Schluss mit der Selbstoptimierung! Jetzt wird gelebt

Schluss mit der Selbstoptimierung

Was ich nachts um 4 Uhr so mache? Normalerweise schlafen. Manchmal auch aufstehen, um einen super günstigen Zug zu erwischen, der mich zu Freunden im Norden, Osten oder Westen der Republik bringt. Und jetzt gerade schreiben.

Warum? Weil mich eine Frage nicht mehr schlafen ließ (in Umrissen spukte sie schon länger in meinem Kopf rum, jetzt wurden die Gedanken richtig konkret):

Wie viel Selbstoptimierung tut noch gut? Was hat meine wahre Größe, zu der mich alle führen wollen, mit meinem finanziellen Erfolg zu tun? Und sind in diesem Punkt die meisten Coaches, (Persönlichkeitsentwicklungs-)Experten und andere Heilsbringer wirklich ehrlich?

Darf ich dir meine Sicht der Dinge vorstellen?

„Du bist gut genug!“ „Werde besser!“ – Ja watt denn nu?

Ich lese und höre überall: „Finde zu deiner wahren Größe! Kümmere dich endlich um deine Leidenschaften! Erschaffe die beste Version von dir! Da geht noch was! Schaff dir das Leben deiner Träume! Verwirkliche dir all deine materiellen Wünsche!“

Und von denselben Menschen kommt die Botschaft: „Du bist gut, wie du bist! Lebe im Hier und Jetzt! Entscheide dich für das spontane Glück! Genieße den Moment! Du hast alles, was du brauchst! Nichts ist falsch an dir! Du bist wunderbar!“

Häh??? Ist das nicht ein wenig schizophren?

Gilt die Wenn-Dann-Falle nur auf einer Seite?

Wir sollen einerseits auf keinen Fall in die Wenn-Dann-Falle tappen: „Wenn ich erst 10.000 Euro im Monat verdiene, führe ich ein sorgloses Leben. Wenn ich meine Traumfrau gefunden habe … Wenn ich dieses Auto/Haus/Schiff/Flugzeug/Marsmobil gekauft habe … Wenn ich endlich Urlaub habe … Wenn ich endlich diese Furunkeln am Hintern los bin …“

Gleichzeitig schallt es – mehr oder weniger subtil – aus allen Ecken: „Wenn du nicht mein Seminar besuchst, dann wirst du nie deine wahre Größe erfahren. Wenn du nicht meinen Kurs kaufst, wirst du nie den finanziell erstrebten Erfolg haben. Erst wenn du der Welt alles gegeben hast, was du kannst, wirst du so richtig reich werden und kannst in Saus und Braus leben.“

Das Wenn-Dann ist also einerseits ein absolutes No-Go für mich als Ratsuchenden, andererseits das zentrale Verkaufsargument der Ratgeber. Da stimmt doch was nicht.

Was ist da los beim Spiel mit unseren Sehnsüchten, unserem Wunsch nach dem besseren Ich, nach mehr Erfolg, Reichtum, Weisheit, spiritueller Klarheit, Gesundheit, Fitness, sexy Aussehen, nach dem Ausgesorgt-haben und sich Um-nichts-mehr-kümmern-müssen?

Die Botschaft dahinter: „Klar bist du gut genug. Es bringt nichts, sich mit anderen zu vergleichen. Aber sei doch mal ehrlich: Reicht das? Leuchten die anderen Kerzen auf dem Kronleuchter nicht viel heller? Willst du dich wirklich nicht noch ein bisschen anstrengen, um etwas mehr zu strahlen? Wann zeigst du der Welt endlich deine wahre Größe?“

Wäre es vom Coach nicht ehrlicher zu sagen: „Ich kann meine wahre Größe nur deshalb entfalten, weil du mir glaubst, dass du an deiner noch arbeiten musst.“?

Großartige Impulse und a Geschmäckle

Nicht falsch verstehen: Ich finde Coachings, Seminare und Kurse – gerade im Bereich Persönlichkeitsentwicklung – super spannend und wichtig (genau genommen bin ich ja selbst im weitesten Sinn in diesem „Business“). Ich habe dafür schon einiges an Geld hingelegt und werde auch weiterhin immer mal wieder etwas ausprobieren. Mein Lohn waren großartige Impulse, die mein Leben bereichern und die Freundschaft mit wunderbaren Menschen, die ich sonst wahrscheinlich nicht kennengelernt hätte.

Und doch bleibt da so ein Gschmäckle. Führt dauerhafte Selbstoptimierung nicht zu mehr Zweifeln? Zu einer andauernden Unruhe? Diesem Gefühl, immer und immer wieder nachlegen zu müssen. Noch ein Ziel, noch ein Haken dahinter, noch ein Erfolg, yeah, yeah, yeah.

Dabei werden die potenziellen Gewinner ganz schnell zu Verlierern gemacht. Wenn sie nämlich nicht hinbekommen, was ihnen ihr Coach/Motivationstrainer/Berater/Guru als unumstößliches Erfolgsrezept verkauft hat. Sie sind die Versager. Denn die Regeln waren doch klar. Und der Coach hat’s doch vorgemacht, dass es geht. Wo ist also dein Problem?

Ja, er hat es vorgemacht. Aber in SEINEM Leben (und du siehst und hörst eh nur die Strahleseite). Doch du führst DEIN Leben. Finde den Fehler!

