Spiritualität

Echt abgefahren: Warum Spiritualität so heilsam sein kann

Heute wird’s mal echt abgefahren. Es geht um Räucherstäbchen, Engel, Schamanen und meine bald bevor stehende Erleuchtung.

Okay, nicht ganz. Räucherstäbchen finde ich gar nicht so dufte und das mit der Erleuchtung braucht wohl noch bis zur nächsten Reinkarnation. Mit Engeln und Schamanen hatte ich auch noch keinen direkten Kontakt.

Stattdessen möchte ich dir zu Beginn eine kurze Passage aus dem Buch “Rückkehr zur Liebe” (“Return to love”) von Marianne Williamson vorstellen – wird im Internet gerne fälschlicherweise als Auszug aus der Antrittsrede von Nelson Mandela bezeichnet. Welches Gänsehaut-Erlebnis ich gestern damit hatte, erzähle ich gleich.

“Unsere tiefste Angst ist nicht,
daß wir unzulänglich sind,
unsere tiefste Angst ist,
daß wir unermeßlich machtvoll sind.
Es ist unser Licht, das wir fürchten, nicht unsere Dunkelheit.
Wir fragen uns:
„Wer bin ich eigentlich,
daß ich leuchtend, hinreißend, begnadet und phantastisch sein darf?“
Wer bist du denn, es nicht zu sein ?
Du bist ein Kind Gottes.
Wenn du dich klein machst,
dient das der Welt nicht.
Es hat nichts mit Erleuchtung zu tun,
wenn du schrumpfst,
damit andere um dich herum sich nicht verunsichert fühlen.
Wir wurden geboren,
um die Herrlichkeit Gottes zu verwirklichen,
die in uns ist.
Sie ist nicht nur in einigen von uns:
Sie ist in jedem Menschen.
Und wenn wir unser eigenes Licht erstrahlen lassen wollen,
geben wir unbewußt anderen Menschen die Erlaubnis,
dasselbe zu tun.
Wenn wir uns von unserer eigenen Angst befreit haben,
wird unsere Gegenwart ohne unser Zutun
andere befreien.”
(Marianne Williamson)

Großartig, oder? Das dachte ich mir gestern, als mein wunderbarer Yogalehrer Fabio zur Abschlussmeditation eines dreistündigen Intensiv-Workshops diese Zeilen vorgelesen hat. Diese Zeilen, in denen es um unser Licht geht und wie wir es erstrahlen lassen und in die Welt hinaustragen dürfen.

Eine Erscheinung? Nein, 5 Sekunden Sonne

Und genau in diesem Moment spüre ich, wie es plötzlich unfassbar hell im Raum wird. Wie wenn mir die Sonne direkt ins Gesicht scheinen würde. Dabei war es ein nasskalter-regnerischer, wolkenverhangener Tag. Kann nicht sein.

Nach ein paar Sekunden des Wunderns traue ich mich, die beim Meditieren stets geschlossenen Augen ein klein wenig zu öffnen. Nö, keine Sonne. Muss wohl eine Meditations-Erscheinung meines Geistes gewesen sein.

5 Minuten später ist der Kurs zu Ende. Fabio kommt zu mir und sagt, dass er noch immer so eine fette Gänsehaut hat, weil genau in besagtem Moment ein kurzer Sonnenstrahl durchs Fenster gelugt hat. Es war also doch keine Einbildung, das war Realität.

Wohlgemerkt die einzigen 5 Sekunden Sonne, die es am gestrigen Samstag in Kempten gab. Irre, oder?

Es ist mir ehrlich gesagt egal, wenn jetzt ein Diplom-Wetterfrosch kommt und mir erklärt, dass es durchaus Tage mit 0,0 Prozent Sonnenwahrscheinlichkeit geben kann, an denen 5 Sekunden die Sonne scheint.

Loslassen, Vertrauen, Heilung erleben

Für mich ganz persönlich war es einfach ein kleines Wunder. Eines von vielen, die mir passiert sind, seit ich mich dem Thema “Spiritualität” in den vergangenen Jahren angenähert habe.

Die auf unbeschreibliche Art und Weise dazu beitragen, dass alte Wunden heilen dürfen und ich eine neue Sicht des Lebens bekomme und viel mehr vertrauen und loslassen kann.

Wobei ich den Begriff Spiritualität – genauso wie Esoterik – ehrlich gesagt nicht besonders leiden kann. Der eine klingt so hochtrabend-erklärungsbedürftig, der andere nach Hokuspokus und Spinnerei (wobei ich Spinner ziemlich gut leiden kann).

Spiritualität ist für mich nichts, was an eine Religion oder eine Überzeugung gekoppelt ist. Nichts zum Nachplappern oder Nachmachen auf Ansage. Eher so ein Staunen darüber, dass es Dinge gibt, die so viel größer und mächtiger sind als wir kleine Menschlein und deren Kraft ich ständig spüren kann, wenn ich mich darauf einlasse.

Auf dem Blog “Zeit zu Leben” steht in dem Artikel Wieso Spiritualität wichtig für uns ist fast eine 1:1-Beschreibung dessen, wie ich Spiritualität erlebe. Lies da einfach mal rein, das ist hoch interessant.

