Schluss mit der Hetze – Tempomat für alle!

Schluss mit der Hetze

Wie viel Zeit hast du heute schon gewonnen? Blöde Frage, meinst du? Finde ich auch. Weil du Zeit weder gewinnen noch verlieren kannst. Weil alles nun mal genau die Zeit braucht, die es eben braucht.

Und doch hetzen wir durch die Tage, wie wenn wir durch jede hastig erledigte Handlung ein paar Minuten auf ein Konto einzahlen könnten. Fünf Minuten durch schnelles Laufen, zehn Minuten durch schnelles Autofahren, zwei Minuten durch das Wechseln der Supermarktkasse. Spitze: Sind schon wieder 17 Minuten auf dem Konto!

Das Problem dabei: Niemand wird dir jemals den Betrag auszahlen. Geschweige denn Zinsen darauf geben. Du nimmst dein prallgefülltes Sparkonto mit ins Grab. Unvererbbar.

Hilfe, ein Schlenderer!

Doch trotzdem rennen alle mit. Versuch einfach mal, bedächtig durch eine deutsche Fußgängerzone zu schlendern. Du bist ein Verkehrshindernis, vergleichbar mit jemandem, der sich in einer italienischen Ortschaft an die Geschwindigkeitsbeschränkung hält.

Der alltäglichen Hetze kannst du dich kaum entziehen. Das ist mir nach meiner Rückkehr von der Europatour schmerzlich bewusst geworden. Wenn du nicht aufpasst, wirst du sofort wieder vom Strom der Zeitoptimierer mitgerissen.

Ein paar Tage habe ich gebraucht, bis ich die Bremse gefunden habe. Bis mir klar geworden ist, dass das Schnell-schnell mir nicht gut tut und noch nie gut getan hat. Bis ich mir bewusst gesagt habe: „Ich will da nicht mehr mitmachen.“

Das Hochgeschwindigkeits-Leben macht uns krank

Warum? Weil ich es erschreckend finde, in all die abgehetzten Gesichter zu schauen. Weil unser Hochgeschwindigkeits-Leben uns von uns selbst entfernt und uns krank macht. Weil wir nicht deshalb rennen, weil wir müssen (außer der letzte Zug geht in einer Minute und du hast noch 100 Meter zurückzulegen), sondern weil es alle tun.

Im Getränkemarkt habe ich abends eine Frau beobachtet. Die Wartezeit an Kasse 1 wäre vielleicht drei Minuten gewesen. Dann hat Kasse 2 aufgemacht und sie ist hingerannt, hat hektisch ihren Geldbeutel gezückt und ist nach dem Bezahlen im Laufschritt zum Auto. Und ich habe mich gefragt: „Was hat sie jetzt davon? Dass sie zwei Minuten früher vor dem Fernseher ist?“

Wie wäre es mit einem Tempomat?

Wie wäre unser Leben, wenn wir alle einen Tempomat eingebaut hätten? Einer der uns hindert, unsere zulässige innere Höchstgeschwindigkeit zu überschreiten?

Würden wir uns dann vielleicht wie die Südeuropäer mehr Zeit für einen Plausch nehmen, wenn wir ein bekanntes Gesicht sehen, anstatt aus der Ferne „Hallo“ zu rufen und weiterzuhasten? Würden wir anfangen zu staunen über all die großen und kleinen Wunder des Lebens, die uns täglich begegnen? Würden wir vielleicht sogar öfter einmal lächeln, weil wir gelassener wären?

So oft habe ich in Reiseführern über andere Länder gelesen: „Das Leben spielt sich hier langsamer ab, als Sie es gewohnt sind.“ Viele Deutsche neigen aber dazu, das nicht einfach hinzunehmen, sondern sich vor Ort über die jeweiligen Sitten wahlweise lustigzumachen oder aufzuregen. Sie sind so gefangen in ihrem gehetzt-gestresst-zeitoptimierten Rhythmus, dass sie nicht einmal mehr merken, dass ihnen ein anderer Lebensstil besser täte.