Was nicht zu dir passt, ist bedeutungslos

So gut wie jeder Ansatz auch sein mag (und da sind verdammt viele Ansätze auf dem Markt, die sich lustigerweise oft noch zu 100 Prozent widersprechen): Wenn er nicht zu dir, deinem Leben oder deiner Situation passt, ist er bedeutungslos. Wenn du nicht spürst, dass da was Gutes für dich dabei ist, dann mach nicht verzweifelt Dinge nach, die dich keinen Millimeter weiterbringen.

Sonst wird dein Ziel, innerlich zu wachsen, selbstbewusster, erfolgreicher und was auch immer zu werden, konterkariert, weil du dich ständig dafür geißelst, dass du es nicht hinbekommst. Du bist also unglücklicher als vorher.

Und damit der Traumkunde schlechthin. Ab jetzt wirst du von Seminar zu Seminar, von Kurs zu Kurs hopsen, um zu beweisen, dass du doch lernfähig bist. Das viele Geld dafür gibst du gerne aus, schließlich hast du gelernt, dass Geld fließen muss. Und am Ende fragst du dich: „Ging es mir vor ein paar Jahren besser, weil ich da noch wusste, wer ich bin, während ich jetzt nur noch weiß, wer ich sein soll?“

Nochmal zum Geld: Aus meiner Sicht wird fast immer das Erreichen der wahren Größe und das Ausleben seines Potenzials mit finanziellem Erfolg und materiellem Reichtum gleichgestellt. Ich habe auch nichts gegen finanziellen Erfolg und materiellen Reichtum – ganz im Gegenteil (gegen die Auswüchse unserer Konsum- und maßlosen Verschwendungsgesellschaft allerdings schon). Wie ein kleines Kind freue ich mich über jedes verkaufte Exemplar unseres Buches (hier endet die Werbepause dieses Artikels).

Wie ich wahre Größe definiere

Und gleichzeitig sehe ich bei mir und anderen Menschen: Geld ist ein wichtiges, aber gar nicht das entscheidende Thema. In verschiedenen Gesprächen habe ich herausgefunden: Viele wollen einfach ein zufriedenes Leben führen, sich um Dinge kümmern, die ihnen wichtig sind – also einigermaßen sinnvolle Arbeit machen – und nicht jeden Tag darüber nachdenken müssen, ob das Geld reicht. That’s it.

Doch dann säuseln die alt bekannten Stimmen: „Optimiere noch hier, tue noch dort, für ein geiles Leben darfst du schon noch ein paar Schippen drauflegen.“ Und irgendwas in uns wird sofort wieder getriggert. Früher haben uns Eltern, Lehrer und Chefs darauf getrimmt, Leistung zu erbringen, damit wir was wert sind. An dieses Mangelbewusstsein knüpfen viele der Coaches nahtlos an, die uns sonst gerne erzählen: „Du bist gut genug.“

Dabei sehe ich so viele Menschen in meinem Umfeld, die unglaubliche Größe zeigen. Sie machen Dinge, die in keinem Online-Kurs und sündteurem Seminar gelehrt werden. Sehr menschliche, sehr mutige Dinge. Ohne zu fragen, was finanziell für sie herausspringt.

Da ist Niclas, der seit über einem halben Jahr seine Mutter pflegt. 24/7. Mit nur wenigen Pausen.

Da ist meine gute Freundin Nima, die zusammen mit ihrem Partner Steve 36 Stunden um das Leben einer vergifteten griechischen Straßenhündin kämpft. Mit Erfolg. Jetzt fliegt sie Feli sogar zu ihren neuen Besitzern nach Deutschland.

Da ist unsere Nachbarin, die ihren Sohn gegen verdammt viele Widerstände aus der Schule nimmt. Weil er einfach nicht hineinpassen will in das starre Bildungssystem, das am Ende brave Arbeitssklaven anstatt mündiger Bürger herausbringt. Die ihn schützt, bevor Lehrer und Ärzte sanft darauf aufmerksam machen, dass für den überaus lebendigen Jungen jetzt mal ne Ladung Ritalin fällig wäre, damit er nicht mehr auffällt.

Ein Stromsparmodell namens Mischa

Sind sie alle gut genug? Ja. (Mal abgesehen davon, dass wir alle gut genug sind, uns das leider nur zu selten eingestehen). Müssen sie sich alle optimieren? Nein. Vielleicht wollen sie mal etwas dazulernen, vielleicht auch nicht.

Durch das intensive Beschäftigen mit dem Thema in letzter Zeit spüre auch ich ganz intensiv, dass ich tatsächlich gut genug bin. Ich leide nicht gerade unter mangelndem Selbstbewusstsein. Doch so ganz tief drinnen habe ich es noch nie in dem Ausmaß gefühlt wie derzeit.

Gewisse Werde-groß-Botschaften erreichen mich nicht mehr oder ich zucke kurz und denke mir dann: Wachse doch erstmal selbst so richtig, bevor du mich wachsen lassen willst.

Mein neues Motto lautet: Schluss mit der Selbstoptimierung, jetzt wird gelebt!

Nach Weihnachten habe ich erstmal zwei große Pakete mit Selbsthilfebüchern verkauft. Ein Seminar, für das ich mich angemeldet hatte, habe ich storniert. Jetzt ist einfach mal anderes dran, bevor ich in der Selbstoptimierungsfalle stecken bleibe und mich nur noch um mich selbst drehe.

Wenn in genau so einer Phase eine liebe Freundin anruft und sagt: „Wenn du bei uns bist, brauchen wir keinen Strom, weil du so leuchtest und strahlst“, dann weiß ich: Meine wahre Größe können auch andere spüren. Hört sich jetzt romantisch-dramatisch an, doch ist es so: Solche Momente fluten mich mit so viel Wärme, Liebe, Energie und Dankbarkeit. Könnte man sie kaufen, würde ich jeden Cent meines Kontos dafür eintauschen.

