teufelskreis auszubrechen war nicht einfach. Und dann trotzdem wieder Alkohol genießen zu können, das ist die wahre Herausforderung.
    Das besteckst dieser Georg de Marbella, alle über einem Kamm scheren und dann aussteigen, wenn er Gegenwind bekommt. Lächerlich.
    Mach weiter so.

    • Hallo Horst,

      vielen Dank für deine Nachricht und deinen guten Zuspruch!

      Ja, das ist eine echte Herausforderung, aber letztlich brauchen wir ja Herausforderungen, um im Leben weiterzukommen.

      Dir alles Gute und viele Grüße

      Mischa

  10. Hallo Mischa,
    danke, dass du darüber schreibst. Mir ging es ähnlich: Alkohol war für mich ein soziales Schmiermittel, mit denen ich meine Ängste und meine Schüchternheit (vermeintlich) überwinden konnten. So kam ich einigermaßen in entspannte, schunklige Stimmung und konnte mich als Teil der Gemeinschaft fühlen. Was für eine Ironie, dass ich mich betäuben musste, um anderen nah zu sein, und ihnen genau deswegen doch nicht wirklich nah zu sein.
    Die Crux ist ja außerdem, solange ich an der Substanz festhalte, beraube ich mich der Möglichkeit, mich zu entwickeln und andere Strategien zu lernen.
    Ich bin heute froh, dass ich nicht mehr trinken muss. Dabei helfen mir auch Selbsthilfegruppen. Ich werde meine Nüchternheit nicht dadurch riskieren, dass ich gelegentlich doch wieder konsumiere und „über die Stränge schlage“, aber selbstverständlich muss da jeder seinen eigenen Weg finden. Es kommen auch viele Menschen vom problematischen Konsumverhalten weg, ohne das Hilfesystem in Anspruch zu nehmen. Vgl. http://www.springer.com/de/book/9783531148625
    Die Person mit dem Flachmann entspricht wohl dem gängigen Bild(!) vom klassischen bzw. typischen Alkoholiker. Ich halte das aber für ein verzerrtes Vorurteil, denn vermutlich trifft dieses Bild auf die Mehrheit der problematischen Trinker nicht zu. Das ist also ein sehr ungeeignetes Kriterium, um für sich herauszufinden, ob man ein Problem mit Alkohol hat.

    Wie auch immer, gute 24 Stunden,
    Steven

  11. Hi Steven,

    danke für deinen wertvollen Kommentar! Es freut mich, dass du einen Weg heraus aus dem Dilemma gefunden hast.

    Und natürlich ist das alles eine Definitionsfrage: Wo beginnt problematisches Konsumverhalten? Wo beginnt Alkoholismus? Ich habe halt die Flachmann-Typen live erlebt, aber natürlich auch Binge-Trinker am Wochenende, am Feierabend und was auch immer. Vielleicht habe ich mir auch etwas vorgemacht, was das eigene Verhalten angeht.

    Nur weiß ich heute, dass ich so einen starken Willen habe und dass ich den Alkohol nicht zum Leben und sozialen Überleben brauche. Vielleicht kommt auch mal der Tag, an dem ich auf Null zurückfahre. Bis dahin lass ich mir dann und wann ein Gläschen Rotwein zum Essen schmecken und habe weder ein schlechtes Gewissen noch einen entstehenden Suchtdruck.

    Liebe Grüße und alles Gute

    Mischa

  12. Hallo Mischa,

    vielen Dank für deinen sehr persönlichen Artikel. Wie ich den Kommentaren entnehmen kann, hast du damit vielen aus der Seele gesprochen.
    Selbst wenn man Alkohol nicht missbraucht – ein Wochenende ohne Feiern zeigt, wie viel Zeit man doch so nebenbei mit verkatertem Rumliegen vergeudet. Ob es das wert ist?

    Grüße
    Jonas, der sich jetzt mit einem Freund auf (hoffentlich nicht mehr als) zwei Bierchen trifft.

    • Hallo Jonas,

      gern geschehen!

      Ob es das wert ist? Nun, das muss letztlich jeder für sich entscheiden. Ich habe für mich festgestellt, dass es das nicht ist, weil ich beim Saufen dem Leben davonlaufe und es mich wegen des Katers am nächsten Tag davon abhält, ein Leben zu leben, wie ich es eigentlich gerne täte.