Schnell und kurz ist buh

Für mich ist es tagtäglich eine große Aufgabe, mich nicht wieder von der großen Hetze anstecken zu lassen. Dabei hilft mir ein Trick: Ich habe die Worte „schnell“ und „kurz“ zu Buh-Wörtern erklärt.

Sie sind inzwischen so negativ bei mir verankert, dass ich sofort merke, wenn ich sie wieder benutze. Ich ertappe mich dabei, dass ich sage: „Ich hol mal schnell die Wäsche aus dem Keller“ und korrigiere mich: „Nicht schnell. Ich hole mal die Wäsche aus dem Keller.“

Viel zu oft passiert mir das, und noch viel öfter höre ich die Wörter bei anderen. Dabei wird mir schmerzlich bewusst, dass wir ein Volk von „schnell-und-kurz-Sagern“ sind. Bestimmt fallen dir auf Anhieb auch jede Menge Tätigkeiten ein, die du verbal immer mit diesen beiden Wörtern verknüpfst.

Kann man langsam aufs Klo gehen?

Was würde eigentlich passieren, wenn wir es mal genau anders herum machen würden? Mal sagen: „Ich gehe mal langsam aufs Klo.“ Oder: „Ich schaue mal bedächtig bei den Nachbarn vorbei.“ Oder: „Ich fahre mal in Ruhe zum Einkaufen.“

Ich habe es noch nicht ausprobiert. Aber einen Versuch wäre es wert. Und wenn das alles nichts hilft? Dann muss doch der Tempomat her. Aber schnell!

Welche Erfahrungen hast du mit der täglichen Hetze gemacht? Lässt du dich auch anstecken oder hast du ein gutes Gegenmittel? Oder empfindest du so ein Hochgeschwindigkeits-Leben gar nicht als störend? Ich freue mich auf deinen Kommentar.

Foto: © Depositphotos.com/yuran78

30 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Da sagst du wahre und wichtige Worte!
    So ging es mir in London auch und hab mich bewusst gebremst. Was es mir brachte? Lustiges Stündchen mit englischen Fußballfans im Pub!
    Werde jetzt mal mit dem Buch aufs Klo!
    Bye
    Robert

    • Das finde ich auch das bemerkenswerte am Bremsen: Du nimmst deine Mitmenschen plötzlich wahr und erlebst wie in deinem Fall Dinge, die dir sonst in der Hektik verwehrt bleiben.
      Viele Grüße
      Mischa

  2. Du hast ja so recht. Schnell bedeutet für mich Stress, ich bin nicht schnell, es setzt mich unter Druck, wenn ich alles fix machen muss. Oder jede Menge Aufgaben in einen Tag packe. Und es bekommt mir gesundheitlich nicht gut. Bevor ich Anfang Oktober aus Deutschland weggegangen bin, hatte ich in fast zweiwöchigem Abstand Migräneattacken, habe schlecht geschlafen und hatte ständig das Gefühl, meine to-do-Liste ist so lang, dass ich es nie schaffen werde, sie abzuarbeiten. Jetzt bin ich viel ruhiger, bisher keine Migräne, und ich schlafe wie ein Baby. Ich arbeite etwa 32 – 34 Stunden pro Woche und zwar bewusst auf alle 7 Tage verteilt, weil ich so jeden Tag genug Zeit für mich habe, und alles langsam angehen lassen kann.