Sehr gut gefällt mir auch die begriffliche Annäherung von Suze in diesem Blogartikel auf “Free your work life”. Sie spricht von einer „stärkeren Sensibilität gegenüber inneren Kräften“ und sagt gleichzeitig: “Am allerliebsten würde ich jedoch einen anderen Begriff für das finden, was ich meine, weil Spiritualität als Begriff für viele Menschen irgendwie negativ oder unglaubwürdig belegt ist.”

Spiritualität = Momente des reinen Seins

Doch es geht mir nicht um die Definition und die Philosophie darüber. Ich möchte dir lieber noch weitere Beispiele aus der Praxis erzählen. Ein paar davon kennst du vielleicht schon, wenn du regelmäßig hier liest.

Warum die für mich so wichtig sind? Das waren allesamt Momente des Abtauchens, des reinen Seins, der absoluten Achtsamkeit, des völlig bewussten Wahrnehmens.

Momente, in denen ich mich so intensiv gespürt habe wie nie zuvor. Momente der tiefen Vergebung für die vielen Wunden, die ich mir selbst im Lauf der Jahre zugefügt habe. Momente der Heilung. Momente der ganz großen Gefühle.

Und das vielleicht Wichtigste, weshalb ich jedem nur empfehlen kann, sich der Spiritualität anzunähern: Momente, in denen Angst definitiv keinen Platz hat. Da passieren Dinge, die du auf bewusster Ebene mit deinem Verstand nicht erzwingen könntest. Das ist Therapie in seiner reinsten und schönsten Form.

Singen für die Seele, berührende Jodler

So war ich kürzlich mit meiner Frau beim “Singen für die Seele“. In der heimeligen Atmosphäre eines wunderschönen renovierten Bauernhaus haben wir in kleiner Runde zwei Stunden lang einfache, herzerwärmende Lieder aus verschiedenen Kulturen gesungen. Schon beim zweiten Lied hatte ich Tränen in den Augen, weil die Energie des Moments einfach überwältigend war.

Eine Woche zuvor haben wir in der Nesselwanger Kirche den großartigen Musikern von Vuimera zugehört. Ich war so geflashed von dem, was da mit mir passiert ist, dass ich am nächsten Morgen auf meiner Facebook-Seite geschrieben habe:  “Ein Konzert, das 12 Stunden später noch nachwirkt mit Gänsehaut und Melodien, die tief in mir nachklingen. Nein, kein Konzert, das waren für mich 80 Minuten Meditation, unglaubliche Energie, tiefste Berührung, Geborgenheit, Wärme trotz kalter Kirche, Trance, Tränen – und die Gewissheit: Davon habe ich gerne noch Vuimera. In großer Dankbarkeit.”

Ähnliche Erlebnisse hatte ich beim Mantrasingen im Ashram und beim Yoga-Retreat.

Zudem habe ich in diesem Jahr meine spirituelle Komfortzone durch echt abgefahrene Bücher nochmal mächtig erweitert: Gespräche mit Gott hatten mir gleich mehrere Leser und Freunde empfohlen. Dieses Buch wirst du entweder lieben (und trotzdem dabei immer wieder an die Grenzen deiner Vorstellungskraft kommen) oder entrüstet ins Eck werfen und sagen: “Was ist DAS denn bitte?!”

Vielleicht ist auch Mary: Die unbändige göttliche Lebenslust etwas für dich. Deutlich leichter zu lesen. Also ein netter, kleiner Eso-Einstieg mit Wohlfühlfaktor.

Die spirituelle Kraft der Natur

Wenn weder Singen, Yoga, Meditation noch Bücherlesen etwas für dich ist, dann rate ich dir zur besten aller spirituellen Erfahrungen: Geh raus in die Natur und lass sie auf dich wirken. Am besten stundenlang ohne jegliche Ablenkung.

Plätze, an denen du die Seele baumeln lassen kannst, findest du dort zuhauf und völlig kostenfrei. Lass dich irgendwo nieder, werde still und schau, was mit dir passiert (ich habe da so eine Ahnung …).

Über Naturbegegnungen, Kraftorte und die Energie des magischen Moments durfte ich an anderer Stelle schon einen Artikel schreiben. Klicke hier, wenn er dich interessiert.

Ganz ohne Gurus

So, das war mein Ausflug in die Welt der Spiritualität und Erleuchtung. Falls du sagst “Das ist doch alles Käse”, kann ich dich gut verstehen. So habe ich früher auch getickt.

Und ich bin der Meinung, dass es sich für jeden lohnt, auf irgendeine Art und Weise Zugang zur Spiritualität zu bekommen. Ganz individuell, ohne Vorschriften von Religionen und Gurus.

Jetzt zieh ich mir schnell ein paar dicke, schwarze Klamotten an, damit mein Leuchten nicht so auffällig ist …

Hast du auch Erfahrungen mit diesem Thema gemacht? Oder ist dir das alles suspekt? Gibt es für dich eine Kraft, die größer ist als wir oder glaubst du nur das, was die Wissenschaft erzählt? Ich freue mich auf deinen Kommentar!