Will ich wirklich ein High-Potential-Leben?

Apropos Geld. Ich erinnere mich gerne an das Gefühl großer Zufriedenheit, das ich als Student hatte. Und ich war lange Student, also hatte ich viel Zeit für Zufriedenheit. Ich war zugegebenermaßen nicht besonders oft an der Uni, habe dafür ständig etwas mit Freunden unternommen und immer dann Geld verdient, wenn es nötig war. Es gab viele coole (Camping-)Urlaube. Mir hat nichts gefehlt. Eine richtig gute Zeit.

Gibt es vielleicht einfach verschiedene Typen, was den Ehrgeiz für das super durchoptimierte Leben und die damit verbundene Einkommenshöhe angeht? Kann es sein, dass die High Potentials nach ihren 73 Ausbildungen und High-Potential-Seminaren mir ihr Leben verkaufen wollen, das ich gar nicht will? Sondern nur zwischenzeitlich geglaubt habe, es zu wollen, weil sie es im Marketing einfach drauf haben?

Denn wer ist jetzt besser? Der super-lässige und stets nur um mein Wohl besorgte Coach und Persönlichkeits-Blogger, der mich am Verkaufstag seines neuen, lebensverändernden Kurses mit 7 E-Mails zuschüttet? Der mir klar macht, dass ich DIE Chance verpasse, endlich das Beste aus mir herauszuholen, wenn ich NICHT JETZT SOFORT buche? Oder der verhasste Konzern aus der Old Economy, der mir mit geschickter Manipulation Produkte andrehen will, nach denen ich nie gefragt habe und die die Welt nicht braucht?

Und wenn ich dann höre, dass gewisse super reiche Super-Speaker 270 Tage im Jahr für Seminare und Vorträge auf Achse sind, denke ich mir: Ne du, da weiß ich mit meiner Zeit Besseres anzufangen.

Welchen Preis zahlen wir für mehr Geld?

Letztlich ist alles eine Frage des Preises. Ich zum Beispiel weiß, welche Möglichkeiten mir offenstünden, wenn ich jetzt noch mal ein, zwei Jahre so richtig durchpowern würde.

Doch weiß ich zum einen, wie gut es mir tut, wenn ich auch nur zwei Wochen ununterbrochen so richtig ranklotze und nicht mehr vom Rechner wegkomme. Nämlich gar nicht gut. Und zum anderen sehe ich bei vielen, dass es mit den ein, zwei Jahren und den neu geschaffenen finanziellen Möglichkeiten nicht getan ist.

Denn plötzlich sind sie angefixt, wollen wissen, was da noch alles geht. Nur heißt es jetzt nicht mehr Hamsterrad, sondern Selbstverwirklichung. Die Auswirkungen auf freie Zeit und die Gesundheit bleiben dieselben.

Zu dem Thema habe ich drei spannende Ansätze gelesen.

#1: Lieber Fahrrad fahren und weniger arbeiten

Da ist Pascal Wegner. Er nimmt eine besondere Stellung ein, denn er hat mit 30 Jahren schon ausgesorgt und muss in seinem Leben nicht mehr arbeiten. Ich finde es trotzdem – oder gerade deswegen – sehr wichtig, was er in seinem Arikel 3 Jahre auf Weltreise – wie ich mein altes Leben aufgab schreibt. Nämlich:

„… Ich habe schon immer gewusst, wie wertvoll mein Leben ist. Deswegen habe ich auch nach meinem 20. Lebensjahr nie mehr 40 Stunden / Woche gearbeitet und erst recht niemals etwas, was mir keine Freude bereitet. Weil es für mich einfach keinen Sinn ergibt … Während ich früher gesagt habe: „Wenn all mein Geld weg ist, dann arbeite ich lieber 30 Stunden / Woche und fahre einen BMW, als dass ich 60 Stunden / Woche arbeite und einen Porsche fahre“, sage ich heute: „Lieber arbeite ich 20 Stunden / Woche und fahre ein altes Fahrrad als 30 Stunden / Woche um ein Auto zu fahren.“ …“

#2: Nur arbeiten, weil man keine bessere Idee hat?

Immer wieder spannend finde ich auch die Geschichte von Florian und seiner Partnerin Michela. Auf dem Blog Flocutus schreiben sie im Artikel Wenn Backpacker im Campervan durch Europa fahren über ihre Lebenseinstellung:

„Nietzsche schrieb, dass wir Gott getötet haben und ihn in toten, leeren Kirchen begraben haben. Er meinte außerdem, dass wir Religion als Sinn des Lebens durch den Marktplatz ersetzt haben. Das was ich daraus mitnehme ist, dass ich nicht verrückt bin die gleichen Gedanken zu haben, nicht verrückt bin mein Leben nicht an den höchsten Bieter verkaufen zu wollen. Für jemanden zu arbeiten ist in Ordnung wenn die Arbeit Spass macht, das Projekt interessant ist oder es etwas gibt auf das ich sparen will, etwas, dass ich kaufen will. Aber als Normalzustand? Zeit gegen Geld tauschen aus Gewohnheit, weil du keine bessere Idee hast? Wo doch niemand von uns mehr Lebenszeit kaufen kann? Das klingt verrückt für mich.“

#3: Der arme Poet und Wanderer

Und da ist noch Christoph vom Blog Einfach Bewusst, der sich vor einem Jahr in einem Kommentar zu diesem Artikel als „armer Poet“ bezeichnet hat. Darf so jemand monatelang durch die Gegend wandern, nur weil er Freude daran hat, anstatt in dieser Zeit aus seinem Blog ein florierendes Business zu machen? Ja, darf er.