    • Hi Nuria,

      da geht es mir ganz ähnlich. Das ist die wahre Kunst, sich immer wieder zur Ruhe zu rufen und sich auf die Dinge zu konzentrieren, die den zeitlichen Aufwand auch wert sind.
      Freut mich, dass du für dich so einen guten Rhythmus gefunden hast!
      LG
      Mischa

  3. Hallo Mischa,

    ich merke auch immer wieder, dass wir alles viel zu schnell machen wollen! Nur mit dem langsam aufs Klo hätte ich, glaube ich, morgens gegen 7 Uhr ein Problem! 😉 Da muss es schnell gehen, wenn ich nicht noch „schnell mal“ waschen will! 😉

    LG Corinna

  4. Wenn ich auf Klo gehe, dann wissen alle Beteiligten, dass es lange dauern wird… von daher muss ich das gar nicht dazu sagen. 😀

  5. Guten Morgen 🙂
    ich hätte gerne ein Bücherregal im Badezimmer 😀
    Bücher brauche ich nicht nur aufm Klo, sondern auch in der Badewanne.

    Die Hetzerei im Auto finde ich auch schlimm!
    Letztendlich geht es wirklich nur um ein paar Minuten. Selbst auf der Autobahn lohnt sich Raserei nicht.
    Total entspannend: Auto verkaufen! Hab ich vor ein paar Monaten gemacht und ist ganz wunderbar 🙂

    Viele Grüße
    Linda

    • Gibt’s das Bücherregal fürs Badezimmer noch nicht? Marktlücke entdeckt, sofort neues Business anmelden 🙂

      Und ich habe auch kein Auto mehr. Nur Dr. D, aber der ist ja mein zweites Zuhause und mein treuer Begleiter. Gilt also nicht als Auto, sondern als Familienmitglied 🙂

      Liebe Grüße
      Mischa

  6. Guten Abend Mischa.:) Du sprichst mir soo sehr aus dem Herzen! Bis vor etwa 1,5 Jahren, bis mein Körper mir sehr deutlich gesagt hat, dass ich auf ihn hören muss, war ich genauso. Immer nur Gas, Gas, Gas!:) Aber inzwischen habe ich lieber 2-3 Dinge weniger auf meiner Liste, aber dafür bringt mir das Erreichen der restlichen Dinge viel mehr Spass, ich bekomme viel mehr von meiner Umgebung (ich nehme mir Zeit für ein Lächeln und bekomme positive Energie zurück), ich bekomme viel mehr von meiner Umgebung mit und meinem Körper geht es auch viel besser!:) Es ist mir seit besagten etwa 1,5 Jahren unverständlich, wie sich die breite Masse selbst so kaputt macht. Verwirrt und manchesmal erschrocken hat es mich aber, als ich vor 7 Wochen aus Indonesien zurück kam. Ich kam mir vor wie ein Stein in einem Ameisenhaufen.:) Da wurde es mir richtig bewusst, wie sehr doch viele Deutsche sich selbst und ihre Mitmenschen unnötig stressen, nur um ein paar Minuten zu „gewinnen“. Aber was bringt es mir, wenn ich 5 Minuten früher mit einer geplanten Aktivität fertig bin und anschliessend 5 Minuten brauche, um erstmal „runter zu kommen“, weil ich mich selbst so abgehetzt habe. Klar, es gibt mehr im Leben als leben, aber was bringt es, wenn wir selbiges nicht geniessen? Wir haben nur das eine! Geht es in unserer Gesellschaft nur noch darum, was wir geschafft haben, wie weit wir auf unserer „To do-Liste“ voran kommen? Was bringen all die erreichten Ziele, wenn wir auf dem Weg dahin keinen Spass, keine Freude an dem Weg hatten? 🙂 Und was wirklich schmerzt ist, dass vielen von „uns“ bei dem Gehetze im Hamsterrad des Lebens die sogenannten „kleinen Dinge“ des Lebens abhanden kommen. Denn wie du oben schriebst, wir würden definitiv mehr Lächeln, wenn wir gelassener wären! Hahaha, wie du merkst, hast du bei mir n Nerv getroffen!:) Es hat mich wirklich beeindruckt, wie gelassen die Indonesier verschiedenste Situationen nehmen. Wenn zB der Bus ne halbe bis ganze Std Verspätung hat, dann ist das halt so:). Da ist nicht jede Minute verplant. Ja, auf uns Weisse kann manches wuselig und hektisch wirken, aber wie locker und entspannt alles angegangen wird, sollten wir als Beispiel nehmen! Ein ehemaliger Arbeitskollege sagte mal: „Wir sind alle Slaven unserer selbst!“, wie Recht er doch hat.:) Deshalb freut es mich, dass du Dir gesagt hast, dass du da nicht mehr mitmachst.:) Soll ja Spass bringen. Eigentlich wollte ich dir nur mal kurz n paar Sätze zu dem Thema schreiben und dann ist da n halber Roman drauß geworden.:) Spass beiseite, Mischa.:) Es ist ein sehr wichtiges Thema. Aber genug davon, ich wünsch dir ne schöne und entspannte Woche!!:) Ich schau jetzt ganz in Ruhe Fussball!:)