      Wie viele Bierchen sind es denn geworden bei euch? (Finde ja allein schon die Bezeichnung „Bierchen“ super. Wobei in Köln mag das noch zutreffen)

      Liebe Grüße
      Mischa

  13. Hallo Mischa. Ich sitze im Augenblick im Garten und habe nach Alkohol und Angst gegoogelt und bin auf deine Seite gestoßen. Super Artikel!
    Ich habe eine schwere Depression mit psychotischen Zügen, (Einbildung) und Borderline impulsiv. Ich bin 35 und saufe seit 20 Jahren. Die Ängste beschäftigen mich jeden Tag. Ich kann das eins zu eins wieder geben was du geschrieben hast. War auch 5 Wochen in der Klinik und habe kein Tropfen gesoffen . Habe auch keine Entzugserscheinungen gehabt. Gegen die Ängste gab es dann Pillen . Der Professor meinte auch ich sei kein klassischer Alkoholiker da bei mir jegliche Anzeichen des Entzuges fehlen. Nunja wollen wir ihm mal glauben. Zur Zeit nehme ich keine Tabletten weil ich mich meinen Diagnosen stellen will. Leicht ist es nicht hab eben wieder 5 Bier geholt und die Angst löst sich langsam. Solche Artikel helfen sehr dabei. Werde mich nun weiter auf dieser Seite umschauen. Danke für das Mut machen! Weiter so!

    • Lieber Oliver,

      danke für deine offenen Worte. Ich bin ehrlich ein wenig erschrocken, dass es für dich schon lange Zeit keine andere Lösung als das Saufen gibt. Hast du denn mal einen längeren Entzug versucht? Und wie gehst du das „meinen Diagnosen stellen“ an. Hast du dabei therapeutische oder anderweitige Unterstützung?

      Auf alle Fälle freut es mich sehr, dass ich dir Mut machen konnte und hoffe, du findest noch weitere Inspirationen für eine positive Lebensführung.

      Und wenn du noch Fragen hast, dann her damit.

      Alles Gute und viel Kraft auf deinem Weg
      Mischa

  14. Hallo Oliver, ich habe gerade dein Kommentar gelesen. Ja, Alkohol ist eines der wirksamsten, angstlösenden Mittel überhaupt. Es ist erschütternd, wie wenig Ahnung nach wie vor selbst medizinische Fachleute von Sucht haben. Körperliche Entzugserscheinung sind nur eines von vielen Anzeichen für eine Abhängigkeit. Sucht oder Alkoholismus ist eine chronische Krankheit, die sich schleichend entwickelt und weiter voranschreitet. Ich finde, man muss nicht warten, bis die Seuche soweit fortgeschritten ist, dass man selber auch zum „klassischen Fall“ geworden ist. Letztlich ist es aber auch nicht so relevant, was andere denken oder diagnostizieren, sondern was du selber denkst. Beeinträchtigt der Alkoholkonsum mein Leben? Trinke ich mehr als mir lieb ist? Kann ich kaum aufhören, wenn ich einmal angefangen habe? Schau vielleicht auch mal hier:
    https://www.anonyme-alkoholiker.de/content/03info/03wer.php

    Ich stand schlussendlich vor folgender Entscheidung: Meistens war ich unglücklich mit meinem Leben. Und ich ahnte, solange ich meine Probleme mit Alkohol zu lösen versuchte, konnte ich keine andere und gesündere Art des Umgangs für diese Probleme finden. In diesem Dilemma habe ich mich dafür entschieden, alte und unheilsame Bewältigungsstrategien abzulegen und neue, andere Wege der Lebensbewältigung zu lernen, die nicht auf Selbstzerstörung basieren.

    • Hi Oliver,

      danke für deine Hinweise und Tipps. Finde ich sehr wertvoll, dass du hier deine Erfahrungen und dein Wissen teilst.