Was ist meine wahre Größe?

Ist jetzt jemand, der weniger arbeitet oder weniger verdient ein besserer Mensch? Nein. Genauso wenig, wie nur der Selbstoptimierer ein wertvolles Leben führt.

So viele Menschen es auf der Welt gibt, so viele Möglichkeiten gibt es, wahre Größe zu zeigen. Das ist so höchst individuell, dass es einfach nicht in die gängigen Coaching-Schablonen passt. Und hat definitiv nichts mit dem Kontostand zu tun. Ich hatte echt angefangen, diese Verknüpfung zu glauben, bis sich irgendwann alles in mir gewehrt hat.

Dann habe ich mich gefragt: Wo liegt denn meine wahre Größe jenseits all der Optionen, die ich noch erreichen könnte?

Und da fiel mir plötzlich ganz schön viel ein, wenn ich nur die vergangenen 3 Jahre betrachte (und auch für die Jahre vorher würde mir ganz schön viel einfallen): ein mutiger Ausbruch aus dem konventionellen Leben, Mut zu einer Soloreise mit vielen Mutproben, jeden Tag meine Freiheit zelebrieren und das Wichtigste: mein Herzensprojekt, den Blog, starten, hätscheln, tätscheln und pflegen.

Ich wollte einfach nur Menschen mit meiner Geschichte erreichen, Mut machen und ihnen zeigen, dass es ein Leben nach Angst und Depression gibt.

Und dabei festgestellt: Letztlich hängt meine wahre Größe und mein echter Erfolg einzig davon ab, wie ich meinen ureigensten, individuellen Weg gehe. Mit meinem Blog mache ich fast alles falsch, was mir damals im Blogging-Kurs beigebracht wurde.

Selbstoptimierung durch Roadtrips

Trotzdem funktioniert er auf meine Art und wäre schon ein Erfolg, hätte ich auch nur das Leben eines einzigen Menschen dadurch besser gemacht. Ich weiß, dass es viel mehr sind.

Ach, und dann fiel mir wieder ein, wie der Blog entstanden ist: als öffentliches Zeugnis einer ganz besonderen Reise. Einer Reise, die mir mehr über mich und mein Leben gelehrt hat als alles, was jemals davor oder danach war.

Selbstoptimierung durch Roadtrips. Es scheint, als wäre das meine beste Investition.

Und jetzt auf, ihr lieben Coaches & Co, von denen ja einige zu meinen Freuden zählen: Haut mir meine Glaubenssätze um die Ohren. Zeigt mir, was ich vielleicht nicht verstanden habe. Oder sagt mir auch gerne, wenn ihr gewisse Thesen stimmig findet. Ich freue mich aufs Feedback!
Wenn du kein Coach bist: Welche Erfahrungen hast du mit dem Thema gemacht? 

Foto: Unsplash.com

39 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Wow Mischa, super Text!
    du hast mal wieder sowas von das Thema getroffen, was mich auch gerade umtreibt. Und punkt genau in Worte gefasst, was auch mich wundert.
    F* Selbstoptimierung!
    Warum will mir eigentlich scheinbar jeder einreden, ich müsse meine Komfortzone verlassen, wenn ich doch Jahre harter Arbeit gebraucht habe, um sie überhaupt erstmal zu finden…
    Ich denke gar nicht daran, sondern richte mich jetzt erstmal gemütlich darin ein 😉
    Liebe Grüße
    Astrid

    • Hi Astrid,

      das hast du schön beschrieben 🙂
      Ich denke, wir wissen schon genau, wann es Zeit für Veränderungen und Aufbrüche ist und machen dann auch die entsprechenden Dinge (wenn wir es wirklich wollen). Und dann ist es auch immer mal wieder Zeit sich einzurichten und Ruhe einkehren zu lassen, damit sich alles setzen kann.

      Wünsch dir einen gemütlichen Sonntagabend
      Liebe Grüße
      Mischa

  2. Ich muss so lachen…. gerade ist mein heutiger, völlig ungeplanter Artikel online gegangen, der genau in die gleiche Kerbe schlägt… lag wohl im Feld 😉

    Freu mich sehr auf persönlichen Austausch darüber!

    Liebe Grüße,
    Carolin

    • Hi Carolin,

      super cooler Artikel, den du da fast zeitgleich rausgehauen hast 🙂 Da lag echt was in der Luft. Habe deine Schlussfolgerung mit großer Freude gelesen und freue mich noch mehr auf unser Gespräch.

      Alles Liebe
      Mischa

  3. Lieber Mischa, ich zitiere:
    „Ging es mir vor ein paar Jahren besser, weil ich da noch wusste, wer ich bin, während ich jetzt nur noch weiß, wer ich sein soll?“
    Den Satz nehme ich jetzt mal mit und werde darüber „sinnieren“ . . .

    Am Ende Deines Artikels hatte ich nur einen spontanen Gedanken:
    Mal so zwei Wochen mit dir Urlaub machen – nur um zuzuhören . . . . 😉😄
    Macht wirklich Freude Dich zu Lesen !

    Danke. Alles Liebe NaTi

    • Hi NaTi,

      deine Freude beim Lesen ist meine Freude 🙂

      Und danke, dass du endlich DEN zündenden Business-Gedanken für mich hast: Urlaub mit Mischa – entspannen, zuhören, sich gut fühlen und erleuchtet heimfahren 😉

      Ganz liebe Grüße
      Mischa

  4. Lieber Mischa
    Super, deine Aussagen. Passt zu meinem derzeitigen Motto: Ich muss nichts, ich kann, wenn ich will! Verschiedene Freunde, mit denen ich in letzter Zeit gesprochen habe, sind auch müde vom Jagen nach immer höheren Zielen. Es gibt Zeiten des Tuns und Zeiten des Seins. Die Balance ist wichtig, wie bei allem im Leben.