    • Hi Keoki,

      vielen Dank für deinen Roman! 🙂

      Da stehen ganz viele wichtige und gute Dinge drin. Vor allem der Vergleich mit dem Stein im Ameisenhaufen gefällt mir gut.

      Letztlich können wir nicht mehr machen, als öfter zu lächeln als die anderen und zu versuchen, mit unserer Gelassenheit andere anzustecken. Manchmal gelingt das ganz gut, manchmal erschrecken die Mitmenschen auch richtig, wenn du sie freundlich anlächelst, während der Rest mit verbitterter Miene an ihnen vorbeirauscht 🙂

      Liebe Grüße

      Mischa

      • Hi.:) Was du übers Lächeln geschrieben hast, erlebe ich jeden Tag wieder.:) Und ehrlich gesagt amüsiert es mich immer wieder und steigert nur meine gute Laune, wenn jemand verärgert auf mein Lächeln reagiert. Manche Menschen wirken auf mich so, als wenn sie sich angegriffen fühlen und nicht richtig damit umgehen können, wenn jemand grundlos freundlich zu ihnen ist und ja, einige erschrecken sich sogar!:) Eigentlich traurig, aber Ansporn genug für mich, es weiter zu probieren.:):):)

        • Das ist wirklich so: Die erschrecken, weil das so ungewohnt ist und sie sich so ein Verhalten nicht erklären können. Denn schließlich ist die Welt doch schlecht, alle anderen sind gefährlich, und sie sind die ewigen Opfer …

          Also lächeln wir einfach weiter 🙂

  7. Hallo Mischa,
    heute habe ich mal etwas Zeit auf deinen Artikel zu antworten.
    Ich stimme deinem Artikel zu. Am meisten gehetzt ist man allerdings, wenn man fremdgesteuert ist und nicht unabhängig. Seit meinem Austritt aus dem aktiven Berufsleben lasse ich es deutlich langsamer angehen. Allerdings nehme ich Fahrt auf, wenn es ums Geld verdienen geht bzw. wenn sich gute Deals anbahnen. Dazwischen versuche ich wirklich von der Hetze runterzukommen und mich nicht von anderen in ihren Rythmus einzuspannen.

    Dazu gehört es den Kalender entsprechend zu planen und sich von anderen nicht einspannen zu lassen. Dazu muss man allerdings sich selbst kontrollieren und immer wieder zwingen für sich zu entscheiden. Wenn jemand zum Beispiel einen Termin vereinbart am Tag X um Y Uhr. Dann schaue ich erstmal ob mir das überhaupt passt. Also terminlich mit den anderen Dingen drumherum. Damit meine ich nicht, ob der neue Temrin noch zeitlich Platz hätte zwischen all den anderen Dingen, sondern ob es sinnvoll ist den Termin dort warzunehmen. Wenn nicht biete ich einen Termin an mit dem ich zufrieden bin, der dann meist auch akzeptiert wird.