      Liebe Grüße
      Mischa

  15. Der Alkohol hat mein Leben zerstört , ich habe mit den Alkohol trinken mit 14 angefangen erst nur am Wochenende und dann jeden Tag . Am Anfang konnte ich den bekannten Kater nach dem trinken mühelos aushalten ohne in Panik zu verfallen , jetzt ist es aber so das ich totale Panik bekomme wenn ich morgens aufwache herzrasen Schwindel und dann gleich zu einer flasche Rotwein greife um nicht vor lauter Panikatacken den Notarzt zu rufen. Ich habe ein echt grausames Leben , ich wohne in einer 28 qm Wohnung bin arbeitslos und habe kein führerschein und keine Ausbildung , stehe jeden Morgen verkatert mit Panik auf , ich kann ohne Alkohol mitlerweile die Wohnung nicht mehr verlassen , einmal habe ich es geschaft 14 Tage nicht zu trinken ich habe mich dabei sehr wohl gefühlt und dachte jetzt gehst du mal zum Friseur und lässt dir die Haare mal schön schneiden , danach suchst du dir Arbeit und das Leben kann beginnen , leider hatte ich beim Friseur eine heftige Panikatacke herzrasen schwitzen , die Haare wahren halb geschnitten als die Frau mich fragte ob alles ok sei mit mir habe ich den Kittel von meinen Körper gerissen bin zur Kasse gerant habe 20 euro auf der Theke gelegt und habe den laden verlassen im Glauben das ich gleich an Herzversagen sterbe , als sich meine Panik etwas gelegt hatte wahr das leider wieder ein Grund mit den Alkohol wieder anzufangen . Ich frage mich wie mein leben wohl heute aussehen würde, hätte ich mich nicht ständig betrunken , ich weis auch nicht wie mein Leben so weiter gehen kann , ich bin jetzt 30 und kann mir nicht vorstellen das mir ein klinikaufenthalt helfen könnte , die Panikatacken kommen ohne vorwahnung .

    • Hi Dennis,

      puuh, das ist eine harte Geschichte von dir, die du hier erzählst. Danke für deine Offenheit!

      Bist du denn in irgendeiner Therapie? Würdest du dir helfen lassen? Würdest du alles dafür tun, ein Leben ohne Alkohol und Panik zu führen? Oder was hält dich davon ab?

      Liebe Grüße
      Mischa

    • Hey, einen Klinikaufenthalt solltest du auf alle Fälle mal probieren.
      Du leidest ja unter Deiner Situation und möchtest nun selbst etwas ändern. Das ist toll!
      Und mit deinem Problem bist Du nicht allein. Es gibt unglaublich viele mit dem selben Thema. Aber wenn Du es ändern willst dann wirst du das schaffen. Scheu Dich nicht zum Doc zu gehen, der hört sowas täglich. Ein Arzt wird Dich beraten und Dir Stellen vermitteln. Ich denke in Deinem Fall ist eine stationäre Behandlung sehr sinnvoll, aber ich bin nur Laie.
      Nur Mut! 🙂

  16. Hi,

    Danke für die offenen Worte. Es ist „schön“ zu sehen, das es mitmenschen gibt, denen es genauso geht. Und auch offensichtlich einen Weg aus diesem Teufelskreislauf. Ich leide auch seit 2 Jahren an einer generalisierten Angststörung, Panikattacken und Depressionen. Es geht mir zunehmend schlechter. Haben die Medikamente im ersten Jahr noch erfolgreich gewirkt, habe ich jetzt das Gefühl nur noch zuzunehmen. Die Angst ist immer da. Seit einigen Wochen merke ich, das ich nur noch im leichten Rausch „abschalten“ kann. Ab Mittwoch beginnt endlich meine Therapie, in grosser Hoffnung das ich endlich wieder gesund werde. Ich weise gar nicht mehr, wie es sich anfühlt, glücklich in die Zukunft zu schauen oder Freude zu empfinden. Gerade in hinblick auf meine Kinder ist das ein wahrer Alptraum. Andauernd die Angst krank zu sein. Herzrasen, Schwindel usw. Solche Blogs manchen mir jedoch Mut, das es einen Ausweg aus diesem Tief gibt. Vg ps

    • Hi,
      danke für deine Offenheit und klasse, dass du dich dem Thema stellst. Es gibt wirklich aus jeder Situation einen Ausweg. Hör nicht auf, dir die positiven Tage vorzustellen, wenn es dir wieder besser gehen wird. Hol dir so viel Mut, wie du nur bekommen kannst und lass dich auf die Therapie ein, auch wenn das manchmal weh tut.
      Dir alles, alles Gute!
      Liebe Grüße
      Mischa

  17. Hallo, ich würde gerne Ihrer Seite folgen. Sie ist sehr informativ und auch realistisch. Bin leider auch persönlich betroffen – jedoch ohne Alkohol als Auslöser meiner Erkrankung. Kenne aber genügend Personen denen es genauso, oder noch viel schlimmer ergangen ist als Ihnen – mit dem Suchtmittel Alkohol. Ich persönlich halte Ihren Beitrag als sehr wertvoll und helfend!
    MfG. H.

    • Hallo H.,

      schön, dass du hierher gefunden hast! Du kannst dieser Seite ganz einfach folgen, indem du dich in den Newsletter einträgst. Oder du likest die Seite auf Facebook, dort erfährst du auch alles Neues und kriegst Infos, wenn neue Artikel online sind.

      Viel Freude beim Lesen und danke für das Lob
      Mischa

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