    Herzliche Grüsse
    Regina

  5. Danke Mischa, für diese Denkanstöße. Ähnliche Gedanken habe ich mir im vergangenen Jahr auch sehr viele gemacht (und mache sie mir immer noch). Zum einen fühle ich mich selbst sehr gut, wenn ich „mein Potenzial ausschöpfe“, zum anderen benötige ich genau wie du auch die Pausen – ganz ohne Input und ständiger Selbstoptimierung, sondern einfach zum Leben und Sein.

    „Was nicht zu dir passt, ist bedeutungslos“ – dieser Satz fasst es für mich gut zusammen. Es gibt keine absoluten Hacks und Techniken, die für uns alle gelten. Genau deshalb kann ich deinen Frust auf die Vermarktung mancher Coaching-Angebote verstehen.

    Ich denke wir müssen einfach viel mehr auf unseren Antrieb hören, anstatt zwanghaft irgendwelchen vorgelebten Zielen hinterherzurennen. Bei mir wechseln sich die Phasen aus Stillstand und Wachstum ab. Ich versuche dabei so gut es geht, auf mein Gemüt zu hören, ohne dabei zu bequem zu werden. Aber auch das musste und muss ich immer noch erlernen 😉

    Liebe Grüße,
    Sebastian

    • Hi Sebastian,

      gern geschehen 🙂

      Danke für deine wertvollen Ergänzungen und Erfahrungen. Ich sehe das mit dem Potenzial ausschöpfen ähnlich wie du und gleichzeitig bleibt immer die Frage: Wann habe ich es denn ausgeschöpft? Ist das ein Gefühl oder sind das Kennzahlen (Einkommen, Leser, Likes oder was auch immer)? Und wie verhindern wir das Hineintappen in die Höher-Schneller-Weiter-Falle?

      Ich ahne, dass es auch dazu keine allgemeingültige Antwort gibt und freue mich einfach, mal darüber zu philosophieren und viele Meinungen dazu zu hören.

      Ich wünsche dir und mir viel Freude auf diesem nicht endenden wollenden Weg des Lernens 🙂

      Liebe Grüße
      Mischa

      • Genau wenn es um Zahlen geht, dann will ich mich gar nicht vergleichen, denn dann bin ich nie mit mir zufrieden. Das Potenzial muss ich für mich selbst ausschöpfen. Ich merke ja selbst, wann der Grad an persönlicher Entwicklung erreicht ist, der mich zufriedenstellt. Aber ich weiß aus eigener Erfahrung auch, dass es dafür Selbstbewusstsein braucht. Ist das nicht genügend vorhanden, dann messe ich mich immer an Anderen.

  6. Lieber Mischa,
    Selbstoptimierung… eigentlich eine seltsame Wortschöpfung…, wie kann mein „Selbst“ optimiert werden. In welchem Stadion ihres Wachstums muss ich eine Pflanze, wie z.B. eine Rose, optimieren? Ist sie nicht zu jedem Zeitpunkt perfekt? Ich kann sie in ihrer Entfaltung unterstützen, in dem ich sie vor Trockenheit oder zu viel Wind schütze. Vielleicht tut ihr auch einmal mehr gießen gut? Doch was ist wenn sie geblüht hat und trocken wird? Was zählt? Die Blüte oder der ganze Rosenstock?

    Diese Fragen haben mir geholfen mich von dem Selbstoptimierungswahn, auf den ich auch reingefallen bin, wieder zu distanzieren. Klar, wenn man nach über 10 Jahren Angst mit seiner Kraft und seinem Latein am Ende ist, greift (in dem Fall) Frau nach an jedem Strohhalm der den Anschein hat eine Rettungstange zu sein. Ich wollte am liebsten sofort, dass sich meine Angstzustände auflösen, nicht erst innerhalb von 4 Jahren. Es gab für mich nur entweder/oder. Das eine wollte ich nicht mehr, also gab es nur noch das andere. Also volle Fahrt voraus. Doch auch ich habe gelernt, dass Gras nicht schneller wächst, wenn Frau daran zieht.
    Letztendlich habe ich mich nicht selbstoptimiert sondern nur angefangen in mir aufzuräumen. Allein das hat schon geholfen meinem Leben wieder mehr Leuchtkraft zu geben.
    Ich denke, es ist nichts falsch daran, an sich zu arbeiten und Dinge, die aus dem Lot geraten sind, wieder neu zu justieren. Doch inzwischen halte ich es nach dem Motto „sowohl als auch“ Ich bin ok, so wie ich bin, aber es gibt immer noch Dinge die ich „in mir“ verändern möchte um noch toleranter, souveräner, verständnis- oder liebevoller zu mir und meinen Lieben zu sein. Und das Schöne daran ist, ich entscheide für mich, wann oder ob ich diese Reise antrete, oder auch nicht.

    Lieber Sebastian, ich stimme deinem Ansatz „Ich denke wir müssen einfach viel mehr auf unseren Antrieb hören, anstatt zwanghaft irgendwelchen vorgelebten Zielen hinterherzurennen“ voll und ganz zu.