    Womit ich lange Probleme hatte, waren die Supermarktkassen, speziell bei den Discountern. Ich merkte immer sofort, wie die Kassiererinnen versuchten absichtlich und oft auch unnötig einem die Ware so schnell abzukassieren, dass man nicht mehr mit dem einpacken hinterher kam, selbst wenn es keine Warteschlange gab. Oft schiebt man dann die Ware mit dem Arm lieblos in den Wagen. Wie soll das auch sonst gehen bei 40 Artikeln und einer Abstellfläche die so groß ist wie mein Notebook. Selbst Einpackstationen hinter den Kassen gibt es nicht. Offensichtlich soll man mit dem losen Zeug zum Auto gehen und dort gemütlich bei Wind und Wetter seine Taschen packen.

    Irgendwann habe ich mich dann gefragt warum ich mich diesem Druck überhaupt aussetze. Einfach in ein anderes Geschäft gehen wollte ich aber auch nicht, denn ich entscheide doch was ich essen will. Also habe ich mir eine Slow-Strategie auferlegt und warte nun schon förmlich darauf – wer diesmal das Rennen um das Kassenband gewinnt.

    Beim bestücken des Kassenbandes baue ich bewußt Bremsen ein, damit die Kassierin stoppen muss. Wenn die Kassierin Türmchen baut und genervt schaut, dann beachte ich das gar nicht und packe ganz normal weiter ein. Sie ist dann gezwungen zu warten, wo soll sie auch hin mit der gescannten Ware? Auf dumme Kommentare bekommt sie von mir nur ein: Na wer hat denn die Einpackfläche so klein gebaut, sie oder ich?

    auf das Kassenband lege ich zuerst große, einfach Dinge die schnell im Wagen verschwinden können. Da merkt die Kassierin, dass sie und ich gleich schnell sind. Das spornt sie an und sie versucht nun noch schneller zu sein und die fertig gescannte Ware zu stapeln. Da kommt dann die erste einzelne Banane vorbei. Die muss erst mal gewogen werden. Dann wieder zwei, drei Artikel um ihr Hoffnung zu geben. Nach der Hälfte meines Einkaufs kommt ein Haufen aus Obst und Gemüse ohne Tüten. Meist kommt dann zu 98% die Frage warum ich keine Tüten benutze. Je nach Kassierin sage ich dann es waren keine da oder dass ich an die Umwelt denke oder das Obst hat bereits eine natürliche Verpackung oder das würde mir sonst beim kassieren zu schnell gehen. Naja alle vier Antworten bringen nur mich zum schmunzeln, meist auch meine Kassennachbarn. Während das Obst und Gemüse nach und nach abgewogen wird ist der Notebook-Abstellplatz schon gut in meine Taschen und Tüten geräumt.

    Das letzte Drittel vom Kassenband ist dann nur noch Kleinzeug was in die Taschen geworfen werden kann. Aber ich hetze nicht, keine Angst. Ich hab ja Zeit und mach das in einem normalen Tempo ohne absichtlich langsam zu sein. Die Kassierin ist dann schon am stapeln und ruft nach dem letzten Piep schon den Preis. Ich räum nun weiter ein und hol dann meinen Geldbeutel aus der Tasche. Erst suche ich nach Geld um dann zu merken, dass ich doch lieber mit EC-Karte zahlen will. Dann räume ich weiter ein. Auf die Info mit der Pin-Nummer kann ich erst noch zwei, drei Artikel einpacken – das schaff ich gut. Dann die Pin und fertig einpacken. Dann die Karte nehmen und mit einem lächeln noch einen ruhigen Tag wünschen. 🙂

    In diesem Sinne wünsche ich allen eine schöne Mittagspause.