Foto: Unsplash.com

12 Comments

  1. Veröffentlich von Suze am 4. Dezember 2016 um 13:09

    Love this <3 Und: Ich LIEBE Hokuspokus 😀 Und: Wiiieee, Du hast keinen Schamanen? 😉 Hab einen wunderbaren Sonntag!

    • Veröffentlich von Mischa am 4. Dezember 2016 um 20:39

      Noch nicht! Stehst du zur Verfügung? 😉

      Liebe Grüße und einen wunderschönen Abend!

  2. Veröffentlich von Maja am 5. Dezember 2016 um 0:48

    Hallo Mischa!
    Genau das ist es … der Sonnenstrahl, der zufällig scheint… genau und nur in diesem Moment…!?? Hammer. Ich liebe solche Situationen!
    Wollte außerdem (endlich mal) ein kleines Dankeschön “Hier ist es – DANKE!”
    dalassen, da Du mir schon so oft mit deinem Blog den Tag erhellt, einen tollen Anstoß gegeben oder mir einfach nur Bestätigung in meinem Denken gegeben hast! Super, bitte unbedingt weiter so…
    Ganz liebe Grüße, Maja

    • Veröffentlich von Mischa am 5. Dezember 2016 um 21:52

      Liebe Maja,
      was für ein wunderschönes Kompliment für mich und meinen Blog <3 🙂
      Damit hast du mich zum Strahlen gebracht.
      Ganz liebe Grüße
      Mischa

  3. Veröffentlich von Danny am 5. Dezember 2016 um 11:28

    Hi Mischa, ein wunderschöner Artikel zu einem wunderschönen Thema!
    Es ist so schade, dass Spiritualität immer in so eine verklärte Hokus-Pokus-Ecke gestellt wird, denn sie ist doch eigentlich nichts anderes als das von Dir beschriebene achtsame Staunen über die Dinge, die irgendwie größer sind.
    Vielen Dank für diese Worte 🙂

    • Veröffentlich von Mischa am 5. Dezember 2016 um 21:53

      Hej Danny,
      gern geschehen! Lass uns einfach weiter staunen und die Spiritualität genießen 🙂
      Ganz liebe Grüße
      Mischa

  4. Veröffentlich von Jay Be am 5. Dezember 2016 um 23:35

    Herrlich Mischa. Ich sehe das Leuchten zwischen den Buchstaben. Sehr schön, wie du erzählst von deinen Erfahrungen aus der InnenWelt. Weiterhin gute Reise durch das Selbst wünsche ich dir. Ach ja und “Geh raus in die Natur und lass sie auf dich wirken. Am besten stundenlang ohne jegliche Ablenkung.” Der Satz hätte auch von mir sein können 😉 Liebe Grüße Jürgen

    • Veröffentlich von Mischa am 10. Dezember 2016 um 13:02

      Hi Jürgen,

      das weiß ich. Und lass uns doch einfach im nächsten Jahr mal wieder draußen treffen 🙂
      Und dann können wir auch ein bisschen gemeinsam leuchten 😉

      Liebe Grüße
      Mischa

  5. Veröffentlich von Rut am 6. Dezember 2016 um 22:12

    Hallo Mischa,

    bei mir war es das letzte Mal eine Sternschnuppe.

    Ich habe viele solcher Momente. Ich liebe es, wenn ich das Gefühl habe, dass da jemand durch das ganze Universum zu mir spricht.

    Liebe Grüße

    Rut

    • Veröffentlich von Mischa am 10. Dezember 2016 um 13:03

      Hi Rut,

      oh ja, Sternschnuppenmomente sind großartig. Weiter gute Gespräche 🙂

      Liebe Grüße
      Mischa

  6. Veröffentlich von Dieter Brehm am 10. Februar 2017 um 15:07

    Hi Mischa,
    darf ich so einen “alten” Post noch kommentieren? Ich tu’s doch 🙂

    Meine Begegnung mit der “Spiritualität” war die mit der ZEN-Meditation. Das schöne dabei ist: ZEN kommt völlig ohne jedes Dogma, ohne Religion aus. Es heißt nicht umsonst, das ZEN eine Lehre ohne Lehre sei. Ich habe zu diesem Thema auch auf meinem Blog (24notes.de) ein paar Beiträge geschrieben.

    Ich kam übrigens über Yoga zum ZEN.
    LG, Dieter

    • Veröffentlich von Mischa am 15. Februar 2017 um 10:01

      Lieber Dieter,

      natürlich darfst du 🙂 Der Post ist nicht alt, sondern nur gereift und wird immer besser.

      Danke für deine Erfahrungen mit der ZEN-Meditation. Ich habe auch schon mal eine mitgemacht und sie hat mir sehr gut getan. Für mich persönlich ist jede Art von Meditation undogmatisch und unreligiös. Selbst wenn ich jetzt 40 Ave Maria im Rosenkranz beten würde, wäre das pure Meditation, ohne dass mich der Text und seinen Inhalt näher kümmern würde.

      Liebe Grüße
      Mischa

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