    Und dir lieber Mischa, danke für das Teilen deiner Gedanken
    Pflücke den Tag oder manchmal halt auch mal die Nacht <3

    • Liebe Doris,

      dein Ansatz gefällt mir: Sowohl als auch und dann, wenn es sich stimmig anfühlt. So mag ich das auch in Zukunft handhaben.

      Lieben Dank für deine spannenden Gedanken zu dem Thema und herzliche Grüße
      Mischa

  7. Hej Mischa, genialer Text! Damit bringst du auf den Punkt, was ich seit kurzem unbewusst selbst verspüre, so aber noch gar nicht definiert hatte. Danke für diesen Impuls! Bestätigt mich wieder in meinem tun. 😀

    • Lieber Jacob,

      mit großer Freude habe ich diesen Impuls geliefert 🙂

      Dann wünsche ich dir viel Freude bei der Emanzipation (so bezeichne ich diesen Zustand zumindest bei mir gerade) und schicke liebe Grüße
      Mischa

  8. Servus Mischa,
    ich denke auch, das Selbstwert resp. Zufriedenheit keine Konsumgüter sind, welche wir irgendwo kaufen könnten. Ich denke aber auch, dass der Weg dorthin sehr steinig sein kann. Und nicht immer können wir ihn ohne Hilfe gehen. Da wir Menschen sehr verschieden sind, gibt es auch nicht den EINEN Weg. Was aber für uns alle gelten mag: sich materiell bescheiden und geistig mit dem zufrieden sein, was in uns da ist.

    LG, Dieter

  9. Hi Mischa,

    deinen Artikel sollte sich alle Menschen, die sich stets selbstoptimieren wollen, in Ruhe durchlesen. Ich selbst hatte einen Beruf in dem es jeden Tag um selbstoptimierung ging. Ja, dies wurde sogar von den Mitarbeiter und den Chefs so gewollt. Es war eine reine Qual! Man kann aus einer Mücke einfach keinen Elefanten machen…! Seit dem ich mein Leben so lebe, wie ich es möchte, bin ich ein viel glücklichere und positiver Menschen geworden. Daher spricht dein Artikel mir so sehr aus der Seele!
    Bitte weitermachen 🙂
    Grüße,
    -Fabian

    • Hi Fabian,

      danke für das Teilen deiner Erfahrungen! Ich sehe es auch so, dass wir unter Zwang in keinem Bereich besser werden. Wenn wir wirklich so leben, wie wir möchten, erfolgt unsere Entwicklung von ganz allein.

      Liebe Grüße
      Mischa
      P.S.: Klar mach ich weiter 🙂

  10. Hi Mischa, da staun ich nicht schlecht. Mir kam gerade der Gedanke, dass ich mein Selbst auch immer optimieren möchte, es mag aber nicht und möchte einfach nur “selbst“ sein. So haben wir manchmal ziemlich zoff, das Selbst und ich. Ich lerne gerade zu genießen wenn wir mal im Einklang sind. Sehr tolle Gedanken, Danke Dir! Oli aus Sonthofen

    • Hi Oliver,
      ein Allgäuer Kommentator, wie schön 🙂
      Ich kenne das von dir beschriebene Szenario nur zu gut. Und vermutlich wird es in dem Bereich auch nie eine endgültige Lösung geben, sondern mal ist der Optimierer stärker und mal der „Jetzt isses gerade gut“.
      Lieben Dank für dein Lob und viele Grüße aus Kempten in den wilden Süden
      Mischa