    Gruß
    Alex

    • Hi Alex,

      danke für deinen Kommentar und diese herrliche Geschichte! Damit hast du meine Mittagspause versüßt und mich zum Lachen gebracht. Ich würde mir das Spektakel im Discounter ja zu gerne mal live ansehen. Das hat ja echt Kultcharakter 🙂

      In Bezug auf die fremdbestimmte Hetze stimme ich dir 1:1 zu. Finde ich klasse, dass du auch bei den Terminen so konsequent an dich denkst. War das auch ein gewisser Prozess, bis du so weit warst, oder hast du das gleich zu Beginn deiner Selbstständigkeit so gemacht?

      Liebe Grüße

      Mischa

  8. Auch heute wieder Slow-Time zur Mittagszeit.
    Du, jeder muss selbst seinen Stresspegel regulieren und wird über kurz oder lang seine eigenen Rituale schaffen müssen. Diese konsequent umzusetzen ist das eigentlich schwierige an der Sache. Denn wollen und machen sind zwei unterschiedliche Wörter.

    Das mit den Terminen kam eher aus dem privaten Bereich. Wir wurden eingeladen oder es war etwas geplant mit Freunden und wir haben dann immer gesagt: Wir sind dabei! Ohne zu hinterfragen ob es Sinn macht oder man vielleicht etwas anders machen sollte als geplant war.

    Dann als es soweit war hat es aber oft aus Zeitgründen nicht gepasst oder die Organisation war (wieder mal) unter aller Schweinchen. Darüber haben wir uns immer massiv aufgeregt. Im nachhinein. Und das wollten wir nicht mehr, also entscheiden wir und beeinflussen damit auch die Entscheidungen anderer zu unseren Gunsten und zu ihrem besten.

    Hört sich jetzt vielleicht schlimmer an als es ist, aber in gewissen Situationen weiß man was und wie etwas ablaufen wird und ärgert sich im Grunde schon bevor es stattfindet. Da versuchen wur halt gegenzusteuern.

    Beispiele gibts da zur genüge:
    Es gibt Freunde die immer nur daheim sitzen wollen und immer das gleiche nicht schmeckende Essen anbieten. Da versuchen wir einfach die Zeit auf Kaffe+Kuchen Zeit zu legen und bleiben dann auch nur 1,5h.

    Andere wollen immer den gleichen „Ausflug“ zu ihrem See, Wald usw. machen. Da blocken wir auch ab und bieten ein Treffen bei XYZ an. Da halt wo wir gern sein wollen. Meist sind die dann selbst total begeistert, weil sie da noch nie waren. Wie auch …

    Andere wiederum wollen uns besuchen und sind dann zum Brunch um 9:00 nicht da. Gegen 10:30 trudeln die dann ein. Brunch macht dann kaum noch Sinn, also muss ich anfangen Mittag vorzubereiten, was ja ursprünglich nicht geplant war, mit dem was da ist. Das alles mit einem kleinen Kind, was seinen Rythmus, Mahlzeiten und Schlafzeiten braucht wird nicht funktionieren. Also laden wir diese Leute gleich erst zum Abendessen ein.

    Bei vielen ist das im Grunde kein Problem. Die leben in den Tag hinein und planen wenig. Da ist denen dann auch egal, wenn ein Termin den sie angedacht hatten etwas anders gestaltet wird.

    Beruflich kommt das Thema häufig bei Emailanfragen vor. Da gibts Leute die ewig hin und her mailen wg. ein paar Euro oder weil sie alle Möglichkeiten die es gibt wissen wollen. Nach 3 Mails hab ich dann schon keine Lust mehr und biete an, dass der Kunde mir genau sagen soll, wie er zusammenarbeiten will und ich sage ihm dann ob und für wie viel das möglich ist. Anfangs wollte ich damit Neukunden loswerden die nur Zeit kosten und kein Geld bringen. Heute sind das mit die schnellsten Vereinbarungen die ich treffe. Man muss halt nett bleiben und niemanden verärgern und einfach darauf hinweisen was logisch ist. Nämlich, dass ich mit Emails schreiben kein Geld verdiene.

    Naja und viele kleine Dinge organisieren einem dann den Tag angenehmer.

    An Guadn
    Gruß
    Alex

  9. Was mir noch einfällt.
    Jemand aus meiner Familie ist immer tierisch gestresst, wenn sie auf ihrem Telefon einen Anruf in Abwesenheit mit unbekannter oder auch ohne Rufnummer sieht. Dann macht sie sich tierische Gedanken, wer das gewesen sein könnte und was der wollte und ob der nochmal anrufen wird. Du, da vergehen etliche Minuten die du als gerade Anwesender über dich ergehen lassen musst.
    Ich sag dann immer nur, ruf einfach an wenns dich interessiert oder gehe davon aus, dass derjenige dich sowieso nochmal anruft, wenn es wichtig war.
    Diese einfache und stressfreie Logik versteht sie aber einfach nicht.
    Man muss halt schaun, was man wie weit an sich ranlässt.

    • Das sind super Themen, die du ansprichst! Kenne ich alle zur Genüge.

      Und richtig gut, wie ihr euch zu Tätern und Gestaltern gemacht habt, statt Missstände zu beklagen. Das können nur wenige.

      Die Nummer mit dem Telefon ist auch zu gut. Schon hundertmal irgendwo genau so erlebt. Früher (also im ganz analogen Zeitalter) warst du einfach nicht daheim und der andere musste es noch mal probieren. Und heute machen sich die Leute solche Gedanken drum.

      Liebe Grüße und ich freue mich auf weitere Geschichten von dir

      Mischa

  10. Jaaa! Die Sache mit den Buh-Wörtern gefällt mir. Vielleicht sollte ich das auch mal einführen 🙂

    Wenn man ganz und gar in dieser schnell-schnell-Manier erzogen wurde, ist es gar nicht so einfach, wieder in eine langsamere Gangart zu verfallen. Ich handle oft aus Unbewusstheit doch hektisch, obwohl ich eigentlich daran arbeite, es nicht zu tun.

    Meine kleinen Übungsfelder: Sich nicht am panischen Gerenne auf die neu geöffnete Supermarkt-Kasse beteiligen, ein wartendes Auto vorlassen etc…

    Ich habe es mir angewöhnt, kurz innezuhalten und mich für fünf Sekunden auf meine Atmung zu konzentrieren, wenn die Hetze mich zu überwältigen droht. Das hilft eigentlich immer sehr gut 🙂

    Liebe Grüße,
    Marie

    • Hi Marie,

      vielen Dank für deinen Kommentar!

      So geht es mir auch immer wieder. An dem einen Tag bin ich ruhig, am nächsten beobachte ich mich, wie ich beginne zu rennen und versuche mich dann wieder einzubremsen.

      Straßenverkehr und Supermärkte sind wirklich die besten Übungsfelder 🙂

      Ich habe manchmal in der Warteschlange schon so tief geatmet, dass mich die Verkäuferin aus der „Trance“ holen musste, wenn ich dran war…

      Liebe Grüße

      Mischa

  11. Ich liebe schlendern. In der Stadt nehme ich mir, wenn es geht, so viel zeit um von A nach B zu kommen, dass ich bei keiner roten Ampel nervös werden muss und sogar liebend gerne warte und das Umfeld beobachte. An der Kasse lasse ich regelmäßig Leute mit weniger Einkäufen vor. Das bringt einem ein gutes Gefühl und man tut anderen einen guten Gefallen. Und wenn es mal stressig wird, freue ich mich auf den nächsten Wandertag, ohne zeitliche Einschränkungen und voll Konzentration auf die ruhige Natur. 🙂