  11. Hi Mischa,
    ich weiß ja nicht, was so energetisch in der Luft lag, aber es scheint sehr viele von uns umzutreiben.
    Die Frage der Selbstoptimierung ist doch im Grunde erst entstanden seitdem wir alle denken, nach oben hin gibt es keine Grenze mehr. Volle Freiheit nach oben. Man findet sofort einen Menschen der etwas besser, schneller usw. kann. Obwohl man bei vielen nicht weiß, ob sie nur Blender sind und vorgeben besser zu sein lassen wir uns trotzdem alle anspornen, vielleicht noch mehr aus uns rauszuholen um sie ein- oder zu überholen. Einmal im Leben die Krone nach Hause bringen. Und wenn uns das gelungen ist, dann sind wir angefixt. Wollen sie gerne noch ein zweites Mal haben. Das Gefühl vom ersten Mal ist so schnell abgeklungen….Eigentlich können wir uns schon gar nicht mehr erinnern wie es sich angefühlt hat. Wenn wir uns noch einen Sieg holen, dann werden wir aber versuchen, dieses tolle Gefühl richtig in uns aufzusaugen. Kaum geschehen folgt die zweite Ernüchterung wie schnell man das Gefühl verliert. Man hatte die besten Umsatzzahlen, die meisten Klicks, die besten sportlichen Zeiten…..Und fühlt sich dennoch nach immer kürzerer Zeit nicht anders als vorher. Eigentlich ist das größte Hochgefühl jenes, welches man im Laufe der Zielerreichung hat. Der Antrieb, der Ehrgeiz, die Frage, ob ich es wieder schaffe, alle zu überholen. Diese Phase gibt den eigentlichen Kick. Aber auch genau diese Phase laugt auch am meisten aus. Zieht sämtliche Energie aus dem Körper.
    Wir fangen an nachzudenken, wie wir unseren Körper und unseren Geist ausdauerfähiger bekommen. Surfen auf den Seiten der Coaches, lesen Motivationsbücher, suchen im Netz nach Erfolgstories und werden fündig. Das Karussell ist in vollem Gang.
    Für mich stellt sich die Frage, warum kommen wir zu dem Moment, an dem wir anfangen uns zu vergleichen, zu messen? Ich glaube es beginnt einfach nur mit dem kleinen Wunsch nach Anerkennung. Und dieser Wunsch ist in der schnelllebigen Zeit so groß. Wir Menschen achten uns gegenseitig nicht mehr im Alltag. Wir verschieben die zwischenmenschlichen Gespräche auf den Moment, an dem wir Zeit haben…….(der allerdings so gut wie nie vorhanden ist). Wir telefonieren nicht mehr, wir verabreden uns schriftlich, wann ein guter Zeitpunkt zum Telefonieren wäre und finden leider keinen. Alles ist wichtiger. Wir sind genervt von den Geschichten der anderen, weil sie uns Zeit kosten. Innerlich rollen wir mit den Augen und rechnen schon aus, wie wir die Gesprächszeit später wieder reinholen können. Wir konzentrieren uns nicht auf die Geschichte und den Menschen sondern sind im Kopf ganz woanders.
    Genau die kleinen Alltagsgeschichten, die Du in Deinem Artikel erwähnt hast, die sind es aber, die unsere Anerkennung im täglichen Leben verdienen. Das Gespräch mit dem Nachbarn, mit der Freundin, mit Fremden…
    Ein kleines Lob, ein kleines Zeichen des Respekts und nur das Gefühl zu schenken, dass mir der andere Mensch für diesen kleinen Augenblick mit seiner Geschichte wichtig ist. Das trägt diesen anderen Menschen durch den Tag und gibt ihm neue Kraft sein Schicksal und seine Geschichte weiter durchzustehen.
    Sich selbst nicht optimieren, nicht ständig nur in den Fokus zu stellen, sondern wieder mehr das Auge auf seine Mitmenschen und ihre Bedürfnisse zu haben. Ihnen kleine Zeichen der Anerkennung schenken. Dadurch würde vielleicht auch die Sucht nach Anerkennung in jedem von uns ein wenig kleiner werden, da wir wissen, dass man auch im Alltag geschätzt werden kann und sich nicht nur über seine berufliche Karriere definieren muss. Man würde sich in der Gemeinschaft wieder mehr getragen fühlen.
    Und letztlich geht man mit dem guten Gefühl weiter, dass man dem anderen Menschen etwas Gutes getan hat. Man ihn mitgetragen hat.
    Ich persönlich finde dieses Gefühl wunderschön und hoffe, besser darin zu werden.

    Entschuldige bitte, dass mein Kommentar so lang wurde, aber nachdem unser wöchentliches Montagsfrühstück ja deinerseits häufiger mal abgesagt wurde in der letzten Zeit  hat sich halt einiges angestaut…..
    Ganz liebe Grüße an Dich und vielen Dank für das Gefühl beim Lesen Deiner Artikel. Hier fühle ich mich auch so, als würde ein Freund meine Gedanken wertschätzen.
    Simone

    • Liebe Simone,

      wow, wow, wow, ich lese und staune und rufe: ja, ja, ja!

      Ich bin begeistert von deiner perfekten Ergänzung meines Artikels und über die vielen Worte meiner Gedankenfreundin 😉 Und dafür sollst du dich bitte nicht entschuldigen, sondern dich feiern, weil du das richtig klasse formuliert hast und da so viel tolle Energie dahinter steckt.

      Und weißt du was? Ich kopier den Text jetzt einfach mal in Facebook rein, damit den noch mehr Menschen zu lesen bekommen 🙂

      Ganz liebe Grüße und auf unser nächstes Frühstück – auch wenn es wieder ein bisschen länger dauert.

      Mischa

    • Liebe Eva,

      ich grinse mir hier einen und sage einfach nur: DANKE! 🙂

      Alles Liebe
      Mischa

      P.S.: Mir gefällt er in aller Bescheidenheit auch ziemlich gut …

  12. Hey Mischa,
    total guter Artikel.
    Auf jeeeeden Fall so weitermachen und bitte nicht aufhören mit dem tollen Input, den du hier bietest!

    Liebe Grüße

    Tim

  13. Schöner Beitrag,

    habe manchmal auch das Gefühl, dieser Selbstoptimierungswahn nimmt überhand. Auf der einen Seite macht es sicher Sinn, nach Verbesserung zu streben. Man muss aber auch die Waage finden, zwischen Zielerreichung/Potentialentfaltung und dem Leben im Hier und jetzt. Letzteres kommt immer mehr zu kurz. Ich schließe mich da übrigens ein. 😉

    Lieben Gruß.

    Sebastian

  14. Guten Morgen,

    auch hier möchte ich etwas zu beitragen, da es genau die Themen sind die mich beschäftigen.
    Nach 10 Jahren erfolgreicher Vertriebsarbeit wollte und konnte ich nichtmehr. Die letzten Monate habe ich mich dauerhaft gefragt: „Wofür tue ich mir das Ganze hier überhaupt an? Für die paar Kröten?“ (die schon recht viele Kröten für Alter und Erfahrung waren, dazu ein dickes Auto). Ich konnte mich aber über nichts freuen und quälte mich herum, mir ging es nicht gut. Beantworten konnte ich aber keine Frage die ich mir selbst stellte, dafür war ich viel zu sehr im System und im Alltag.