  12. Pingback: BLOG-reich Nr. 3 - bewusst glücklich

  13. Hallo Mischa,
    auch mir gefällt dein Thema wieder sehr gut! Entschleunigung ist auch für mich immer wieder Thema…mal klappt es gut, mal weniger gut.
    Früher war ich auch viel hektischer, mein Ex-Mann ebenso… Er hat sich noch viel schwerer getan als ich…konnte selbst im Urlaub ganz schwer relaxen… wollte den Tag „sinnvoll“ füllen in Form von Wanderungen oder Besichtigungen usw… Ausflüge mit 3 kleinen Kindern waren oft Stress für mich, weil er vor uns herrannte, um viel zu sehen und Strecke zurück zu legen…
    Mein jetztiger Mann ist diesbezüglich das Gegenteil. Er konnte im größten Chaos still am Sofa sitzen und sich gedanklich abgrenzen – mich hat das manchmal noch hektischer gemacht… 🙂
    Irgendwann las ich immer mehr Bücher zum Thema… Ich lernte, dass ich genauso spät zur Arbeit komme, wenn ich mich nicht noch zusätzlich aufrege, weil ich im Stau stehe. Ich gewöhnte mir an, den Kalender weniger voll zu packen. Ich habe es schon immer gehasst, wenn ich mich mit Leuten getroffen habe, die vorher und nachher Termine hatten und mich spüren ließen, dass ich da „eben mal noch“ dazwischen gepackt worden bin. Wenn ich mich mit Freunden treffe, die ich lange nicht mehr gesehen habe, dann nehme ich mir genügend Zeit dafür.
    Und ich empfinde es als Luxus, dass ich Zeit habe, mich mit Leuten zu treffen. Manchmal hatte ich das Gefühl, ich müsste mich dafür schämen…ich hätte dann in den Augen der Erfolgsmenschen „zu wenig zu tun“… – aber inzwischen ist es mir egal, denn ich glaube nicht, dass es ein Erfolg ist, wenn ich keine Zeit mehr habe, mich entspannt mit Freunden zu treffen…

    In diesem Sinne: ein Hoch auf die Entschleunigung!
    Anschi

  14. Hallo Mischa,

    nun, ich gehe zwar gerne „flott“, aber eher wegen des Rhythmus der Musik aus meinem MP3-Player. 🙂 Ich nehme mir morgens ausgiebig Zeit zum Frühstücken, indem ich lieber etwas früher aufstehe, so dass mindestens eine Stunde Zeit nur für’s Frühstücken ist. Wundervoller Start in den Tag, so gemächlich!
    Die Hetze der Leute fällt mir insbesondere in Supermärkten und das finde ich echt manchmal erschreckend: Da hilft die Kassiererin der alten Dame,die gerade bezahlt, mit ihrem Geld und der Herr in der Schlange hinter mir fängt doch tatsächlich genervt an mit den Augen zu rollen und aufzuseufzen und hypernervös auf dem Kassenband herum zu tippeln, als würde von diesen 50 Sekunden Zeitverlust sein Leben abhängen. Manchmal bin ich ja schon kurz davor, etwas zu sagen, denn ich glaube, die meisten sind so in diesem Hetzrad gefangen, dass ihnen ihr Verhalten gar nicht mehr bewusst ist. Und da wundert man sich über zunehmende Verspannungen, Bluthochdruck, Depressionen, etc..? Ist doch nur logisch! Ja, also gerade in der Stadt fällt mir diese Unentspanntheit der Leute unheimlich auf – in allem was sie tun. Ein wunderbares Entschleunigungs-Ritual, das ich übrigens gerne und regelmäßig „praktiziere“, ist es, für mindestens eine Stunde am Tag, oder einen festen Tag in der Woche, oder für eine bestimmte Tätigkeit (z.B. Spaziergang, Einkaufen) ganz bewusst die Uhr und das Handy Zuhause zu lassen. 🙂
    Danke für deine inspirierenden Blogartikel!

    Herzlichst
    Insa

    • Liebe Insa,

      ich mag deine Entspanntheit 🙂 Entschleunigungs-Rituale sind großartig und so wohltuend.

      Wünsche dir weiter viel Freude dabei und schicke ein herzliche Om 🙂

      Mischa

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