    Die Zeit danach:
    Nach einer Ausgewöhnungsphase in der ich einfach nur runterfahren, zu mir finden und mich der Angst stellen musste: „Keinen Job, keine Sicherheit, kein Berufliches ansehen, kein Dickes Auto mehr, morgens aufstehen und dann???“ kamen immer mehr meine Werte und Grundbedürfnisse zum Vorschein.
    Auch dass mir der Job selber kaum Erfüllung gegeben hat. (Ich habe nie gelernt meine Werte wahrzunehmen und denen zu folgen. Mein Weg war völlig fremdbestimmt.) Die Werte die man heute in einem „harten“ Vertriebsaußendienstjob benötigt widersprechen sogar fast alle meinen persönlichen Werten. Und die finanzielle Konsequenz machte mich keinen Deut glücklicher. Das nächste neue iPhone, ohhh etwas Neues, das iPad oder die Apple Watch usw…

    Mit jedem Tag meiner „neuen“ Freiheit werde ich klarer und sehe die Dinge die mir persönlich wirklich wichtig sind. Und das sind Bedürfnisse die unsere Gesellschaft eher verhindert als fördert. Ich fühle mich von Nachrichten, Ämtern, Jobs und auch dem Umfeld eher dazu genötigt wie ein Roboter zu arbeiten, und in der Freizeit Sorgen um die Zukunft zu machen. Dass ich daran kaputt gehe ist egal. Ok jetzt schweife ich ab 😉
    Noch heute fällt es mir schwer als Selbstständiger einen Vormittag zu sagen: Heute habe ich keine Aufträge, da bleibe ich im Bett oder frühstücke in Ruhe. Das habe ich nicht gelernt und kann ich bis zum heutigen Tag noch nicht.

    Keine Frage: Vielen Leuten tun Motivation Coaches gut und helfen Ihnen auch für neue Impulse und auch der Motivation. Was uns aber viel mehr fehlt, weil es eben unserer auf Wachstum basierten Gesellschaft widerspricht, ist die Entschleunigung und eben viel mehr Achtsamkeit (ok direkt 2 Euro ins Phrasenschwein?). Meine Erfahrung hinter der ich stehe ist die, dass man erstmal komplett runterkommen muss, sich akzeptieren muss und das Nichtstun wieder lernen muss. Dann wird man sich besser und schneller seinen wirklichen wichtigen Dingen klar, und widmet sich diesen auch.
    Leider widerspricht das fast alles unserer heutigen Zeit.

    Schwenk zu mir:
    Natürlich habe ich Phasen indem ich über mein heutiges Leben grüble und mir Sicherheiten aus meinem früheren Leben herbeisehne. An einem schlechten Morgen, grauen Tag oder einfach mal so. Hier habe ich aber gelernt oder lerne ich dass so etwas zum Leben dazu gehört und man eben Risiken oder Kompromisse eingehen muss. Meine Freiheit und mein bisheriges Leben tausche ich natürlich sehr gerne und gehe die Kompromisse für mein neues Leben ein. Garkeine Frage.
    Ich stehe jetzt auch an einem Punkt. Ich arbeite schon Selbstständig, bin auch zufrieden wie es läuft. Es ist aber untypisch. Ich habe keinen klaren Job mehr wie früher, führe kein Leben wie meine Freunde, bin eine Ausnahme. Das sorgt natürlich nicht für ein größeres Selbstvertrauen. Aber ich möchte es so und es tut mir gut.
    Aber genau jetzt geht die „ich möchte mehr“, „ich möchte anders“ Falle los. Die Falle muss garkeine sein, sondern können auch Bedürfnisse sein die ich befriedigen möchte.
    Mein Ziel ist es Coach für genau die Achtsamkeit und Entschleunigung zu werden. Eben das Gegenteil von denen die getreu dem Motto vorgehen „LOS MACH ES, WER NICHTS WAGT DER NICHTS GEWINNT“. Eher dem Clienten beizubringen erstmal runterzufahren und daraus die Motivation zu schöpfen. Dass es gut so ist wie es ist und es nicht immer mehr, schneller und weiter sein muss. Oft höre ich „Da gibt es schon 1000 Coaches und das bringt doch nichts“. Aber erstens glaube ich dass ich mich von vielen anderen mit meinem Ansatz unterscheide (und ich von mir überzeugt bin es gut zu machen), und zweitens ist es nicht mein Ziel als Coach finanziellen Erfolg damit zu haben, ich möchte einfach etwas weitergeben und mit den Menschen gemeinsam Erfolg haben. Ein paar Euro verdienen muss ich daran natürlich trotzdem. Drittens habe ich erfolgreich Vertrieb gemacht, ich denke ich weiß wie ich mich gut verkaufe 😉
    Hier habe ich natürlich Zweifel und Ängste. Die Ausbildung beginnen, Geld investieren, Homepage basteln und dann alles umsonst weil ich keinen einzigen Clienten gewinne? Ich weiß dass ich da ein Risiko eingehen muss. Aber möchte mir da auch Zeit geben und die Entscheidung reifen lassen, untypisch für mein bisheriges Leben.
    Und ich weiß dass mir kein einziger typischer Coach da helfen kann, da mich diese mit Ihren Motivationen nicht erreichen.
    So versuche ich es auf meine Art, führe ein sehr zufriedenes Leben und Alltag mit viel Minimalismus (ein sehr interessanter Ansatz der mir viel gibt, wenn man Ihn nicht als Religion sieht) und versuche das zu genießen was ich habe. Ich versuche fast nurnoch Rad zu fahren, und sehe auch täglich wieviel sich bei mir verändert hat und versuche es wahrzunehmen.
    Jedoch merke ich oft wie ich in die „Selbstoptimierungs“-Falle trete und wie diese vom hier und jetzt ablenkt. Verteufeln darf man diese nicht, den Menschen hilft Sie. Aber wie alle extreme heutzutage hilft es keinem wenn man sich dauerhaft selbstoptimiert.

    So ein sehr langer Text aber schreiben Hilft 

    Matthias

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